In der grössten elsässischen Stadt fliegen die Engel zu Weihnachten hoch: Still und leise hat sich Strasbourg in eine Weihnachtsstadt verwandelt. Die ganze Altstadt wird zu einem Weihnachtsmarkt und unzählige Veranstaltungen für jung und alt rahmen das Ganze ein.

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„Unter dem Jahr sind wir natürlich auch nicht nur Engel“, sagt die Marktfrau, deren Gesicht von Engeln eingerahmt wird. Da schweben unter dem Zeltdach junge und alte, dicke und dünne, es hat solche, die fiese Gesichter haben und solche, die ganz lieblich schauen. „Strasbourg ist eine echte Weihnachtsstadt,“ sagt die Marktfrau mit den Engeln. Zwar sei es für sie die anstrengendste Zeit des Jahres, denn der Stand müsse schon früh aufgestellt werden und man müsse von Jahr zu Jahr mehr Auflagen erfüllen. Es habe mit dem TGV begonnen, da seien immer mehr Leute an den Weihnachtsmarkt in Strasbourg gereist.

„Auch die Stadt unternimmt viel mehr, da gibt es eine Schlittschuhbahn für die Kleinen und im Münster finden viele grosse Konzerte statt.“ Speziell wirkt „Noel à Strasbourg“ vor allem durch die einmalige Beleuchtung und dadurch, dass die ganze Altstadt (Grande Il) rund um den L’Il-Kanal speziell dekoriert ist. Dadurch, dass sich der Weihnachtsmarkt durch viele Gassen hindurchzieht, ist auch das Gedränge nicht so schlimm wie an anderen städtischen Weihnachtsmärkten.

Der Place Kléber im Stadtzentrum wird seit Anfang Dezember von einer Tanne überragt, die den europäischen Rekord brechen will. Aber auch hier versteht es die Stadt, den weihnächtlichen Ernst aufzulockern und den Einkaufsrausch etwas gemütlicher zu gestalten: Zum Beispiel mit einer Kunsteisbahn auf dem Place du Chateau, wo sich die Kids austoben können, während sich der vom Shopping ausgelaugte Vater an den Zaun lehnen kann und endlich den lange verdienten Glühwein bekommt.

Ebenfalls sehr zu empfehlen ist eine Bootsrundfahrt auf dem L’Il. Hier bekommen die Reisenden eine einfache und nicht anstrengende Übersicht der Schönheiten der Altstadt, es ist die einfachste Art, ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Stadt alles bietet. Tatsächlich wäre Strasbourg mehr als einen weihnächtlichen Tagesausflug wert, denn egal wie früh man auch aufgestanden sein mag, die Zeit reicht trotz liberaler Öffnungszeit des Marktes (20 Uhr) kaum aus, um den ganzen Markt zu besichtigen.

Fischliebhabern sind dieses Jahr besonders die Stände der Partner- und Gaststadt Quebec zu empfehlen. Egal, ob man eher Crevetten oder Lachs mag, das Angebot der Kanadier vom Place Gutenberg (Handwerk) und bis zum Place Temple Neuf (Weihnachtskrippen) wirkt sehr farbenfroh unterhaltend.

„Hier in Strasbourg sind die Leute an Weihnachten gut drauf, doch haben wir gerade in den Vorstädten auch immer wieder Probleme. Die sind nicht so schlimm wie in Paris, aber viele junge Menschen sehen in der französischen Gesellschaft keine Perspektive mehr. Sie verstehen die Politiker nicht mehr,“ erklärt die Marktfrau und packt besonders liebliche Engel aus. Neben den Metropolen Paris, Marseille und Lyon versteht sich die Viertelmillionenstadt mit ihrem Rheinhafen und dem Endpunkt der Marne vor allem als eine Hauptstadt Europas, da hier zahlreiche Institutionen der EU beheimatet sind. Die Vorstädte und Aussenquartiere Strasbourgs sind verwechselbar und öde wie anderswo auch, doch zu Weihnachten erstrahlt zwischen den beiden Armen der L’Il eine ganz besondere Atmosphäre, die niemand so schnell vergisst. „Wissen Sie, wir sind stolz darauf, dass so viele Leute, auch aus Frankreich, extra an Weihnachten hierher reisen. Da sieht man, es muss nicht immer nur Paris sein.“ Die Marktfrau grinst und hängt noch einen Engel auf – diesmal einen mit fiesem Gesicht.

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