Bukit Lawang, ein Dorf in Nordsumatra, ist ein sicherer Wert für Leute, die einmal einen Orang-Utan in freier Natur sehen wollen.

Regen giesst von den Dächern, und der Pfad vor unserem Bungalow wird bald zu einem reissenden Fluss. Nichts Besonderes während der Regenzeit in Sumatra. Wir reisen zu viert und sind soeben in Bukit Lawang angekommen, wo wir, wie jeder andere Tourist auch, freilebende Orang-Utans zu sehen bekommen wollen. Private Touristenführer gibt’s hier wie Sand am Meer, und so ist kurz nach unserer Ankunft alles für den morgigen Abenteuerausflug in den Dschungel mit einer Übernachtung in Zelten gebucht. Gegen acht Uhr in der Früh treffen wir unseren Guide am Rande des tropischen Waldes, der diesen kleinen Ort umgibt. Wir beginnen sogleich mit dem Aufstieg. Mit uns laufen noch vier weitere Einheimische, die, mit Rücksäcken und riesigen Pneus beladen, an uns vorbei eilen. Nach nur kurzer Zeit sind sie mit samt ihrem Gepäck nicht mehr zu sehen.
Auch unser Führer hat ein ziemliches Tempo drauf, so dass man bei all dem auf und ab ganz schön ins Schwitzen kommt. Blutegel saugen sich an unseren Fesseln fest, und wenn man sich an einem Ast hochziehen will, fasst man bestimmt in ein Nest beissender Ameisen. Es ist schwül, und wir sind froh, dass wir nach zwei Stunden Marsch eine Pause einlegen.
Nach einer kleinen Stärkung geht’s weiter bergab und gleich wieder bergauf, bis unser Guide nach insgesamt vier Stunden den ersten Orang-Utan sieht. Er greift sich in seinen Rucksack und holt Bananen raus. Der Affe kommt und mit ihm noch drei weitere. Dieser Moment ist wirklich unglaublich. Man kriegt es angesichts dieser riesigen Primaten ganz schön mit der Angst zu tun und ist doch fasziniert. Die Affen wissen ganz genau, dass es im Rucksack unserers Führers noch mehr Bananen gibt und steigen ihm nach. Er versucht, sich lautstark zu wehren und rennt – kein Witz – den Hang hinauf. Keine Lust, mit der sprichwörtlichen Horde wilder Affen allein zu sein, eilen wir ihm nach. Jetzt ist das Ganze nicht mehr lustig. Glücklicherweise haben die Tiere keine Lust auf dieses Spielchen und haben wohl auch keinen grossen Hunger, so dass sie bald zurück kehren.
Nach nur wenigen Schritten begegnen wir einem weiteren Orang-Utan, der an einem Ast über unserem Weg baumelt. Dies sei gefährlich, meint unserer Guide, da es sich um eine frischgebackene Mutter handelt und wir ihr und ihrem kleinen nicht in die Quere kommen sollten. Also zieht unsere Führer ein Buschmesser aus seinem Gürtel und bahnt sich, wie Indiana Jones, einen Weg durch den Dschungel. Wir machen uns keine Gedanken, auf welch giftiges Getier wir dabei treffen könnten, wir wollen nur ausser Reichweite der Menschenaffen sein. Unser Wunsch freilebende Orang-Utans, die grössten auf Bäumen lebenden Säugetiere, zu sehen, ist eingetroffen. Aber wir hätten irgendwie gut darauf verzichten können.

Nach weiteren zwei Stunden Marsch kommen wir ziemlich geschafft an unserem Ziel, einem kleinen Platz gleich neben dem Fluss Bohorok an. Die Einheimischen, die uns vorangeeilt waren, sind schon lange da und bereiten uns soeben ein Nacht-Essen vor. Nachdem wir uns im Fluss abgekühlt haben, geniessen wir das schmackhafte Mahl und begeben uns nach einiger Zeit ums Lagerfeuer in unsere Zelte. Von der Nacht im Dschungel kriege ich nicht viel mit, da ich von der Anstrengung tief und fest schlafe. Am nächsten Morgen setzten wir uns in die eigens für uns mitgebrachten Gummischläuche und schwimmen Fluss abwärts ins Dorf.

Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer, aber wir haben Eines gelernt: Man sollte aus Sicherheitsgründen nur mit Profi-Guides, die offizielle Papiere vom Gungung Leuser Nationalpark vorweisen können, in den Dschungel gehen.

Tagged: Archive, Indonesien

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