Für mich ist es zwar eine Städtetrip, doch für die meisten Leser dürfte es eher ein Zwischenstopp einer längeren Indonesienreise sein: Am Wochenende flogen wir nach Yogyakarta. Die Einheimischen sind sich da auch nicht ganz einig, wie es denn nun geschrieben wird: Yogyakarta, Jogjakarta oder Yogjakarta. Auf jeden Fall nennen es alle nur „Dschog-dscha“.


Die Stadt mitten auf der Insel Java in Indonesien ist ein beliebtes Wochenend-Reiseziel, da man in zwei Tagen sehr gut alles besichtigen kann. Man begegnet hier Unmengen an Backpackern, die auf ihrer Indonesienreise hier einen Zwischenhalt einlegen. Ich kann es sehr gut verstehen; Jogja ist den Besuch wert.

Tag 1: der Sultan, Vögel und Maden

Nach unserer Ankunft am Samstag Morgen fuhren wir rund eine Stunde in unser Hotel. Leider ist auch hier der Verkehr wie in vielen Teilen Indonesiens ein grosses Problem. Unser Plan fürs Wochenende waren drei Dinge: die Stadt und zwei berühmte Tempelanlagen. Dies sollte eigentlich zu schaffen sein.

Als Erstes fahren wir ins Stadtzentrum und machen uns zu Fuss quer durch die Strassen und Gassen. Viele Franzosen und Holländer begegnen uns auf dem Weg. Wir laufen gerade die Touristenmeile, die Malioboro, hinunter. Hier befindet sich ein grosser Markt für Textilien und Souvenirs. Öfters werden wir von Indonesiern auf Deutsch angesprochen. Man will uns in eine Kunstausstellung locken. Sie sei schliesslich umsonst und zeige junge indonesische Künstler. Das kenne ich von einigen anderen Destinationen, wie auch Shanghai. Solche Angebote sollte man meiden. Auch wenn es so nett klingt – warum sollte es umsonst sein? Ich denke nicht, dass das Kultusministerium Leute anstellt, um den Touristen die indonesische Kunst näher zu bringen. Nachdem wir mehrmals ablehnten, meint einer zu uns, wir sollen aufpassen. Es gäbe viele, die Unsinn erzählten. Ihm könne man glauben. Ok. Danke. Wir gehen weiter.


Foto: Kirjapan / CC-Lizenz 3.0

Weiter Richtung Süden also. Nach rund einem Kilometer erreichen wir den Palast des Sultans. Es ist immer wieder schön, neue Details über Länder zu erfahren, von denen man dachte, man hat eigentlich einen guten Überblick. Doch spätestens hier am Palast komme ich ins Grübeln. Ein Sultan hier? Doch wie es scheint ist Yogyakarta eines der letzten zwei verbliebenen Sultanate Indonesiens. Im Herzen der Stadt kann man die unbewohnten Teile des Palasts besuchen. Auch hier wimmelt es von Touristen. Deshalb kürzen wir unseren Rundgang und machen uns per Taxi auf zu einem eher unüblichen Ort: dem Tiermarkt.

Früher lag der „Vogelmarkt“ noch beim Sultanpalast. Er wurde jedoch verlegt. Der Taxifahrer erzählt uns, es sei ein sehr stark besuchter Ort. Stark besucht stimmte, es waren zum Glück aber ausschliesslich Einheimische vor Ort. Doch was wir sahen, hat unsere Stimmung leider nicht gerade zum Höhepunkt gebracht. Der WWF hätte hier wohl etwas gegen die Haltung der Tiere. Naja, wenigstens haben wir wieder einmal ein bisschen Realität zu sehen bekommen und nicht nur die tourstische Fassade. Auch witzig war, dass wir selbst zur Attraktion wurden. Auch wir waren bunt wie Vögel in der Masse. Beim Hinausgehen meinte meine Schwester, sie wolle sich noch kurz am Essensstand etwas kaufen. Als wir dann bemerkten, dass das Dargebotene Maden, Ameisen und Kakerlaken war, hatten wir dann auch bis am Abend keinen Hunger mehr.

Das Fazit am ersten Tag ist einfach: die Stadt ist grösser als wir dachten, und mit dem Verkehr dauert alles etwas länger. Die Menschen sind aber äusserst freundlich und hilfsbereit. Abends schläft die Stadt bald ein und es wird gemütlich. Unser Nasi Goreng, das Mee Goreng und die Tempe (vermantschte, gebratene Sojasprossen) waren köstlich. Wir gehen früh schlafen, denn morgen ist um drei Uhr Tagwache. Schauen wir mal, was uns die beiden Tempel noch über Jogja erzählen werden.

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