Mein Wecker reisst mich um 3 Uhr aus dem Schlaf. Keine 30 Sekunden später klingelt das Telefon im Hotelzimmer. „Wake-up Call“, sagt die freundliche Stimme am anderen Ende. Dieser Tag wird lang werden. Es ist Sonntag, eigentlich ein Tag der Ruhe, doch wir haben heute, am Tag 2 in Jogja, viel vor.

Erstmal müssen wir uns mit Insektenspray einsprühen, und dann geht es in die Lobby. Die Küche hat speziell für uns Frühstück gemacht, der Kaffee steht bereit. Perfekt! Wer nach Jogja fährt, der wird sehr wahrscheinlich auch einen Tag so früh aufstehen wie wir. Grund für die nächtliche Aktion ist der Borobudur-Tempel. Der Sonnenaufgang soll die Strapatzen mehr als nur kompensieren. Der Tempel ist die grösste buddhistische Anlage der Welt und liegt rund 25 Kilometer ausserhalb von Jogja. Der Sonnenaufgang ist um ca. 5.15 Uhr. Unsere Rezeptionistin hatte uns vorgerechnet, dass wir deshalb um 3.30 losfahren müssen, um rechtzeitig dort zu sein. Nun, wir sind bereit. Der Kaffee ist getrunken und das Toastbrot gegessen. Doch wo bleibt der Fahrer?

Durch die Nacht nach Borobudur

Rund zwanzig Minuten zu spät kommt der Fahrer angebraust. Auch er sieht genau wie wir noch ein bisschen verschlafen aus. Doch am Ende geht alles auf. Es scheint, als hätte die Hotelangestellte auch diesen Fall eingeplant. Man stelle sich vor, man klettert morgens früh auf den Tempel hinauf und verpasst den Sonnenaufgang! Nun, es hat sich definitiv gelohnt.

Von einem Hotelkomplex, der auf dem Gelände des Borobudur-Tempels liegt, gelangen wir zu den Stufen, die über neun Ringe zur grossen Stupa hinaufführen. Jeden Ring soll man dreimal begehen und dann auf die nächste Ebene hochsteigen. Der Borobudur ist voller buddhistischer Symbole und stellt die Nachbildung des Universums dar. Durchschreitet man das letzte Tor zur obersten Stupa, entlegt man sich allen physischen Körpern. Um diesem zusätzlich Ausdruck zu verleihen, wurden alle Buddhastatuen auf dieser Ebene in Stupas gesetzt. Sie sind da, die körperliche Erscheinung ist jedoch nicht mehr sichtbar.
(Bilder zur Vergrösserung bitte anklicken!)

Der Bordobudur-Tempel war einst der grösste buddhistische Tempel der Welt und wurde durch ein Erdbeben zerstört und erst von den Europäern wiederentdeckt. Heute strahlt die Stufenpyramide mit all ihrer Pracht wieder ihre Mystik weit ins Land hinaus. Der Tempel wurde 1991 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Ich kann jedem empfehlen, früh aufzustehen und sich den Sonnenaufgang hier oben anzuschauen. Der Tempel ist einerseits nicht mit Touristen übervölkert wie beispielsweise in Angkor Wat. Andererseits nimmt man sich in der kühlen Dämmerung vielmehr Zeit, den Tempel, die Ornamente und die Aussicht auf sich wirken zu lassen.

Von Buddha zu Vishnu

Als zweite Station heute fahren wir zum zweiten, kulturellen Höhepunkt rund um Jogja. Die Tempelanlage Prambanan (unteren drei Bilder in der Fotogalerie) liegt unweit des Flughafens und damit der Stadt. Prambanan ist die grösste hinduistische Stätte Indonesiens und eine der grössten in ganz Südostasien. Die Anlage wurde gleichzeitig wie der Borobudur erbaut und erlitt dasselbe Schicksal, als die Erde bebte. Erst im 20. Jahrhundert machte man sich daran, Prambanan wieder aufzubauen. Rund 75 Prozent der ursprünglichen Steine sind noch auf dem Gelände und werden noch heute mühsam wieder in die ursprüngliche Gestalt gesetzt. Auch Prambanan wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Macht doch noch einen Spaziergang durch die umliegenden Felder! Es ist ein Platz der Ruhe und ein guter Abschluss bevor man sich wieder in den Verkehr von Jogja stürzt.

Alle Fotos: Rico Wyder

Tagged: Archive, Indonesien

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