Dies ist die wahre Geschichte, wie ich in den Ferien im Südtirol zum Hobby-Biathleten wurde. Sie beginnt vor rund 30 Jahren…

Als ich klein war, war mein Onkel E. für mich die Personifizierung der Unsportlichkeit. Sport war für E. ein Fremdwort; er schaute nie Sport im TV, und Sportbekleidung hatte er auch keine. Okay, als guter Schweizer ging er regelmässig schiessen, er spielte auch Schach, und im Winter ging er ab und zu in seinem Tal langlaufen – mit einer Ausrüstung, die mich an den Zweiten Weltkrieg erinnerte und ihn wahrscheinlich an seine Rekrutenschule. Genau genommen, handelt es sich bei diesen Betätigungen ja um Sportarten, denn über alle drei berichten die Zeitungen auch heute noch im Sportbund.

Ich gebe gerne zu, dass auch ich Schach spiele. Als Wintersportunfreund und für die Schweizer Armee als untauglich eingestufter Mensch hatte ich mich mit den beiden andern Sportarten jedoch kaum befasst. Bis ich letzten Winter zum ersten Mal ins Südtirol fuhr… (Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken!)

Durch ausgiebiges Fernsehstudium bereitete ich mich auf meinen ersten Einsatz als Skijäger vor. Als Begleiterin nahm ich meine Freundin mit – ein grosser Frustrationsfaktor, wie sich später herausstellen sollte. Wir verbrachten zwei Tage in Antholz, wo wir auf einem Bauernhof übernachteten. Von dort aus war es nur ein Katzensprung bis zum bekannten Biathlonzentrum Antholz.

Wie der Zufall es wollte, war dort der der Bauer unseres Hofs – er hiess Christian – unser Biathlon-Lehrer. Am Vormittag lernten wir, uns auf den dünnen und federleichten Skis fortzubewegen, und am frühen Nachmittag erlernten wir das Schiessen im Liegen und im Stehen. Das Gewehr ist dabei schwerer als Skier und Stöcke zusammen, das Schiessen jedoch einfacher als das Langlaufen. Am schwierigsten jedoch ist das Treffen… Und das war auch der Auslöser der Frustration: Während ich pro Durchgang im Schnitt ungefähr zwei von fünf Scheiben traf, kam meine Freundin bei jedem Durchgang auf mindestens vier Treffer. Vor allem im Stehen erwies sich das Schiessen trotz grösseren Scheibendurchmessers als reine Lotterie – für mich jedenfalls.

Biathlon machte uns derart Spass, dass wir am nächsten Tag gleich nochmals eine Probelektion einlegten. Das Skaten im Tannenwald und die Action und Geschicklichkeit am Schiessstand – diese Kombination ist sehr erfrischend. Schade, dass Biathlon für jedermann in der Schweiz nicht angeboten wird. Deshalb gibt es für uns nur eine Lösung: kommenden Winter wieder nach Antholz zu fahren!

PS. Mein Onkel E. hat nie Biathlon probiert. Als er noch gelebt hatte, war das eine Randsportart in der Schweiz. Und diese hat er Zeit seines Lebens nie verlassen.

Alle Fotos: Tourismusverein Antholzertal.

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