Die Stadt Jerusalem, zwischen Mittelmeer und Totem Meer hoch droben auf den Bergen von Judäa gelegen hat, mehr als nur den einen Namen: Al Quds, die Heilige, Zion oder Jerushalajim nennen Muslime, Christen und Juden ihr Heiligtum.


Größere Kartenansicht

Am schnellsten erreicht man Jerusalem vom Flughafen Tel Aviv aus über die Autobahn. Unvergleichlich spektakulärer ist aber die Strasse vom Toten Meer und Jericho aus, die sich rund 1200 Höhenmeter hinaufwindet. Atemberaubende Ausblicke und Stadtpanoramen lassen die Faszination Jerusalems spüren, diesen Mix aus Geschäftigkeit und Spiritualität, aus Toleranz und Dauerkonflikt, dem Jahrhunderte währenden Spagat zwischen dem Kirchen-Rom und dem orientalischen Flair aus 1001er Nacht, der Kontrast zwischen andächtiger Stille inbrünstig ins Gebet versunkener Gläubiger und dem lebhaften Geräuschpegel der Altstadt mit Basartreiben und betörendem Gewürzduft.

Wie aus einer anderen Welt erscheint wiederum das Westjerusalem der hippen israelischen Postmoderne und Schickeria mit seinen Cafés unter Palmen, schicken Geschäften und Shopping Malls. In Jerusalem prallen an jeder Ecke Welten aufeinander, auch die der drei sogar auf dem gleichen Glaubensfundament stehenden und doch so verschiedenen Weltreligionen.(Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken!)

FĂĽr Israel und die Juden hat Jerusalem die wohl grösste Bedeutung. Ob „Jerusalem“, „Jerushalajim“ oder „Zion“ – Jerusalem war das identitätsstiftende Zentrum aller SehnsĂĽchte der in alle Welt vertreuten Juden. „Nächstes Jahr in Jerusalem …“ hiess es im Gebet zum Pessachfest. Besonders in dieser Stadt wird deutlich, dass fĂĽr gläubige Juden Geschichte und Glauben untrennbar verwoben sind. Hier stand der Tempel, dessen einziger noch erhaltene Rest die auch Westmauer genannte Klagemauer ist. Seit 1967 ist er fĂĽr die Juden zugänglich, als die israelische Armee im Siebentagekrieg ganz Jerusalem eroberte. Zuvor gehörte nur Westjerusalem zu Israel, das alte Jerusalem war jordanisch.
Nun war es den Israelis wieder möglich, an der Klagemauer zu beten. Die Klagemauer zu besuchen, ist auch für andere Gläubige wie Nichtgläubige ein berührendes Erlebnis; nirgends kann man das Judentum so lebendig erleben wie hier.

Doch ein neuer Konflikt mit den arabischen Nachbarn war spätestens dann programmiert, als kurz darauf das ganze Jerusalem zur „ewig ungeteilten Hauptstadt von Israel“ deklariert wurde. Nun nämlich lagen fĂĽr die muslimischen Palästinenser ihre HeiligtĂĽmer in Israel und waren nicht mehr fĂĽr jeden Gläubigern frei erreichbar. Nur unweit von der Klagemauer entfernt befinden sich nämlich die nach Mekka und Medina drittwichtigsten HeiligtĂĽmer des Islams hier in Jerusalem. Der im 7. Jahrhundert erbaute Felsendom mit seiner goldenen Kuppel ist weithin sichtbar und das wichtigste Heiligtum des Islam in Jerusalem. Er steht auf dem Tempelberg genau dort, wo einst der jĂĽdische Tempel stand.

Der Felsendom ist keine Moschee im eigentlichen Sinne, sondern der Ort, an dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte. Genau hier soll auch der Prophet Mohammed auf seinem geflügelten Pferd Al Buraq zum Himmel aufgestiegen sein. Ebenfalls auf dem Tempelberg (Haram As Sharif) befindet sich im Süden die auf Mekka ausgerichtete, prächtige Al-Aqsa-Moschee.

Ob man den Tempelberg sonntags bis donnerstags besichtigen kann, hängt von der politischen Situation und der Sicherheitslage ab. Es ist momentan nicht möglich, den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee von innen zu besichtigen.

Vom Tempelberg gelangt man an der bis zu zwölf Meter hohen Stadtmauer zu vielen weiteren Sehenswürdigkeiten des jüdischen und christlichen Jerusalems. Durch das Zionstor – auch Davidstor genannt – erreicht man das auch im Islam verehrte Grab Davids. Am Jaffator steht die wuchtige Zitadelle, die einst Festung der Makkabäer, Palast Herodes des Grossen, römische Garnison, später dann Kreuzfahrerburg und mameluckische Festung war, und heute das Stadtmuseum beherbergt.

Im christlichen Viertel der Altstadt befinden sich die wichtigsten christlichen Heiligtümer. Die Grabeskirche befindet sich an der Stelle, von der die Kreuzigung und Grablegung Jesu überliefert ist. Sie ist zwischen den sechs wichtigsten christlichen Konfessionen aufgeteilt. Die Hauptverwaltung der Kirche haben die griechisch-orthodoxe, die römisch-katholische und die armenische-apostolische Kirche. Um Streit zu vermeiden, liegt die Schlüsselgewalt bei einer muslimisch-arabischen Familie. Protestantische Konfessionen sind in der Kirche nicht vertreten; sie besitzen mit der Erlöserkirche ein eigenes Gotteshaus an der Via Dolorosa, die den Weg darstellt, den Jesus von der Burg Antonia aus, in der er verurteilt wurde, bis zum Kreuzigungsort Golgatha gegangen sein soll.

Zeit genug sollte man sich lassen, die Altstadt Jerusalems zu durchstreifen – die endlosen, verwinkelten Basargänge mit allen Sinnen aufnehmen, das Sprachengewirr dieser multikulturellen Stadt, die leuchtenden Farben im prallen Sonnenlicht sowie dem Duft von Falafel oder Baklava nachgeben und hemmungslos schlemmen. Ganz anders und viel sanfter ist der Osten Jerusalems im Abendlicht, das alle Kontraste pastellfarben abzumildern scheint. Ein Spaziergang zwischen Olivenhainen und Jasminhecken, der ĂĽppigen Blumenpracht der Gärten stimmt versöhnlich in einer nicht immer friedfertigen und zuweilen recht unheiligen Stadt.

Reisetipps: Nach Jerusalem kommt man am besten, indem man nach Tel Aviv fliegt. Von Zürich aus bieten beispielsweise El Al und die Swiss bequeme Direktflüge an. Eine Übersicht über sämtliche Hotels in Jerusalem findet ihr hier.

Tagged: Archive, Länder

Kommentare

  • Jörg Roggenbuck

    „Der Felsendom ist keine Moschee im eigentlichen Sinne, sondern der Ort, an dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte.“
    Der Hinweis auf die „Opferung Isaaks“ in Verbindung mit der Feststellung, daĂź der Felsendom keine Moschee sei, ergibt wenig Sinn: Der Koran erzählt zwar auch die Geschichte von dem geplanten Opfergang des ersten Sohnes Abrahams, ohne seinen Namen zu nennen. Da aber Isaak anschlieĂźend mit der Formel „Gedenkt auch …“ als Prophet quasi neu vorgestellt wird, liegt der SchluĂź nahe, daĂź hier Ismael gemeint sein könnte. FĂĽr die islamische Tradition ist es klar: der der Sohn Abrahams, der geopfert werden sollte, war nicht Isaak, sondern Ismael. Zudem wird Mekka statt des im Koran ungenannten Tempelbergs zu Jerusalem als Ort des dramatischen Geschehens angesehen.
    Daher ist der Felsendom kein muslimischer Schrein fĂĽr Abraham und Isaak, sondern eine Wallfahrtsstätte fĂĽr Muslime wegen der im Koran erwähnten „Nachtreise“:
    Denn „Genau hier soll auch der Prophet Mohammed auf seinem geflĂĽgelten Pferd Al Buraq zum Himmel aufgestiegen sein.“

    14. Dezember 2011 at 22:51

Schreibe einen Kommentar

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*