Ein Leben zehn Meter und der Erdoberfläche? Geschützt vor der gleissenden Hitze des Sommers, vor der beissenden Kälte des Winters? Wohnen, arbeiten, essen, einkaufen, leben unter der Erde? Was wie eine Zukunftsvision von Leonardo da Vinci oder eine futuristische Vorstellung von Aldous Huxley klingt, ist Realität im ostkanadischen Montreal.

Hier, in der zweitgrössten Stadt Kanadas, befindet sich „Underground City“, ein ehrgeiziges Projekt, ins Leben gerufen vor 40 Jahren und immer noch mitten im Bau. Fast 30 km lang ist das weitverzweigte Netz der Passagen und Tunnels mittlerweile. Darin eingebunden sind 40 Theater, Kindos und Konzertsäle, Unterhaltungskomplexe, acht grosse Hotels, 200 Restaurants, Museen, Touristenattraktionen und fast 2600 Geschäfte, 45 Banken sowie diverse andere Dienstleistungsunternehmen wie Arzt- und Anwaltspraxen. Und alles autofrei!

Geboren wurde die Idee der unterirdischen Stadt bereits Anfang der 60er-Jahre, als am Place Ville-Marie der erste Wolkenkratzer in Planung war. Neben dem Neubau lag eine tiefe Schneise, in der früher Eisenbahnschienen verlaufen waren. Anstatt das Loch aufzufüllen, wurde ein grosses Einkaufszentrum errichtet. Schnell wurde der Place Ville-Marie zum beliebtesten Treffpunkt der einheimischen Bevölkerung. Mit der Expo 1967 und dem dafür erbauten Metrosystem erfuhr die Idee von einem unterirdischen Netzwerk zusätzlichen Aufschwung. Wann immer in der Innenstadt gebaut wurde, legte man neue Passagen und Untergrundzentren an. Heute wird hauptsächlich zwischen drei Vierteln unterschieden, wovon eines vor allem ein riesiges gastronomisches Angebot bietet, das zweite Kultur- und Shoppingtempel und das dritte eine ganzjährig geöffnete Eisbahn!

Vor allem in den schneereichen Wintern, wenn kräftige Winde blasen und tiefe Temperaturen herrschen, flüchten sich die erfindungsreichen Montrealer gerne in den warmen Bauch ihrer ville souterraine. Aber auch an Regentagen oder in der heissen Sommerzeit lieben die Menschen ihre weltberühmte „Underground City“.

Ich war noch nie da, aber der Gedanke fasziniert. Und eines weiss ich: Eines Tages grabe ich mich durch alle Gänge dieses unterirdischen Systems.

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