Wien, das ist die Hofburg, der Stephansdom, ein gemütliches Kaffeehaus, eine Fiakerfahrt und natürlich der Prater. In kaum einer Stadt ist europäische Geschichte und Kultur in so vielen Bauwerken zu entdecken wie in Wien. Doch hat die österreichische Hauptstadt auch ganz andere Seiten zu bieten als „nur“ den Hauch von Sissi und den Glanz der Habsburgerzeit. Wien ist nämlich auch die Hauptstadt des Jugendstils. (Bilder des Secessionsgebäudes zur Vergrösserung bitte anklicken!)

Von Jugendstil allerdings spricht in Wien niemand, hier ist diese Stilrichtung als „Wiener Secession“ bekannt. Tatsächlich ist die Wiener Secession eine ganz eigene Ausprägung dieser Stilrichtung, die anderswo als „Art Nouveau“ oder „Jugendstil“ bekannt ist. Fliessende, geschwungene Linien, pflanzliche Formen, Darstellungen von Tieren, das Ornament steht im Vordergrund, die Kunst ist flächig, nicht dreidimensional. Eine Radikale Vereinfachung von Farbe und Form und eine Abkehr vom überladenen Historismus propagierte auch die Wiener Secession.

Die Wiener Variante des Jugendstils kam zu dem Namen „Wiener Secession“ durch eine Künstlergruppe, die sich Ende des 19 Jahrhunderts dort zusammenschloss und sich diesen Namen gab. Dazu gehörten Künstler wie Gustav Klimt, Joseph Maria Olbrich, Otto Wagner, Josef Hoffmann und Josef Plecnik, aber auch Künstler der Wiener Manufaktur sowie der Wiener Werkstätte. Zu dem Namen Secession kam die Gruppe, als sie sich vom konservativen „Wiener Künstlerhaus“ als Alternative und Gegenbewegung abgespalten hatte, dem Verein, der ältesten Künstlervereinigung Österreichs, der bis dahin als Oberhaupt der Österreichischen Kunstszene galt.

Die am 3. April 1897 gegründete Wiener Secession räumte vor allem in Wien auf mit der Verklärung der Vergangenheit durch den Historismus und schuf den Weg in die Moderne und Avantgarde. Ihre Formensprache begann, sich rasch im Wiener Stadtbild niederzuschlagen. Wegbereiter in die Baukunst war Otto Wagner, der Architekt, der zum modernen Leben passende Bauten mit entsprechenden Materialien schaffen wollte. Sie liefen bei den Bauherren mit ihren Vorstellungen offene Türen ein und errichteten eine ganze Reihe grossartiger Bauwerke.

Das Secessionsgebäude

Zum Muster, nicht zuletzt Schaustück ihrer Kunst- und Bauphilosophie für die Öffentlichkeit, wurde das eigene Haus der damals von Gustav Klimt angeführten Künstlergruppe Wiener Secession, das 1898 eröffnet wurde. Errichtet worden war es von Joseph Maria Olbrich, einem Schüler Otto Wagners. Unübersehbares Charakteristikum des Baus ist bis heute die Kuppel aus goldfarbenen Lorbeerblättern, die einen phänomenalen Kontrast zu der blendend weissen Fassade und den kubischen Formen bildet. Noch nach über hundert Jahren wird über diesen Bau diskutiert, der im Wiener Volksmund Kohlkopf (Krauthappel) genannt wird.

Heute stellt das Bauwerk, das von mehreren acht Meter hohen Säulen aus Beton getragen wird, eine populäre touristische Sehenswürdigkeit dar. Gustav Klimt ist an der Architektur des Secessionsgebäudes nicht unerheblich beteiligt.

Das Secessionsgebäude wartet mit einer in strahlendem Gold glänzenden, imposanten Kuppel auf, die umgangssprachlich als Krauthappel, also Kohlkopf, bezeichnet wird. Unterhalb des Kuppeldaches ist der Leitspruch der Wiener Secession von dem Schriftsteller Ludwig Hevesi angebracht: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“

Umgangssprachlich wir das Gebäude in der Friedrichstrasse kurz „Secession“ genannt. Glanzstück ist das Beethoven-Fries von Gustav Klimt, ein monumentaler Wandzyklus, den der Künstler zur XIV. Ausstellung der Vereinigung bildender KünstlerInnen Österreichs Secession geschaffen hatte, die vom 15. April bis 27. Juni 1902 stattfand. Hier erfährt der Besucher viel über die spezielle Wiener Ausrichtung des Jugenstils, die sich bald mehr auf geometrische denn auf florale Formen ausrichtete. Ein Besuch hier stimmt ein auf einige Stadtrundgänge auf den Spuren des Wiener Jugendstils.
Doch ist im Secessionsgebäude nicht nur der Jugendstil zu bewundern. Wie seit jeher wird das Gebäude auch heute für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Weitere Wien-Infos:
– Gastro-Tipps haben wir auch schon im Blog aufgearbeitet.
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Alle Fotos: Wien.info

Tagged: Archive, Österreich

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