In Polen besitzt Johannes Paul II. auch sechs Jahre nach seinem Tod weiterhin eine ungebrochene Popularit├Ąt. Er ist nach wie vor ein Vorbild vieler junger Menschen. Man erinnert sich noch: „Santo subito“, t├Ânten die Rufe der Gl├Ąubigen bei der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. ├╝ber den Petersplatz. Nun wird der in Polen geborene Karol Wojtyla am 1. Mai 2011 von seinem Nachfolger, dem deutschen Papst Benedikt XVI., selig gesprochen. Sein Geburtshaus in Wadowice und die fr├╝hen Wirkungsst├Ątten in Krakau sind Wallfahrtsorte gl├Ąubiger Katholiken, aber auch beliebte Ziele f├╝r in- und ausl├Ąndischen Touristen geworden.

Reisen auf den Spuren von Johannes Paul II. lassen auch ein St├╝ck Zeitgeschichte lebendig werden. Denn dieser Papst hatte einerseits einen grossen Anteil am Ende der Teilung Europas, sein Leben l├Ąsst aber auch die leidvolle Geschichte seines Heimatlands f├╝r Nichtpolen verst├Ąndlich werden.

Erste Station einer Reise auf den Spuren von Johannes Paul II. durch Polen ist nat├╝rlich sein Geburtshaus in der westlich von Krakow gelegenen Kleinstadt Wadowice. Karol Wojtyla wurde hier am 18. Mai 1920 geboren. Viele tausend Pilger und Touristen aus dem In- und Ausland haben in dem ehemaligen Wohnhaus bereits die Ausstellung mit pers├Ânlichen Erinnerungsst├╝cken und Dokumenten des Papstes besucht. Seit dem vergangenen Herbst wird das Geb├Ąude umfassend saniert, bis 2012 wird dort ein Museum mit einer vergr├Âsserten Ausstellungsfl├Ąche entstehen. Bis dahin befindet sich eine Nachbildung der Wohnung der Familie Wojtyla in der nahe gelegenen Pfarrei. Die Ausstellung dort ist t├Ąglich ausser montags von 9 bis 18 Uhr (Winterhalbjahr bis 16 Uhr) zu besichtigen.

Ein Rundgang f├╝hrt auch in die barocke Basilika in Wadowice, in der Karol Wojtyla getauft wurde und die er sp├Ąter bei seinen Reisen nach Polen mehrfach besuchte. Eine Ausstellung im St├Ądtischen Museum zeigt das Wadowice der Jugendzeit von Wojtyla. Im heutigen Rathaus am Marktplatz befand sich fr├╝her die Knabenschule, die der junge Karol in den Jahren 1926 bis 1930 besuchte. Danach wechselte er in das Gymnasium, das sich bis heute in der ul. Mickiewicza 16 befindet.

Nicht weit von Wadowice entfernt, auf dem Weg nach Krakau, liegt der Kalvarienberg Kalwaria Zebrzydowska. Die Anlage mit dem Kloster und insgesamt 41 Kapellen, die den Leidensweg Christi markieren, geh├Ârt seit dem Jahr 2000 zum Welterbe der UNESCO und ist eine der meistbesuchten Pilgerst├Ątten Polens. Karol Wojtyla hatte sich hier schon als junger Mann oft aufgehalten und besuchte die Wallfahrtst├Ątte auch als Krakauer Erzbischof und Papst mehrfach. Vor der Anfang des 17. Jahrhunderts erbauten Basilika erinnert eine Statue an ihn.

Als 18-j├Ąhriger zog Wojtyla mit seinem Vater nach Krakau, begann dort sein Studium an der Jagiellonen-Universit├Ąt und schloss sich einer Theatergruppe an. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er zur Zwangsarbeit in einem nahen Steinbruch und einer Chemiefabrik verpflichtet, studierte im Untergrund weiter und trat ins geheime Priesterseminar der Erzdi├Âzese ein.


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Er empfing nach Kriegsende heimlich die Priesterweihe, promovierte und lehrte ab 1953 als Professor f├╝r Moraltheologie in Krakau. 1958 wurde er Bischof, 1964 Erzbischof von Krakau und schliesslich 1978 zum Papst gew├Ąhlt. Bei Spazierg├Ąngen auf den Spuren von Papst Johannes Paul II. kann man viele Erinnerungen an sein 40-j├Ąhriges Wirken als Student, Arbeiter, Schauspieler, Priester, Bischof und Papst in der alten K├Ânigsstadt finden. Die offizielle Route umfasst 25 Stationen. Sie reicht von einem Wohnhaus in der ul. Tyniecka 10, wo Karol zusammen mit seinem Vater 1938 seine erste Wohnung bezog, ├╝ber den Steinbruch im Stadtteil Zakrz├│wek, wo er als Zwangsarbeiter t├Ątig war, bis zur Wawel-Kathedrale, in der er schon 1946 seine erste Heilige Messe las und sp├Ąter als Erzbischof wirkte.

Eine wichtige Station auf der Krakauer Papstroute ist der Bischofspalast in der ul. Franciszka┼äska 3. Karol Wojtyla war dort seit 1958 als Bischof und sp├Ąter als Erzbischof t├Ątig und wohnte im Palast auch bei seinen sp├Ąteren Besuchen als Papst Johannes Paul II. Direkt neben seinem fr├╝heren Amtssitz befindet sich die 1981 von Johannes Paul II. gegr├╝ndete P├Ąpstliche Theologische Akademie. Seit 1951 wohnte Wojtyla in der ul. Kanonicza 19, als Bischof zog er in das benachbarte Dechanten-Haus in Nr. 21. Die beiden H├Ąuser beherbergen heute das Erzbisch├Âfliche Museum, in dem auch zahlreiche Objekte gezeigt werden, die mit Johannes Paul II. verbunden sind.

Foto: Keystone; J├Ârg Koch.

Tagged: Archive, Familientipps, Polen

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