Die Weichsel, Polens grosser Strom ist ein launisches, kompliziertes Gewässer. Noch vor einigen Jahrzehnten fuhren grosse Frachtschiffe auf dem Fluss, dann versandete er immer mehr, bis fast der gesamte Verkehr zum Erliegen kam. Mehrere Flusskreuzfahrt-Reedereien scheiterten schon an diesem navigatorisch schwierigen Fluss mit seinen vielen Untiefen.

Das brachte Lukasz Krajewski (Foto) auf die Idee, es mit kleinen, wendigen Hausbooten zu versuchen, die nur einen geringen Tiefgang haben. Und siehe da – es klappte! Mit seinen Hausbooten können auch ungeĂĽbte Touristen im Konvoi die Weichsel befahren. FĂĽr die Weichsel dĂĽrfen die Hausboote nicht zu gross sein, deshalb darf man dort auch nicht den Luxus der Queen Mary erwarten. Es gibt keine separaten Kabinen und nur eine kleine Aussendusche, immerhin aber eine gute Heizung, eine kleine Kochecke und eine Toilette. Zu dritt oder viert lässt es sich – eingehĂĽllt in Schlafsäcke – unter Deck gut schlafen.

Am Anfang der Tour steht eine gründliche Einweisung der Freizeitkapitäne: Licht, Heizung, Motor, Vorwärts- und Rückwärtsfahrten und – ganz wichtig – die Bedienung des Sprechfunkgeräts. Skipper Lukasz Krajewski stellt gleich klar, dass seinen Anweisungen unbedingt Folge zu leisten ist. Warum, wird schnell verständlich. Denn die Weichsel ist launisch – mit heftigen Winden, Strömungen, Strudeln und voller tückischer Sandbänke, die ihre Lage immerzu verändern. Zeigte das Echolot gerade noch beruhigende drei Meter Tiefe, kann sich die Situation nach wenigen Metern dramatisch ändern: 90, 80, 70 Zentimeter … schon wird es kritisch.


Man kann sich Lukasz Krajewski ohne Bedenken anvertrauen, denn kaum jemand kennt den Fluss so gut wie er. An der Spitze des Konvois sucht er nach der Fahrrinne und wechselt immer wieder die Seiten des Flusses. Die übrigen Boote folgen ganz einfach dem Schlingerkurs. Die Boote zu steuern, ist auch für Anfänger kinderleicht.

Mehr als 1’000 Kilometer lang ist die Weichsel, die in den schlesischen Beskiden entspringt, durch Krakau und Warschau fliesst, um schliesslich in Danzig die Ostsee zu erreichen. Krajewski hat fĂĽnf Routen ausgearbeitet. Rund 200 Kilometer misst jede dieser Strecken, auf der die Boote in der Regel eine Woche lang unterwegs sind.

Der erste Abschnitt führt von Krakow (Krakau) in die mittelalterliche Handelsstadt Sandomierz. Auf diesem oberen Abschnitt fliesst die noch schmale Weichsel in einem breiten Tal. Die beiden Endpunkte der Route gehören zu Polens schönsten Städten. Die zweite Teilstrecke führte den Urlaubsskipper weiter nach Warschau, in die polnische Hauptstadt. Der Fluss ist hier oft schon über einen Kilometer breit, ändert sein Bett ständig und zeigt an seinen Ufern reizvolle Orte.
Der dritte Teil geht bis Torun und endet damit in der Stadt mit dem wohl schönsten und geschlossensten mittelalterlichen Stadtkern Polens. Der vierte Abschnitt verläuft von Torun bis in die Hafenstadt Gdansk (Danzig) durch abwechslungsreiche Landschaften mit malerischen Steilufern und weiten Marschlandschaften. Die fünfte Route ist ein Rundkurs von Danzig durch das Wasserlabyrinth des Weichselwerders bis Elbląg (Elbing), über den Nogat zur Marienburg in Malbork und wieder auf der Weichsel zurück nach Gdańsk.

Dieser letzte Abschnitt ist der einzige, den man auch ganz auf eigene Faust im Hausboot erleben kann, auf allen übrigen bewegt man sich im Konvoi. Die Hausboote können einzeln oder auch für Gruppen gemietet werden. An Bord ist Platz für bis zu sieben Personen; um bequem zu schlafen, sind drei bis vier Personen ideal. Neben den festen Wochenprogrammen sind auch Gruppenarrangements nach Mass möglich. Ein Bootsführerschein wird nicht benötigt.

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