Wer Russland besucht, möchte meist auch über die Kultur zu einem tieferen Verständnis für das Land gelangen – und wo käme man der russischen Seele näher als in der Provinz?

In der Tiefebene rund um Moskau lag die Keimzelle des späteren Riesenreiches in kleinen Städten, die wie in einem Ring um Moskau herum angeordnet sind. In diesem Goldenen Ring liegen die altrussischen Städte, in denen konzentriert wie nirgends sonst das historische, künstlerische und kulturelle Erbe Russlands besichtigt werden kann.

Das Schema des Aufstiegs der Orte war immer gleich: Aus ersten Siedlungen an den grossen Flüssen und Ufern der klaren Seen wurden zunächst aus Holz gebaute Städte, die oft abbrannten und über die Jahrhunderte mehr und mehr durch Steinbauten ersetzt wurden. Es entstanden mächtige Kirchen, gewaltige Klosteranlagen. Hohe Mauern umgaben wuchtige Festungen und prägten das Bild der Städte im Auf und Ab ihrer Bedeutung über die Jahrhunderte.

Etliche dieser Städte lagen in den Kreuzungen der grossen Handelsstrassen und stiegen zu sagenhaftem Reichtum auf. Andere waren immer wieder den Attacken wilder Reiterhorden ausgesetzt. All das spiegelt sich bis heute in ihren Kulturschätzen wieder. Festungen, Klöster, Kirchen, Festungen, Paläste sowie beeindruckende Stadtarchitekturen und eine unglaubliche Zahl von Kunstwerken zeigt den kulturellen Reichtum dieses Landes.

Die Reiseroute „Goldener Ring“ bietet in jedem Fall  Sehenswürdigkeiten en masse. Begonnen wird der Trip meist in Moskau und führt mindestens nach Wladimir, Susdal, Jaroslawl, Rostow Weliki, und Sergiew Possad, den wichtigsten Höhepunkten des Goldenen Rings

Wladimir wurde 1108 von Fürst Wladimir Monomach gegründet und war das unbestrittene Zentrum russischer Kultur sowie russischer Staatsmacht im Mittelalter. Die Höhepunkte einer Stadtbesichtigung sind die prachtvolle Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale aus dem Jahr 1160,  die Demetrius-Kathedrale von 1197, sowie das 1164 erbaute Goldene Tor

Susdal entstand im 11. Jahrhundert und ist ein Gesamtkunstwerk, eine Stadt wie ein Museum. Über 70 Baudenkmale aus altrussischer Zeit sind erhalten, die sämtlich hervorragend restauriert wurden, wofür Susdal mehrfach ausgezeichnet wurde.

Jaroslawl besteht seit 1010 und ist berühmt für das reiche Kunsthandwerk, das  im Laufe seiner Geschichte besonders für die herausragenden Produkte der Silberschmiede, Töpfer und Weber im 17. Jahrhundert sorgte. Diese prägen bis heute das Interieur des Erlöser-Klosters, die Prophet-Elias-Kirche, die Johannes-Chrysostomos-Kirche und die Kirche Johannes des Täufers.

Rostow Welikij wurde bereits 862 erstmals urkundlich erwähnt und gilt als „der russisch-orthodoxe Vatikan“. Bekanntestes Bauwerk ist der Rostower Kreml am Nero-See mit dem Glockenturm, in dem 13 abgestimmte Glocken das Glockengeläut zu einer kleine Symphonie werden lassen. Das 1883 eröffnete Kreml-Museum war eines der ersten Museen in Russland und zeigt Ikonen, Münzen, Holzplastiken sowie Stickereien der Region. Besonders sehenswert ist die Ausstellung der Rostower Emaille-Malerei.

Sergiew Possad besitzt mit dem Sergius-Dreifaltigkeits-Kloster das grösste und bedeutendste Kloster ganz Russlands, das für viele Russen das grösstes orthodoxe Heiligtum ist. Hier ist bis heute das wahre Zentrum der russisch-orthodoxe Kirche.

Alle Fotos: Brigitte Jäger-Dabek

Tagged: Archive, Russland

Kommentare

  • hotte

    Ich finde Deinen Bericht sehr spannend. Ich war jüngst in Rostow und hatte ähnliche Erlebnisse in der kasachischen Steppe zwischen Rostow und dem Kaspischen Meer gemacht. Die Provvinz ist rauh bringt aber viel spannendes und authentisches zutage.
    lg
    dirk

    9. Februar 2010 at 10:32

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