Die Wolga ist nüchtern betrachtet mit 3’530 Kilometern Länge der grösste Strom Europas. Diese Wasserstrasse verbindet über verschiedene Kanäle die Ostsee mit Moskau und dem Schwarzen Meer. Damit ist die Wolga die wichtigste Wasserstrasse Russlands. Acht riesige Staustufen mit Grosskraftwerken sowie gewaltigen Staudämmen versorgen grosse Teile der anliegenden Regionen mit Energie und Trinkwasser.

So ist die Wolga auch die Lebensader Russlands und ermöglichte den Aufstieg Moskaus und des russischen Reichs. Von Zarin Katharina II. wurden deutsche Siedler gerufen, die sich in der Steppe bei Saratow niederliessen. Diese „Wolgadeutschen“, die später ihre eigene autonome Wolgarepublik erhielten, wurden Teil des Mythos Wolga in der russischen Kultur.

Eine grosse Flotte von Passagierschiffen verkehrt mittlerweile auf der Wolga und ihren Nebenflüssen. Viele Veranstalter haben sowohl die Oberen Flussabschnitte zwischen St.Petersburg und dem  Moskau-Wolga-Kanal sowie den besonders lohnenden Teil zwischen Kazan und Rostow am Don im Programm.

Flusskreuzfahrten auf der Wolga sind so beliebt, weil man in aller Gemütlichkeit vom Liegestul an Deck aus die grandiose Wolgalandschaft vorüberziehen sieht. Dazu geniesst man in der Regel täglich eine gut organisierte Führung durch eine der an den Ufern der Wolga liegenden Städte. Darunter befinden sich so grossartige Beispiele russischer Geschichte und Kultur wie Jaroslawl, Nishnij Nowgorod, Kazan, Samara, Saratow, Wolgograd und Astrachan.
Wolgograd
Wolgograd, früher als Stalingrad bekannt, ist heute eine Stadt voller Museen, Gedenkstätten und Erinnerungen. Foto: Keystone; Mikhail Metzel

Jaroslawl liegt am Oberlauf der Wolga, noch nördlich von Moskau und ist eine der bemerkenswertesten altrussischen Städte des Goldenen Rings. Bedeutende Bauwerke, unter ihnen das 1750 erbaute Theater sowie 75 Klöster und Kirchen, gilt es, zu besichtigen.

Weitere sehenswerte Orte sind das über 1000 Jahre alte Uglitsch, Kostroma mit seinem reichen Erbe sowie die Millionenstadt Nischnij Nowgorod. Das frühere Gorki mit seinen attraktiven alten Bauten ist mehr als 750 Jahre alt und erst seit wenigen Jahren wieder für Besucher geöffnet.

Die Wolgaregion, das angestammte Siedlungsgebiet der Wolgadeutschen zwischen Kazan und Astrachan, erstreckt sich über die mittleren und unteren Flussabschnitte. Kazan, diese faszinierende Mischung zwischen Alt und Neu, Abendland und Morgenland ist die Hauptstadt der Tatarischen Republik und Zentrum tatarischer Kultur. Die Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Stadt war die legendäre Hauptstadt des Khanats Kazan.

Später taucht am rechten Ufer hoch über der Wolga Uljanowsk auf, das alte Simbirsk, in dem Lenin  als Wladimir Iljitsch Uljanow geboren wurde. Vorbei geht es an der Autostadt Togliatti bevor man ziemlich genau auf der Hälfte der Flussstrecke nach Samara (Kujbyschew) kommt. Weiter geht’s wolgaabwärts an der bedeutenden Industriestadt Saratow vorbei.

Noch 400 Flusskilometer weiter erreicht das Schiff  Wolgograd, das alte Zarizyn, das als Stalingrad in die Geschichte einging. Das alte Handels- und Industriezentrum ist heute eine Stadt voller Museen, Gedenkstätten und Erinnerungen an die Schlacht von Stalingrad.

Weiter geht die Fahrt nach Südosten vorbei an endlosen Steppen bis nach Astrachan, das heute anders als noch im 18. Jahrhundert 200 Kilometer vom Kaspischen Meer entfernt liegt. Fast alle Schiffe fahren nun ein Stückchen zurück die Wolga hinauf und biegen in den Wolga-Don-Kanal ein. Bis nach Rostow am Don geht nun die Fahrt weiter auf dem Don. Vom armenischen Baustil beeinflusste Häuser, vier Theater, wunderbare Parks und der Strand laden zum Ausspannen ein im Tor zum Kaukasus.

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