Wer an Fribourg denkt, hat sofort schwarz-weiss gefleckte Kühe im Sinn. Nein, jetzt mal im Ernst. La Ville de Fribourg ist urbaner als man denkt und hat ein Einzugsgebiet von mehr als 75000 Einwohnern. In der Stadt selbst leben knapp 35000 Menschen, wovon fast ein Drittel Studenten sind. Ein Grund also, von einer wahren Studentenstadt zu sprechen.

Der gute Ruf der Uni Fribourg lebt vor allem von der Qualität der fünf verschiedenen Fakultäten. Insbesondere die Sozialwissenschaften entwickelten seit der Jahrtausendwende zum Anziehungspunkt vieler Studenten (Stichwort Boom der Medienwissenschaften).

So hat die Freiburger Uni seit Ende der 90er immer mehr Studenten aufnehmen müssen, sodass der relative Anteil der Studenten an der Einwohnerzahl ins Gewicht fällt. Die „sogenannte“ zweisprachige Stadt (kaum jemand versucht sich in Deutsch, ausser den Studenten, die zu beinahe 70% deutschsprachig sing) steht und fällt somit mit den während des Semesters anwesenden, zu Semesterende eher sich verkriechenden und in den Semesterferien verreisenden Studis.

Somit bietet sich dem Fribourginteressierten folgendes Bild an einem wundervoll sonnigen Wochenende im Juli: kaum junge Menschen in der Stadt, höchstens noch an der Saane in der Badi „La Motta“. Dafür hat man dann aber viel Platz in der Innenstadt und der Unterstadt, die einen besonderen Reiz hat.

Auch die sonst beliebten und proppevollen Etablissements sind dann leer, und der Besucher kann sich seinen Sitz frei aussuchen. An vorderster Stelle sei hier das Café Populaire, in der Nähe der Stadtbibliothek, erwähnt. Als ob man das studentische noch hervorheben möchte, gibt es hier Bier zu Dumpingpreisen und einfache Kost à la Hamburger etc. Hier sitzt, trinkt und spielt Karten, wer keinen billigen Flug in ein exotisches Land ergattern konnte und nun in seiner kleinen WG bleiben muss, um Geld zu sparen.

Doch in der Stadt, die 1157 von den Zähringern gegründet wurde, gibt es noch ein ganz spezielles Bijou: das Belvédère in der Nähe des Pont Zähringen. Seine Terrasse bietet einen wundervollen Blick auf die Fribourger Altstadt an der Saane. Ein Erlebnis. Beim Spaziergang an der gotischen Kathedrale St. Nicolas vorbei, rauf zum Place Tilleul und entlang der Rue de Lausanne gelangt man zum Place Python, der sich in der Fussgängerzone im Stadtzentrum befindet. Hier finden die spärlich besuchten 1. Mai-Demos statt, im Sommer essen fast alle Fribourger Lohnabhängigen dort und im Juli findet jährlich die Jazzparade statt. Heuer leider schon vorbei…

Wer es kulturell mag, dem sei das Espace Jean Tinguely-Nicky de Saint-Phalle empfohlen, wo seit 1998 in dem ehemaligen Tramdepot die Werke der sonderbaren Künstler ausgestellt werden. ebenso lohnt es sich, dem Biermuseum von Cardinal einen Besuch abzustatten. In Studentenkreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man bei Führungen ab und zu auch frisches Bier vorgetischt bekommt.
Am Abend empfiehlt sich entweder die Rückkehr ins Populaire oder sonst der Weitermarsch ins Fri-Son oder in den to see-Club. Dort kann je nach Stil (alternativ, nicht Mainstream bzw. Mainstream, populär) bis in die frühen Morgenstunden abgetanzt werden. Wer dann noch fit ist für die Vorlesungen…Prost Mahlzeit!

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