Katalonien, das im äussersten Nordosten Spaniens an der Mittelmeerküste liegt, ist die wirtschaftsstärkste autonome Gemeinschaft des Landes. Dort leben 6,3 Millionen Einwohner auf 32’000 Quadratkilometern Fläche in den vier Provinzen Barcelona, Tarragona, Lerida und Girona. Den Autonomiestatus erhielt Katalonien 1975 nach dem Tod des Diktators Franco. Damit wurde der alten, stolzen Geschichte der Region Rechnung getragen, die schon zur Römerzeit eine blühende Provinz war.

Im Spätmittelalter entwickelte Katalonien eine bürgerlich-freiheitlich orientierte Verwaltung und Verfassung. Erst 1714 ergab sich Barcelona der französisch-spanischen Armee und kam zu Spanien. Mit dem Autonomiestatut kam die kulturelle Eigenständigkeit zurück und Katalanisch (Català) wurde neben Spanisch zweite Amtssprache, nachdem die Sprache in der Zeit der Franco-Diktatur verboten war. Bis heute verstehen sich die Katalanen als eigenständige Nation.

Barcelona, die Mittelmeermetropole

So richtig im Fokus der Tourismusindustrie ist Katalonien erst, seit die Hauptstadt Barcelona 1992 Austragungsort der Olympischen Sommerspiele war. Das sehr abwechslungsreiche Hinterland Kataloniens wird bei so viel schillernder Strahlkraft von Barcelona und der Küstenlandschaft leicht übersehen; dabei lohnt eine Erkundung durchaus. Nicht nur für Badeurlauber, auch für Kulturinteressierte ist Katalonien eine Reise wert. Kulturreisende finden sowohl Spuren der Iberer, Griechen, Römer als auch beeindruckende steinerne Zeugen aus Romanik und Gotik oder Sehenswürdigkeiten des spanischen Jugendstils und interessante Museen.


Der Architekt Antoni Gaudí hat Barcelona um einige Attraktionen reicher gemacht. Foto: Keystone; Santiago Lyon.

Barcelona, die quirlige Küstenmetropole, die tagtäglich einen Mix von nüchtern-traditionellem Alltag und turbulentem Nachtleben präsentiert und durchlebt, ist Dauerkonkurrent der Landeshauptstadt Madrid um den Status der beliebtesten Stadt Spaniens. Lebhaft und weltoffen ist die faszinierende 1,6-Millionen-Metropole eine Stadt mit vielen Gesichtern. Barcelona ist sowohl berühmt für das Gotische Viertel (Barri Gòtic), als auch für die Bauten des Jugendstilarchitekten Antoni Gaudí und natürlich die weltbekannte Rambla, Barcelonas Flaniermiele. Und selbstredend hat die Mittelmeermetropole einige schöne Strände zum Entspannen.

Kataloniens Küstenlandschaft

Zweites Highlight Kataloniens ist die 580 Kilometer lange Küste, die im Norden an der französischen Grenze beginnt. Das Bild der Küstensilhouette ist sehr verschieden, von einsamen Stränden über die Felsenklippen der Costa Brava bis hin zu Skylines mit Hoteltürmen, die einer Grossstadt würdig wären und kaum einen Küstenkilometer nicht zugebaut liessen. Ganz im Norden – in der Povinz Girona – beginnt Kataloniens Küste mit der Costa Brava, Spaniens 220 Kilometer langer wilder Küste. Steilküsten, schroffe Klippen und dazwischen romantische kleine Buchten zeichnen die wunderschöne, stark zerklüftete Küstenlandschaft aus. Am östlichsten Punkt von Katalonien findet sich das wildromantische Cap de Creus. Doch auch flache, feinsandige Strände gibt es an der Costa Brava, insbesondere bei Empuriabrava, der grössten Marina Europas, und der Partyhochburg Lloret de Mar.

Die Provinzhauptstadt Girona liegt nur 35 Kilometer von der Küste entfernt im Landesinneren und ist von den Badeorten der Costa Brava aus leicht zu erreichen. Die 70’000-Einwohner-Stadt besitzt einen der am besten erhaltenen Altstadtkerne ganz Spaniens mit einer imposanten gotischen Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert. Mit die bedeutendste Sehenswürdigkeit jedoch ist El Call, das alte jüdische Viertel von Girona.

Der Kontrast von den turbulenten Badeorten zum Hinterland könnte kaum grösser sein, wenn man einen Abstecher in die Hochgebirgswelt der Pyrenäen mit schneebedeckten Gipfeln, grünen Tälern und engen Schluchten macht. Besonders im Aigues-Tortes-Nationalpark in der westlich benachbarten Provinz Lleida kann man so seinen Badeurlaub an der Costa Brava mit tollen Wanderungen ideal kombinieren. Eine weitere Perle der Pyrenäen ist das Val d’Aran, in dem die Garonne entspringt.

Dort ist Baquèira sowohl Wintersportzentrum als auch im Sommer das Herz des Aktivsports. Wandern, Kanu fahren, Reiten oder Mountainbikefahren aber auch Paragliding, Rafting und Klettern  werden hier angeboten.

In der Provinz Barcelona schliesst sich der Costa Brava am Rio Tardera die Costa del Maresme an, die bis vor Barcelona reicht mit Badeorten wie Arenys de Mar, Malgrat de Mar und Callella. Im Hinterland liegt Figueres, die Heimatstadt des Malers Salvador Dalí. Das Museum dort ist das meistbesuchte Spaniens und ein atemberaubendes surrealistisches Spektakel.

Der Costa Barcelona mit den Stränden der Metropole folgt südlich die Costa Garraf. Bekanntester Badeort und ein wahres Kleinod ist Sitges mit der hübschen, von Palmen gesäumten Promenade und den schönen alten Bauten. Das Bergland der Montaña de Monserrat im Landesinneren bietet abwechslungsreiche Wander- und Ausflugsmöglichkeiten.

Den Abschluss der katalonischen Küste bildet die goldene Küste Costa Daurada oder Costa Dorada  in der Provinz Tarragona. Sie ist 216 Kilometer lang und endet bei Valencia, wo die Costa Alzahar, die Küste der Orangenblüten, beginnt. Neben feinsandigen Stränden, die sanft ins Meer abfallen, und dem berühmten goldenen Licht findet man hier ein turbulentes Nachleben in Badeorten wie Cambrils und Salou. Doch gibt es auch hier noch Fischerdörfer wie Altafulla, an denen der Massentourismus fast vorbeigegangen ist, mit gewachsenem Ortskern und einem schönen, naturbelassenen Strand.

Die Provinzhauptstadt Tarragona war zur Römerzeit bedeutender als Barcelona. Davon zeugen noch heute die Ruinen des Amphitheaters und vieler anderer Bauten. Dazu ist Tarragona mit seiner schönen Altstadt, dem Palast, dem römischen Aquädukt und der Stadtmauer attraktiv zum Bummeln.

Der Ebro ist Spaniens zweitlängster Fluss und fliesst ganz im Süden der autonomen Gemeinschaft Kataloniens ins Mittelmeer. Das Ebro-Delta ist eine einmalige Küstenlandschaft und so ganz anders als die übrige Küstenlinie Kataloniens, völlig ohne Beton-Skylines. Ein Viertel dieses Naturparadieses wird als Naturpark geschützt. Das Ebro-Delta ist völlig flach mit weiten Reisfeldern in der Mitte. Der Mündungsbereich ist durch schilfbestandene Seen mit Salzrändern gekennzeichnet. Das Wasserstrassen-Labyrinth der Flussarme und Kanäle kann mit Schiffen befahren werden. Das Ebro-Delta ist Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, die man beobachten kann. Dazu gibt es herrliche, menschenleere Dünen und weite Sandstrände, die ein Urlaubsparadies sind.

Für ganz Katalonien gilt, dass es sich lohnt, die eingefahrenen Touristenwege zu verlassen. Nicht nur das Ebro-Delta, auch Kataloniens Gebirge und Felsmassive sowie die erloschenen Vulkane im Hinterland der Küsten sind ungeheuer abwechslungsreich. Urlaub am Meer oder lieber Urlaub in den Bergen? Hier muss man sich nicht entscheiden, in Katalonien ist beides gleichzeitig möglich.

Tagged: Archive, Spanien

Kommentare

  • joe

    Hy,
    Ich habe selber ein paar Jahre in Barcelona gewohnt und Studiert und wohne jetzt in der nähe von Sant Pere Pescador an der Costa-Brava. An alle die die wilde Küste noch nicht besucht haben aber schon viel von Ihr gehört haben, kann ich nur sagen besucht sie und seht sie mit euren eigenen Augen. Ich selber arbeite jetzt schon mehrere Jahre für das Magazin Costa:live welches 12 mal im jahr hier an der Costa-Brava erscheint und sehe dadurch sehr viel von der region da wir ausführliche berichte und fotoreportagen mach.

    ich kann nur sagen ein besuch an der costa-brava lohnt sich!

    nos leemos

    joe

    19. November 2009 at 14:21

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