Navarra liegt im nördlichen Spanien und grenzt im Norden an Frankreich, im Osten an Aragon, im Westen an das Baskenland und im Süden an La Rioja. Mit 10’421 Quadratkilometern Fläche ist Navarra eine der kleinsten autonomen Gemeinschaften Spaniens und besteht nur aus einer einzigen Provinz. Was aber die Kaufkraft betrifft, ist Navarra ein Riese und nach Madrid und dem Baskenland die drittwohlhabendste Region in Spanien.


Navarra gilt noch als recht unentdeckt. Foto: Keystone; Jon Dimis

Der Wohlstand der gut 650.000 Einwohner von Navarra beruht zum Einen auf der vollständigen finanziellen Autonomie, zum Anderen auf einer Reihe von sicheren Arbeitsplätzen wie beim Volkswagenwerk in Navarras Hauptstadt Pamplona, wo der VW-Polo gebaut wird, oder den Bosch-Werken in Estella. Besonders zukunftsträchtig sind die Jobs bei den Windenergieanlagenwerken der Gamesa Eolica.

Sowohl wegen seiner abwechslungsreichen grünen Landschaften, als auch wegen seiner kulturellen Vielfalt wird Navarra auch gern „kleiner Kontinent“ genannt. Hier treffen die Kultur des spanischen Teils des alten Königreichs Navarra und die baskische Kultur und Sprache aufeinander. Daher gibt es in Navarra auch drei Sprachzonen: die baskischsprachige Zone und die gemischte Zone, in der neben Spanisch auch Baskisch Amtssprache ist, sowie als drittes die nichtbaskische Zone, in der nur Spanisch Amtssprache ist.

Auch die Geschichte von Navarra unterscheidet sich von der des restlichen Spaniens. Seit 905 war die Region zwischen Baskenland, Kastilien und Aragon ein eigenständiges Königreich, das aus dem Kampf gegen die Mauren hervorging. Erst 1589 wurde es von der kastilischen Krone angegliedert. Im Jahr 1982 wurde Navarra autonome Gemeinschaft und behielt im Autonomiestatut viele seiner Gesetze und Privilegien.

Hemingways Pamplona

Einzig Navarras Hauptstadt Pamplona – baskisch Iruña –  ist weltbekannt. Dafür sorgte schon der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway, der 1923 erstmals nach Pamplona und von da an immer wieder kam. Immer stieg er im Hotel „La Perla“ an der Plaza del Castillo ab, und immer kam er zur Fiesta de San Fermin, die alljährlich vom 6. bis 14. Juli stattfindet. Mit seinem Roman „Fiesta“ machte er das Stiertreiben durch die Altstadtgassen bis zur Arena weltbekannt.
Zwar ist die Fiesta von Pamplona die grösste Spaniens, doch Pamplona hat mehr zu bieten als Fiesta und die Spuren Hemingways. Da gibt es die imposante Kathedrale und wuchtige Wehrkirchen zu besichtigen, aber auch ein elegantes, barockes Rathaus und eine verwinkelte Altstadt mit engen Gassen und einer Stadtmauer lädt zum Bummeln ein.

Auch ausserhalb von Pamplona besteht an kulturhistorischen Highlights kein Mangel in Navarra. Zum Erhalt so vieler Bauwerke hat auch beigetragen, dass der Jakobsweg durch die Region führt – vom 1’050 Meter hohen Ibañeta-Pass über Roncesvalle, und Pamplona nach Puente la Reina und von dort nach La Rioja. Er führt vorbei an einer ganzen Reihe sehenswerter Museen, Kirchen und Klöster.

Navarras Pyrenäentäler

Mindestens genauso sehenswert sind Navarras Landschaften. Der Massentourismus ist an Navarra bisher vorbeigegangen, was auch daran liegt, dass Navarra nirgends direkt ans Meer grenzt. So konnte die nordspanische Region ein Paradies für Naturverbundene und Ruhesuchende bleiben. Daraus hat man in Navarra inzwischen eine Stärke gemacht und setzt im Tourismus ganz auf den „turismo rural“, die Ferien auf dem Land. Tatsächlich hat Navarra gerade Naturliebhabern und Wanderern viel zu bieten.

Ganz im Norden begrenzen die westlichen Pyrenäen Navarra; höchster Gipfel der Region ist der 2’434 Meter hohe Mesa de los Tres Reyes. Hier finden Bergsteiger, Berwanderer und Mountainbiker eine noch völlig unverbrauchte, urwüchsige Landschaft, die Touren jeden Schwierigkeitsgrads zulässt. Zu den schönsten Gegenden der Region zählen zwei Pyrenäentäler. Durch das enge Tal von Salazar, das einem Canyon ähnelt, schlängelt sich wildromantisch der Fluss Salazar durch den malerischen Hauptort Ochagavia. Von dort ist es nicht weit zum Tal von Roncal mit dem Rio Esca. Hier gibt es weite Buchenwälder und pittoreske Dörfer mit engen, verwinkelten Gassen wie Isaba oder Roncal. Vor allem Wanderer und Mountainbiker entdecken in den Pyrenäen auf ausgedehnten Touren eine wilde, ursprüngliche Landschaft, mit solchen grandioses Highlights wie dem Grand Canyon Navarras, der Schlucht von Arbayun.

Grünes Weinland Navarra

Bei Pamplona beginnen die mittlere Zone, die Zona Media der auotonomen Gemeinschaft und die Weinanbaugebiete Navarras, das bis zum Ebro-Tal hinunterreicht mit seinen schier endlosen Olivenhaine, Weinhügeln und weiten Weinfeldern. Um Estella, Orvalaiz und Irache herum kann man in vielen Bodegas vorzügliche Rotweine kaufen. Navarra gehört zu den ältesten Weinregionen der Welt. Schon seit dem Mittelalter wird hier der Garnacha angebaut. Aber auch der Rose ist. Insgesamt gibt es in Navarra an die 130 Weingüter mit Winzern, deren unterschiedliche Wein-Philosophien zur grossen Vielfalt in der Weinregion Navarra beitragen.

Südlich von Pamplona liegt auch das Zentrum des alten Königreichs. Mit Olite beginnt die Region der alten Steindörfer, Burgen und Klöster. Olite ist ein mittelalterlicher Ort einer mächtigen, Anfang des 15. Jahrhunderts erbauten Burg, dem alten Königspalast. Weitere Städtchen entlang des Jakobswegs wie Ujue locken mit ihren verwinkelten Altstädten und malerischen engen Gassen zum Bummeln.

Navarras spektakulärer Süden

Bei Puente la Reina vereinen sich die zwei Routen des französischen Weges aus Roncesvalles durch Navarra und aus Jaca. Sie führen weiter nach Estella. Hier beginnt die Landschaft mit ihren Weingärten in die Ebenen der Ribera del Ebro im Süden überzugehen, eine weite und relativ ebene Uferlandschaft am Ebro mit grossen Gemüsegärten. In diesem fruchtbaren Land gibt es auch kleine Perlen für Kulturinteressierte wie die Barockstadt Corella und Tudela mit seinen maurischen und Jüdischen Spuren und der sehenswerten Kathedrale.

Hier im Süden ist auch das wohl spektakulärste Naturphänomen Navarras zu bewundern. Die Halbwüste von Bardenas Reales bei Tudela ist UNESCO-Biospärenreservat. Bizarre Lehm- und Kalkformationen mit Plateaus und tiefen Canyons werden vom Sonnenuntergang in einen atemberaubenden Farbrausch getaucht – Navarras landschaftliche Vielfalt mit seinen 50 Naturparks ist beeindruckend. Um alles zu entdecken, braucht es mehr als einen Urlaub.

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