Galicien, die alte Kulturlandschaft am Atlantik ganz im Nordwesten Spaniens, bietet genug für abwechslungsreiche Ferien. Auch neben dem Jakobsweg gibt es dort genug zu sehen. Wer also vorhat, die letzten 110 Kilometer des Jakobswegs nach Santiago de Compostela zu pilgern, sollte sich ein bisschen mehr Zeit lassen und ein paar Tage für Santiago de Compostela und die Umgebung einplanen sowie weitere Tage zum Relaxen und Kennenlernen von Galiciens rauer Atlantikküste.

Die letzten gut hundert Kilometer des Jakosbwegs gelten als die „klassische Strecke“. Denn eine Pilgerurkunde bekommt derjenige in Santiago de Compostela ausgestellt, der belegen kann, zumindest diese Stecke zu Fuss auf dem Pilgerweg bewältigt zu haben.

Am einfachsten ist es, nach Santiago zu fliegen, sich dort im Pilgerbüro den Pilgerausweis mit allen Informationsunterlagen zu besorgen und vom Busbahnhof aus mit dem Bus nach Sarria zu fahren. Dort kommt der Bus relativ spät an, und es ist nicht ungeschickt, hier im Vorfeld eine Unterkunft von zu Hause aus gebucht zu haben. Das gilt natürlich auch für die „Ferientage“ nach dem Pilgerweg. Unterwegs auf dem Jakobsweg könnte man das zwar auch, viele Pilger aber ziehen das wahre Pilgerfeeling vor und übernachten lieber in den Herbergen. Dafür muss man aber einen Schlafsack und eigene Handtücher dabei haben und bereit sein, überwiegend in Gemeinschaftsunterkünften zu übernachten und zu duschen. Reservieren kann man seinen Herbergsplatz nicht. Die Schlafplätze werden bei der Ankunft vergeben.

Wenn man die Strecke nach Santiago de Compostela in sechs Tagesabschnitte unterteilt, wird man gut zurecht kommen. Wichtig: Nicht vergessen, den Pilgerausweis in den Herbergen und Kirchen abstempeln zu lassen.
Die erste Etappe ist 22 Kilometer lang und führt von Sarria nach Portomarin durch grüne, hügelige Landschaft und Wald. In Barbadelo passiert man an der Jakobskirche den Hunderkilometerstein des Jakobswegs. Portomarin mit seiner imposanten Wehrkirche liegt oberhalb des Belesar-Stausees.

Wie auf diesem ganzen letzten Abschnitt des Jakobswegs führt der Pilgerpfad weiter durch Hügellandschaften mit oft steilen Anstiegen, weiten Wiesen, kleinen Dörfer mit Bauernhöfen, und Rinderherden auf den Weiden, mal über staubtrockene Wege und mal durch Eukalyptushaine. Der Pilgerpfad ist dabei nicht zu verfehlen, denn er ist mit gelben Richtungspfeilen sowie alle 500 Meter mit einer gelben Muschel mit der restlichen Entfernung bis Santiago de Compostela markiert.

Die Markierungen. Foto: WikimediaCommons; Dietmar Giljohann.

Man sollte im Sommer die zehrende Sonne nicht unterschätzen und für eine Kopfbedeckung sowie genug zu Trinken sorgen. Ansonsten sollte man zu Hause genau überlegen, was man in seinen Rucksack packt, denn sonst wird jedes Kilo irgendwann zur Last.

Die folgenden fünf Etappen nach Santigo de Compostela sind ähnlich lang und führen von Portomarin nach Palas de Rei, dann von Palas de Rei nach Ribadiso, von Ribadiso nach Arca do pino und von dort nach Santiago de Compostela. Am sechsten Pilgertag ist es dann so weit: Santiago de Compostela kommt in Sicht und natürlich die Kathedrale, zu der alles strebt. Pilgerflair, erschöpfte aber glückliche Pilger jeden Alters und jeder Nationalität machen Pause auf den Stufen der Kathedrale.

Betritt man die Kathedrale, versteht man den praktischen Nebeneffekt des riesigen berühmten Weihrauchfasses Botafumeiro: Er vernebelt den zarten Schweissgeruch der vielen Pilger. Niemand bleibt unbewegt, wenn er mit dem Schwung von 70 Stundenkilometern durch das Querschiff schwingt. Dann geht es zum Endziel der Wanderung, die Pilger steigen über die schmale Stiege am Hochaltar zum Abbild des heiligen Jakobus hoch und umarmen ihn.

Es wäre ein Fehler, sich am nächsten Tag in den nächsten Flieger nach Hause zu setzen. Pilgern verändert Menschen, auch die, die nicht auf der Suche nach Gott, sondern auf der zu sich selbst waren. Ein paar Tage der Musse und des unbeschwerten Erkundens Galiciens sollten drin sein.

Santiago de Compostela

Die Basilika in Santiago. Foto: WikimediaCommons; E-roxo.

Allein in Santiago de Compostela, der Hauptstadt Galiciens, gibt es viel zu sehen. Das Kathedralmuseum mit Kreuzgang sowie Schatzkammer und der romanische Erzbischofspalast PAZO de Gelmirez können mit einem gemeinsamen Ticket besichtigt werden. Ausserdem interessant ist das Pilgermuseum. Doch Santiago de Compostela ist nicht etwa eine Stadt, die nur mit Pilgern, Klöstern, Kirchen und Glauben zu tun hätte – sie ist eine überaus lebendige, weltliche Stadt und obendrein eine der schönsten Spaniens. Die Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe mit unzähligen Museen, kulturhistorisch wertvollen Bauten und Palästen und dem wunderbaren Alameda-Stadtpark. Santiago de Compostela ist mit seinen mehr als 30.000 Studenten zudem auch eine junge Stadt. Interessante Läden laden zum Shoppen ein, der Wochenmarkt rund um die Markthallen mit den Unmengen von kulinarischen Köstlichkeiten ist ein Fest für alle Sinne.

Lohnend ist auch eine kleine Rundreise durch Galicien, die man aber auch von Santiago de Compostela aus in Form von Tagesausflügen mit dem Mietwagen unternehmen kann. Ein Muss ist der Leuchtturm am Kap Finisterre mit seinen scharfkantigen Klippen, das vielen Pilgern als das wahre Ende des Jakosbwegs gilt. Deshalb gibt es hier auch eine Pilgerherberge für die Fussgänger. Hier am Ende Europas hat man einen grandiosen Blick auf den rauen Atlantik.

La Coruna

Nordostwärts liegt die Hafenstadt La Coruna mit einer schönen Altstadt und dem fast 70 Meter hohen römischen Herkulesturm als Wahrzeichen, die zur Erholung wunderbare Stadtstrände bietet. Charakteristisch für die Region von La Coruna über Ribadeo bis nach Vigo im Süden sind die Rias, fjordähnliche aber flache Meereseinbuchten, die Galiciens Küstenlinie so wildromantisch machen. Sehenswert ist auch Ourense im Landesinneren östlich von Vigo mit einer schönen Altstadt. Von hier aus führt ein schöner Ausflug zum Sil-Canyon. Das gilt auch für Pontevedra, eine Perle mit denkmalgeschützer Altstadt, verwinkelten Gassen, Plätzen mit schattigen Arkaden an weiten Plätzen.

Bei so viel Küste findet man in Galicien natürlich auch schöne Strände zwischen den Klippen. Besonders der fast einen Kilometer lange Praia de San Francisco zwischen Muros und Lira und der Praia da Lanzada in Südgalicien sidn empfehlenswert. Schöne, versteckte Buchten findet man auch auf der Halbinsel Morrazo und dort besonders auf der Landzunge der Rias Bajas.

Foto: WikimediaCommons; Magnus Colossus.

Tagged: Archive, Spanien

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