Topkapi? Da gab es doch diese herrliche Filmkommödie mit Melina Mercouri, Maximillian Schell und Peter Ustinov? Stimmt, und um genau diesen Topkapi-Palast in der türkischen Hauptstadt Istanbul geht es hier!

Einst war der Topkapi-Palast das Machtzentrum des Osmanischen Reichs, das sich in seiner Blütezeit über Nordafrika genauso erstreckte wie über den Balkan bis kurz vor Wien. Erbaut wurde er ab 1462 und war im Hauptteil 16 Jahre später fertig. So lange der Palast bis 1865 Regierungssitz der Osmanen blieb, wurde eifrig weiter an- und umgebaut. Bis zu 5’000 Menschen lebten hier zur Zeit der osmanischen Sultane, die Grundfläche beträgt fast 70’000 Quadratmeter, eine fünf Kilometer lange Mauer mit 28 Wehrtürmen umschloss das Areal.

Die Gebäude dieses Machtzentrums der islamischen Welt aber sind durchweg nur zweistöckig und wirken weder gewaltig, noch machtvoll oder monumental. Sie sind vor allem mehr als ein Sammelsurium, sondern im Inneren ein Beispiel filigraner Architektur und erscheinen einem ein bisschen wie eine arabische Zeltstadt.
Seit 1924, als der türkische Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk den Palast öffnen liess, ist er als Museum zu besichtigen. Ein Besuch ist überaus lohnenswert, denn selten bekommt man so geballt so unglaubliche Schätze zu sehen – die Sammlungen von chinesischem Porzellan, von Handschriften, Gewändern, Juwelen und Portraits sind von unschätzbarem Wert. Ganz nebenbei hat man – wie im Film „Topkapi“ – eine herrliche Aussicht auf das Goldene Horn und das Marmara-Meer (Bilder zur Vergrösserung bitte anklicken!).

Der Topkapi ist in vier Höfe unterteilt, die man durch Tore betritt. Durch das „Kaiserliche Tor“ begeht man den ersten Hof, in den die aus dem 8. Jahrhundert stammende Kirche zum himmlischen Frieden integriert ist, die heute als Konzertsaal dient. Auf diesem Hof befand sich die Garnison der Janitscharen, der Leibgarde und Elitetruppe der Sultane.

Durch das „Friedenstor“ betritt man das Museum und gelangt auf den zweiten Hof. Hier befand sich einst die Machtzentrale der Osmanen, hier tagte das Kabinett, immer beobachtet durch Gitterfenster. Praktischerweise konnte unliebsamen Kabinettsmitgliedern, Untertanen, die sich bei einer der Audienzen als missliebig gezeigt hatten oder Ratgebern, die sich geirrt hatten, gleich der Garaus gemacht werden. Ddenn der Henker residierte ebenfalls hier und vollstreckte die Todesurteile auf diesem ersten Hof.
Aber auch für das leibliche Wohl wurde hier gesorgt, denn unter den charakteristischen Kuppeldächern war der Küchentrakt untergebracht. Heute ist in diesen Räumen die grösste Sammlung chinesischen Porzellans ausserhalb Chinas zu bewundern.

Der dritte Hof wird durch das „Tor der Glückseligkeit“ betreten und Nomen est Omen: Denn hier befand sich der legendäre Harem, den ausser dem Sultan und den Sultanssöhnen kein anderer Mann betreten durfte. Ausser natürlich den Eunuchen, der Schwarze Eunuch war nominell Herrscher über den Harem, die wahre Macht – auch über die meisten Palastintrigen – lag jedoch in den Händen der Sultansmutter.
300 Räume gehören zu diesem Bereich, in dem es trotz der 6’700 Quadratmeter Fläche und luxuriöser Bäder und repräsentativen Sälen relativ beengt zuging.

Ausserhalb des Harems befindet sich direkt hinter dem Eingangstor zum dritten Hof der noch ganz im osmanischen Stil erhaltene und von einem Bogengang eingefasste Audienzraum des Sultans mit einem herrlichen Marmorbrunnen und feinen blauen Fayancen mit floralem Dekor. In den Sälen rechts auf dem Hof ist der Höhepunkt des Rundgangs zu finden: die einmalige Sammlung von prachtvollen Gewändern, wertvollen Waffen wie kostbaren Säbeln und Dolchen sowie den Staatsschätzen der Osmanen mit den juwelenbesetzten Federbüschen. Hier zeigt sich die ungeheure Prachtentfaltung der damaligen Zeit.

Gegenüber ist der Platz derjenigen osmanischen Schätze, die mit dem Islam zu tun haben, darunter auch der Fussabdruck Mohammeds und eines seiner Barthaare, aber auch Teile der Kaaba-Tore aus Mekka.

Der vierte Hof ist nicht mehr von Gebäuden umschlossen, sondern wurde schon zur Sultanszeit als Garten genutzt; einige Pavillons dienten der Entspannung. Der heutige Besucher findet hier ein Café, von dem man zur Abrundung des Kulturgenusses eine wunderbare Aussicht auf den Bosporus und über den asiatischen Teil Istanbuls hat.

Tagged: Archive, Türkei

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*