New York gehört zu denjenigen Weltstädten, über die man täglich bloggen könnte. Und sobald geschrieben, sind die Informationen und das Erlebte bereits überholt und die Geheimtipps nicht mehr geheim. Doch es gibt auch Zeitloses. Hier ein Versuch, exklusiv Zeitloses mit lapidar Aktuellem zu vermischen – die Quintessenz eines freien Tages auf meinem letzten Trip nach New York. Lesen Sie diesen Eintrag in zehn Jahren wieder, dann werden Sie es besser beurteilen können.

Fürs lapidar Aktuelle zuerst der obligatorische Hinweis auf die gratis Wochenmagazine, wie sie in jeder vernünftigen Grossstadt (ausser Zürich) aufliegen. Konzerte, Sportanlässe, Ausstellungen, Clubs, Restaurants – alle Angebote auf dem neusten Stand und verlässlich nach Kategorien unterteilt. Handliche Stadtkarten gibts in jeder Herberge umsonst und in jeder Subway Station hängen Stadtpläne mit der lokalen Umgebung. Sobald man an mehreren Tagen mit der U-Bahn unterwegs ist, lohnt sich eine Wochenkarte. Lernen Sie die Namen und Lagen der bekanntesten Quartiere auswendig und merken Sie sich, wie Adressen angegeben werden!

h&h bagels

(Foto: H&H Bagels)

Beginnen wir den Tag mit frischen Bageln bei H&H Bagels am Broadway. Nach der Stärkung folgt ein ausgiebiges Shoppen in Zabar’s wunderbarem Angebot. Weiter gehts danach zum New York Times Building nach Manhattan, in dessen Erdgeschoss sich ein Ableger der japanischen Warenhauskette Mujirushi Ryohin, kurz Muji, befindet.

Dann ist schon bald Zeit fürs Mittagessen. Mit ein bisschen Glück und Planung kann man sich einen Tisch im Restaurant der United Nations ergattern. Und weshalb den Ausflug nicht mit einer Tour durch die Vereinten Nationen verbinden? Doch wenn bei der UNO Sitzungszeit herrscht, sind die begehrten Tische meistens ausgebucht und man sucht sich lieber woanders etwas zu essen. Einen Shoppingausflug nach SoHo lässt sich mit einem Lunch im Café Habana verbinden, das im Bowery Arts District liegt. Nach dem leckeren Essen dort oder sonst irgendwo kann man sich die Beine im New Museum vertreten, wo es Gegenwartskunst aus der ganzen Welt zu sehen gibt. Wenn einem die oftmals streitbaren Objekte und Inszenierungen nicht zusagen, kann man zumindest das Gebäude und dessen Aussicht vom Dach geniessen. Danach sollte man sich ein wenig ausruhen oder in der Stadt verirren, um selbst erlebte Erfolgserlebnisse für das eigene Blog zu sammeln.

UNO Headquarter

(Foto: Keystone AP / Michael Kim)

Um den Abend einzuläuten, gehts wieder zurück zu den Vereinten Nationen, in deren Nähe sich einer der schönsten und ältesten Wolkenkratzer New Yorks befindet, das Beekman Hotel. Auf dessen Dach befindet sich eine Bar, wo man zu einem Apéro die Aussicht geniessen kann, wenn nicht gerade eine Hochzeit stattfindet. Oder man schaut den Leuten in den gegenüberliegenden Luxuswohntürmen in ihre Wohnzimmer. Ein Crashkurs schlechten Geschmacks!

BirdlandZum Abendessen entscheiden wir uns für Japanisch. Die Auswahl ist beliebig, angesagt wäre im Moment Momofuku Ko, doch des exklusiven Reservierungssystems wegen (ausprobieren!) lassen wir es sausen und gehen ins Aburiya Kinnosuke. Es wimmelt von japanischen Gästen – ein Zeichen, dass es gut sein muss. Das Personal spricht auch kaum englisch. Wir haben Karten für den Jazz Club Birdland reserviert. Üblicherweise werden zwei Shows pro Abend verkauft. Steht man nach der ersten Show draussen in der rechten Schlange nochmals an und die zweite Show ist nicht ausverkauft, dann kriegt man diese umsonst.

Wem auch Jazz nicht zusagt, dem oder der seien nochmals die gratis Wochenmagazine ans Herz gelegt. Und äusserst angesagt bis zum 13. Oktober 2008 und bis 22 Uhr beleuchtet sind gegenwärtig die New York City Waterfalls. Ich bin schliesslich gegen Mitternacht im Galapagos Art Space in Brooklyn gelandet, wo jeden Freitag The Bunker für die Musik zuständig ist. Doch der Club hat bereits einen Namenswechsel angekündigt, von einem neuen Ort ganz zu schweigen. Und so ereilt das lapidar Aktuelle das New Yorker Schicksal, bevor es überhaupt geschrieben worden ist: die Information ist bereits wieder outdated…

Tagged: Archive, USA

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*