Nach unserem ersten New-York-Spaziergang unternehmen wir einen zweiten, dessen Ausgangspunkt der Astor Place und mit der U-Bahn gut erreichbar ist. Von da an schlendern wir in östlicher Richtung Richtung East Village. Im Rechteck zwischen First Avenue und Avenue A sowie East 6th und East 11th befindet sich das einst als „Kleindeutschland“ bekannte Viertel East Village.

New York, "Kleindeutschland"

Früher ein traditionelles Arbeiter- und Einwandererviertel, war das Quartier in den zwei letzten Jahrzehnten fest in der Hand der alternativen Szene, von Künstlern, Aussteigern und Yuppies. Heute wandelt es sich mehr und mehr zur familienfreundlichen Wohngegend, auch weiterhin lohnt sich ein Besuch. Überall entdeckt man nämlich noch Zeugen aus der Zeit um 1870, als hier 170.000 deutsche Einwanderer lebten.

„Das Leben in Kleindeutschland ist dasselbe wie in der Alten Heimat. Bäcker, Metzger, Apotheker – alle sind Deutsche. (…) Die Bewohner von Kleindeutschland müssen noch nicht einmal Englisch beherrschen, um in New York leben zu können“, schreibt Karl Theodor Griesinger in seinem 1863 erschienenen Buch „Land und Leute in Amerika“. Noch immer kann man deutsche Inschriften an alten Häusern erkennen. Heute reihen sich aber kleine Tattoostudios an verrückte Coiffeur-Geschäfte, Antiquitätenhändler an Ethno-Restaurants, schmucke Cafés und Bars an Kirchen.
Der Tompkins Square Park ist, als wir vorbeigehen, von Obdachlosen bevölkert. Unser Reiseführer warnt: „Über den Tompskins Square Park zur Avenue B zu gehen, ist weder interessant noch ungefährlich.“ Wir entscheiden uns darum für eine kleine Stärkung im The Bean (49 1/2 1st Avenue). Auch hier gibt es – wie in allen amerikanischen Cafés – Kuchen in allen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen. Mit viel viel Zuckerguss! Der Café Latte ist ein wahre Offenbarung, wir stärken uns für den weiteren Tag.

Via Astor Place gehen wir zurück nach Greenwich Village. Die Zeiten, als der Stadtteil als „Bohemia“ eine Künstlerenklave war, sind definitiv vorbei. Dennoch ist die Kultur hier ein tragender Bestandteil. Architektonisch wird das Viertel dominiert vom Washington Square Park mit seinem dem Pariser Arc de Triomphe ähnelnden Washington Arch. Er wurde anlässlich des 100. Jahrestags der Vereidigung George Washingtons als US-Präsident 1889 errichtet. Ein historisches Relikt ist ebenfalls der Hanging Tree in der Nordwestecke des Platzes. Hier wurden einst Hinrichtungen vorgenommen; noch heute befinden sich unter dem Washington Square die Gebeine tausender Menschen. Die meisten von ihnen kamen im 19. Jahrhundert in einer Gelbfieberepidemie ums Leben.
Wer jetzt shoppen möchte, kann dies an der East 8th Street tun. Das Mittagessen lassen wir uns im Cafetasia (38 East 8th Street) schmecken. Die Thai-Brasserie serviert leckere Lunch-Specials (Vor- und Hauptspeise für $ 7.50) in modernem, coolem Ambiente.

Zum Dessert gehen wir Richtung Westen zur Bleecker Street. Die bunte Flaniermeile ist berühmt für ihre Shops, Restaurants und Zuckerbäckereien. Fotogen sind hier auch die farbigen Häuserfassaden mit ihren eisernen Feuerleitern.

New York, Feuerleitern

  • Wir folgen der Bleecker Street bis zum Abingdon Square und erreichen damit den Meatpacking District. Zwischen der West 15th Street und Gansevoort Street keimt das neue In-Viertel Manhattans. Früher ein anrüchiges Quartier und Standort von über 250 Schlachthöfen und fleischverarbeitenden Betrieben (daher der Name), schiessen heute Nobelboutiquen und schicke Restaurants und Hotels wie Pilze aus dem Boden. Alexander McQueen ist u.a. hier, Diane von Furstenberg, Stella McCartney, Matthew Williamson, Puma und La Perla. Die Subway-Station 14th Street 8th Avenue liegt nur wenige Schritte von den Designershops entfernt.

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