Auf letzte Weihnachten schenkte ich meinem Patenkind Marc einen Globus. Seither kann Marc mitverfolgen, wo sein Götti gerade am Reisen ist. Als ich mein Göttikind aufforderte, einen langgestreckten Küstenstaat namens Chile auf dem Globus zu suchen, zeigte Marc auf Vietnam. Dieses wird seither „Chile des Ostens“ genannt.


Auf Hanois Strassen. Foto: Keystone; Julian Abram Wainwright

Ein halbes Jahr später verbrachte ich ein Wochenende in Hanoi, der Hauptstadt der fussballverrückten Sozialistischen Republik Vietnam. Vietnam errang 2008 zum ersten Mal in seiner Geschichte den Tiger-Cup, ein Turnier von mittlerer Bedeutung. Dieser Meisterschaftssieg mündete im grössten und längsten Fest, welches das Land seit dem Krieg erlebt hat. Denn normalerweise enden Parties hier ungefähr um 23 Uhr, sobald die Polizei auftaucht.

Bereits im Bericht über die Demokratische Volksrepublik Laos haben wir gesehen, dass umständliche, amtliche Staatsbezeichnungen nicht automatisch Partykiller sein müssen. Wie in Laos sind es denn auch hier vor allem die Ausländer, die auf das Recht zu feiern pochen. So erlebte ich es in Hanoi zum ersten Mal, wie es ist, am selben Abend mit dem amerikanischen Botschafter und danach mit der Tochter des russischen Gesandten abzutanzen. Was wohl mehr Spass bereitet hat?


Das Eintrittsticket nach Vietnam (und somit auch an die dort stattfindenden Parties) ist jedoch das Visum. Dieses Prozedere kann einige Tage beanspruchen, was dem Reisen nach Vietnam eine gewisse Spontaneität raubt. Morgen mal kurz nach Vietnam zu reisen, liegt nicht drin. Die simpelste Art, ein Visum für Vietnam zu beantragen, findet man im Internet. Die Site „Vietnam Visa“ bietet eine rasche und billige Möglichkeit, eine Einreiseerlaubnis zu beantragen, sogar ohne dass man sich von seinem Reisepass trennen muss. Es gibt auch andere Anbieter.

Berichte über Sehenswürdigkeiten in Hanoi sind alle mehr oder weniger deckungsgleich und finden sich im Internet zu tausenden. Dass Hanoi am 1. August 2008 mit einem Schlag auf über sechs Millionen Einwohner angewachsen ist, hat jedenfalls nicht zu mehr Sehenswürdigem innerhalb der Stadtgrenzen geführt. Aber auch nicht zu mehr Orten mit illegalen Parties, womit wir wieder beim Thema wären.

Die Illegalität der meisten Klubs bringt es mit sich, dass Homepages fehlen, darum zuerst ein paar legale Örtlichkeiten. Zu den bekanntesten gehört der Press Club. Doch auch Hotels haben Einiges zu bieten, etwa das „Sofitel“. Der Club im „Sofitel Plaza“ ist zum Vergessen, abgesehen von der Sicht. Das „Sofitel Metropole“ hingegen ist altehrwürdig. Zudem befindet sich im gleichen Komplex das „Angelina“, eine neue Bar/Lounge, wo die junge Hanoier Schickeria überteuerte Cocktails schlürft. Nicht zu vergessen ist auch das „Nuts“ im „Sheraton“, wobei Nomen est Omen, was das Publikums angeht: Geschäftsmänner jeglicher Couleur, weibliche Freelancer aus dem Dienstleistungssektor sowie die gleichen jungen und reichen Hanoier, die einige Zeilen weiter oben noch im „Angelina“ abgehängt sind. Letztere trinken sich mit aufgesetzter Sonnenbrille und 25-jährigem Chivas bis zur Besinnungslosigkeit…

Illegale Klubs heissen beispielsweise „Solace“ oder „Lighthouse“ und finden sich am Wasser. Mehr Informationen finden sich unter diesem Link. Wie kommt man dorthin? Am besten fragt man sich einfach durch oder wirft einen Blick auf Seiten wie http://newhanoian.xemzi.com/ oder http://hanoigrapevine.com/.

Hat man die Nacht erste einmal überstanden, empfiehlt sich ein frühmorgendlicher Besuch auf dem Wholesale Market zur Stärkung und danach die tägliche Flaggenzeremonie vor dem Ho-Chi-Min-Mausoleum um 6 Uhr (oder am Abend um 21 Uhr).

Party hin oder her, das grösste Fest in diesem Jahr wird am 10. Oktober stattfinden. Dann nämlich wird Hanoi sein tausendjähriges Bestehen feiern.

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