Mein Freund F.S. hatte die glorreiche Idee, Silvester in einem der Ursprungsländer der Eurokrise zu feiern. Gesagt, getan. Am Athener Flughafen bestiegen wir den 95-er Bus in die Stadt, doch man warf uns schon vor der Abfahrt wieder raus, weil wir schwarz eingestiegen waren. Also lösten wir für je 5 Euro unsere Tickets und nahmen den nächsten – um zerknirscht festzustellen, dass die Kontrolle diesmal ausblieb… Im Nachhinein fanden wir heraus, dass der Zug sowieso die billigere und schnellere Variante gewesen wäre. (Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken.)

Wir buchten Flug+Hotel als Arrangement via ebookers.ch und entschieden uns für die billigste Unterkunft. So landeten wir im „Hotel Apollo“.

Auf unserer ersten Stadterkundungs-Mission spazierten wir via Einkaufsmeile zum Fuss des Lykabettus und fuhren für 7 Euro per Standseilbahn auf den 277 Meter hohen Gipfel. Von dort aus hatten wir den perfekten Blick über Athen und entschieden uns, zum antiken Panathinaiko-Stadion weiterzumarschieren, das wir aber aufgrund der Eintrittsgebühr nur von aussen bewunderten.

Wie setzten unsere Wanderung durch die Fünfmillionenstadt fort und betraten so gegen halb neun das „Restaurant Aleria“ in der Nähe unseres Hotels. Verdutzt wurden wir empfangen und erst einmal an der Bar platziert. Ob denn alle Tische reserviert seien? Weit gefehlt! Barkeeper Vassilis klärte uns auf, dass in Athen erst gegen 22 Uhr gegessen wird. Die Besitzer des Aleria haben es geschafft, aus einem 1925-er Stadthaus, wie man es in diesem Quartier kaum mehr sieht, ein stylisches – fast ein wenig kitschiges – Restaurant zu machen. Die Menukarte besteht aus einer halben A4-Seite, und jedes Gericht kann empfohlen werden (je nach eigener Vorliebe). Wir begaben uns nach dem Essen zurück an die Bar und liessen uns von Vassilis bis in die frühen Morgenstunden mit seinen Drinkkreationen verwöhnen.

Hier im ebookers-Reiseblog erscheint Athen bisher vor allem auf Listen, vor allem dessen Wahrzeichen Akropolis. Doch waren die Autoren tatsächlich schon einmal dort? Verblüfft mussten wir am Eingangstor feststellen, dass die Anlage bereits um 15 Uhr (!) schliesst. Bestechungsversuche fruchteten nichts – der Torwärter hätte uns zwar reingelassen, doch verkehren auf dem Areal selbst auch eine Handvoll Nachtwächter. Alle abzugelten, wäre sicher teuer gekommen… Selbst von den Einheimischen, denen wir unsere Pläne kundtaten, hatte uns keiner auf diese merkwürdigen Öffnungszeiten aufmerksam gemacht. Und wir hatten noch vollmundig kundgetan, dort oben aufs neue Jahr anzustossen… Frustriert machten wir uns auf in Richtung Akropolismuseum. Immerhin hat dies jeden Tag bis 20 Uhr offen und an Freitagen sogar bis 22 Uhr.

Am Silvesterabend entschieden wir uns für eine Touristenspelunke namens „Alexander the Great“. F.S. fasste das Erlebnis so zusammen: „Was kann man schon von einem Restaurant erwarten, dessen Menu in sieben verschiedenen Sprachen aufliegt?“ Der Service war aufmerksam, doch das Essen wirklich schlecht. Immerhin konnten wir uns mit griechischem Wein trösten. Insgesamt bestellten wir sechs verschiedene Gerichte – ausser dem Tsatsiki konnten wir keinen Teller fertig essen. Um anzustossen, begaben wir uns wieder ins „Aleria“. Vassilis empfahl uns, später in einem Club namens Mamaca’s im Gazi-Quartier zu feiern: „They play Deep House!“ Er erzählte, wie er dort einmal ein Mädchen mit folgender Pick-up-Line aufgerissen hatte: „Tell me, your last name is Google, isn’t it? – No, why??? – It’s because you’re all I was ever looking for!“

Zur Feier dieser Story tauften wir Vassilis‘ nächste Kreation „The Google“:
1 cl Smirnoff
1 cl Cranberry Juice
0.5 cl Pineapple Juice
0.5 cl Sugar Syrup
1 dash Creme de Cassis
1 lime
Crushed Ice

Ins „Mamaca’s“ mussten wir unseren Weg schliesslich reinschnorren, denn es herrschte geschlossene Gesellschaft. Drin war nichts von Krise zu spüren. Der Eintritt war gratis, doch eine Flasche Bier kostete sage und schreibe zehn Euro. Nach ein paar Stunden angenehmer Berieselung nahmen wir das Taxi zurück ins Hotel.
Als wir am Nachmittag aufwachten, fuhren wir nach Piräus, denn Athen hatte für uns ausser Ruinen und Museen nichts mehr zu bieten. Athens Stadtzentrum ist zwar wirklich gut zu Fuss erkundbar, doch da es kaum Sehenswertes zu bestaunen gibt, kann man ebenso gut die Metro nehmen. Das taten wir auch, um zum Hafen zu gelangen, obwohl uns Vassilis am Vorabend davon abgeraten hatte: „Don’t go to Piraeus!“ Im Netz existiert zwar für diesen Stadtteil eine eigene Top-Ten-Liste, doch am Abend blieb uns ausser essen und trinken nicht mehr viel davon übrig. Gesättigt fuhren wir zurück ins Hotel, wo wir eine kurze Nacht verbrachten, denn der Flug zurück nach Zürich startete bereits am nächsten Morgen um 6.30 Uhr. Danach waren wir reif für Urlaub vom Urlaub.

Alle Fotos: Keystone.

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