Unsere nächste Tagesetappe führt uns Richtung Westen nach Ardes sur Couze. Dort besuchen wir sehr zur Freude unserer Tochter den Parc animalier du Cézallier. Der Eintrittspreis ist, wie für einen Zoo üblich, zwar recht hoch, aber jeden Rappen wert. Ganz artgerecht werden die Tiere wohl nicht gehalten – es fehlt an Rückzugsmöglichkeiten – dafür aber kann man die Löwen, Nilpferde, Bären, Tiger und Affen aus nächster Nähe beobachten. Am Eingang kaufen wir Popcorn, die fast allen Bewohnern des Zoos verfüttern werden dürfen. Besonders schön angelegt ist das Affengehege. Es ist offen und besteht aus einem See mit kleinen Inseln, auf denen Gibbon & Co. hausen. Inmitten der grosszügigen Anlage liegt ein ebensolcher Spielplatz mit aussergewöhnlichen Geräten und Beschäftigungsmöglichkeiten.

 

Foto: Parc animalier du Cézallier (Claudia Lambrich)

Bei schönem Wetter lohnt sich die Fahrt via St-Alyre-ès-Montagne und La Godivelle nach Issoire. Auf dem Hochplateau, anfangs Mai ist noch Schnee zu sehen, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Unser Navigationsgerät führt uns ohne Umwege zum Camping municipal du Mas in Issoire. Wir geniessen die Nähe zum lokalen Carrefour – auch hier kaufen wir regionalen Käse, frische Wurstwaren und französischen Wein als ob es kein Morgen gäbe. Issoire bietet offensichtlich auch eine grossartige Kirche, die Eglise St-Austremoine, sowie den berühmten Uhrenturm (La Tour de l’Horloge), aber angesichts der Kathedralen, die wir bereits besichtigt haben, verzichten wir auf Issoires Gotteshaus und fahren stattdessen zum höchsten Berg der Auvergne, dem Puy de Sancy (1885 m). Entweder wandert man in etwa 3 Stunden zum Gipfel oder aber man besteigt in Le Mont-Dore die Gondelbahn und lässt sich nach oben chauffieren. Ab der Seilbahnstation erreicht man den höchsten Punkt über teils steile Treppen in etwa einer halben Stunde. Oben eröffnet sich einem ein 360-Grad-Ausblick über die Hochebenen des Cézallier im Süden und über die Monts Dôme im Norden. Le Mont-Dore ist das auvergnatische Banff: sehr touristisch, wunderbar malerisch gelegen, mit einem Haufen schöner Geschäfte, Restaurants und Unterkünfte. Für die Rückreise nach Issoire wählen wir den Weg über St-Saturnin. Auch auf dieser Strecke passiert man typische Dörfer mit prachtvollen Gotteshäusern und durchquert Landstriche, wie sie in England oder Irland liegen könnten: Grüne, sanft gewellte Hügellandschaften und von Steinmäuerchen abgetrennte Weiden.

 

Foto: Auf dem Puy de Sancy (Claudia Lambrich)

Wer shoppen und nach viel Natur wieder in die Urbanität eintauchen will, legt einen längeren Aufenthalt in Clermont-Ferrand ein. Mir haben all die kopfsteingepflasterten Fussgängerzonen, die kleinen Boutiquen und netten Cafés sehr gut gefallen. Wie es sich für die Hauptstadt der Auvergne gehört, thront auch hier eine majestätische Kathedrale über den Gassen der Altstadt. Die Cathédrale Notre-Dame-de-l’Assomption ist ein düster-schwarzer Bau aus dem 10. Jahrhundert und beherbergt, wie so viele Kirchen in der Auvergne, eine Schwarze Madonna. Besonders eindrücklich ist die Annäherung an die Kathedrale über die Rue des Gras (wo sich im Übrigen tolle Geschäfte aneinanderreihen). Wer zurückblickt, sieht direkt zum Puy de Dôme. Den höchsten Vulkan der Chaîne de Puys kann man in einer schönen Wanderung besteigen. Für ältere Kinder ein Höhepunkt ist Vulcania, ein wissenschaftlich ausgerichteter Erlebnispark. Modernste Hightech wie interaktive Info-Touchscreens, bewegte Modelle, Filme in 3D und verschiedene Simulationen und Spezialeffekte rechtfertigen den hohen Eintrittspreis. Zu meinem Bedauern müssen wir Vulcania auslassen; unsere Tochter ist einfach noch zu jung dafür. Begleitet mich im nächsten Beitrag nach Vichy…

 

Foto: Glasfenster in der Kathedrale von Clermont-Ferrand (Claudia Lambrich)

Zum Weiterlesen:
Unbekannte Auvergne (1): Kathedralen und Käse
Unbekannte Auvergne (2): Wie im Museum

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