Kein Mensch hätte mit dem Namen Nikolausz Günter Nakszynski Karriere machen können, nicht einmal ein Exzentriker wie er. Als Klaus Kinski (Foto: Keystone) hingegen wurde der Schauspieler zum Weltstar und Filmbösewicht. Es war die Mischung aus dämonischem Blick, Erdbeermund, exzessivem Berserkertum und einer ans Geniale reichenden Ausdruckskraft, die Klaus Kinski berühmt machte.
Geboren wurde Kinski 1926 im schon damals mondänen Seebad Sopot an der heute polnischen Ostseeküste.

Stars wie Marlene Dietrich und Josephine Baker flanierten über den 1827 erbauten berühmten Seestag von Sopot, der heute mit 511 Metern der längste hölzerne Seesteg der Welt ist. Seit der Errichtung der ersten Naturbade-Anstalt 1823 entwickelte sich Sopot in atemberaubendem Tempo. Schon 1901 verlieh  der deutsche Kaiser Wilhelm II. Sopot, das damals noch „Zoppot“ hiess, das Stadtrecht. Binnen weniger Jahrzehnte hatte sich Sopot vom verschlafenen Fischerdorf zur „Riviera des Nordens“ entwickelt, und der Seesteg war Treffpunkt und Flaniermeile zum Sehen und Gesehen werden.

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Seesteg in Sopot. Foto: B. Jäger-Dabek


Die Verlängerung des Seestegs in den Ort ist die ul. Bohaterow Monte Cassino, ein breiter für Autos gesperrter Fussgängerboulevard. Ein Blick in die Nebenstrassen der Amüsiermeile mit ihrer speziellen Bäderarchitektur lohnt sich. Die schönen alten Häuser sind heute vielfach Pensionen und beherbergen unzählige Sommergäste.

Sopot ist mehr als irgendein Badeort an der Ostsee. Kilometerlange, weisse Sandstrände und längst auch wieder erstklassige Wasserqualität ziehen Touristenströme an. Zwei Millionen Besucher jährlich machen Sopot zu einem der attraktivsten Badeorte Polens. Am Angebot sieht man deutlich, dass Sopot längst auch wieder Sommerfrische der Reichen und Prominenten ist: Dinner im Grand–Hotel neben dem Seesteg, Tee auf der Strandterrasse und abends vielleicht in Sopots Gourmet–Tempel „Villa Hestia“ dinieren, dessen Jugendstil-Ambiente auch das Auge verwöhnt.

Sopot für Kulturliebhaber
Sopot – wie generell der Grossraum Danzig – hat ein Kulturangebot vom Feinsten. Vom Opern–Festival in der Opera Lesna (Waldoper) im Juli und August über das Jazzfestival an der Mole hin zu zahlreichen Theatergastspielen. Gerade das kulturelle Angebot unterscheidet Sopot von anderen Seebädern.
Theater-Ensembles und die polnische Kammer-Philharmonie treten regelmässig auf, und zahlreiche Gastspiele ermöglichen einen abwechslungsreichen Spielplan.

Zur Hundertjahrfeier 2001 entdeckte Sopot mit Klaus Kinski den bekanntesten deutschen Sopoter des 20. Jahrhunderts neu für sich – und genau wie in Deutschland scheiden sich an ihm die Geister. Auch die Sopoter finden ihn entweder abscheulich oder genial; indifferent steht ihm kaum jemand gegenüber. Selbst die Idee, das grösste Kino der Stadt nach ihm zu benennen, scheiterte an Kinskis  Bürgerschreck-Image.

Das Geburtshaus von Klaus Kinski. Foto: B. Jäger-Dabek
Das Geburtshaus von Klaus Kinski. Foto: B. Jäger-Dabek

Wer Kinski mag, für den ist ein relativ unscheinbares Haus in der Kosciuski 10 ein „Muss“. In seinem Elternhaus in der Schulstrasse 10 haben Ewa und Andrzej Reichel die „Galeria Kinski“ etabliert, eine Art Museums–Café, in dem sich die Schickeria Sopots trifft. Dort kann man an Drinks nippen und dabei Filmplakate und Kinski–Filme ansehen.

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