Blaue Flecken, Muskelkater, Poschmerzen, ein kaputtes Handy und 3000 Franken leichter. So die unerwartete Bilanz eines Wochenendes an der Costa del Sol. Wie es dazu kam? Ein Investment Banker aus London feierte in Marbella sein Stag Weekend, die englische Version des Polterabends. Und Udo Habermann war dabei.

Bis kurz davor waren nur Zeitpunkt und Ort („somewhere in Western Europe“) näher bekannt. Der ganze Event wurde von einem Reisebüro organisiert, das auf Stag Weekends spezialisiert ist. In England ist das eine riesige Industrie. So trafen wir vor Ort auf unzählige Gruppen von Jungs und Mädels, die in derselben Mission unterwegs waren. Dabei floriert momentan Osteuropa, weil nicht nur die Flüge dorthin billiger sind.

Wir trafen uns am Freitag vor Pfingsten am Flughafen in Malaga, von wo man uns in ein Fünfsternehotel nach Puerto Banús chauffierte, dem Hafen der Schönen und Reichen. Der erste Tag bestand hauptsächlich aus Essen und Trinken, was das Zeug hergab. Das Reisebüro sorgte jeweils für den Transport und im voraus dafür, dass immer die besten Tische und Ecken in den besten Restaurants und Clubs für uns bereitgehalten wurden. Doch wie vertreiben sich Jungs die Abende, von denen die meisten ihre Jugend abgeschottet in Internaten und Elite-Universitäten verbracht haben? Sie saufen um die Wette, tippen sich trotz Gesellschaft auf ihren Blackberries die Finger wund, observieren die Buffalo Rules und spielen Fizz Buzz und andere Trinkspiele – und das in Clubs, deren Musikstil vor acht Jahren stehen geblieben ist und wo man bei den anwesenden Damen nie genau weiss, ob sie for pleasure oder for business anwesend sind. Die Nacht endete nicht unerwartet in einem Striplokal.

Wie geübt die ganze Truppe in diesem Lebensstil ist, zeigte sich aber am nächsten Morgen, als alle Frühstück inklusive bereits um 9.30 Uhr wieder in der Lobby bereitstanden. Zuerst stand Go Kart auf dem Programm, einer der Gründe für die Blutergüsse und sonstigen Schmerzen – nicht die Kollisionen waren schuld, sondern die Zentrifugalkraft in den Kurven. Bei einem Fahrenden ergoss sich die Sonnencreme über sein Blackberry. Liebevoll legte er es den ganzen Tag über immer wieder in die Sonne zum Trocknen. Doch leider war es nicht mehr zu retten und er untröstlich. Beim Schreibenden löste sich das Handydisplay in seine Bestandteile auf, doch zum Glück hat er immer zwei dabei.

Darauf Tontaubenschiessen, Mittagessen und zum Dessert Herrenunterhaltung am helllichten Tag. Und was treiben englische Jungs in ihrer Freizeit neben Clay Pigeon Shooting? Horseback riding! Also gings hoch zu Ross weiter durch das Hinterland. Schlecht für den Allerwertesten und die schlaffen Oberschenkel, doch gut für die Verdauung! Denn nach einem Aufenthalt am Strand war bald das Nachtessen angesagt. Danach gings weiter wie am Vorabend in die Clubs – mit gleichen Ausgang.

Und ehe man sich versehen hat, ist es auf einmal Sonntagmorgen. Nochmals Frühstück und Mittagessen und dann zum Flughafen. Und nun wird auch plötzlich klar, weshalb sich Geschäftsleute so sehr aufs Fliegen freuen: nirgends ist man so ungestört und so unerreichbar wie in der Luft. Der perfekte Ort, um sich vom anstrengenden Alltag zu erholen. Je länger, desto besser.

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