Ich war in der Himalaja-Region unterwegs. In dieser Serie werde ich euch davon in allen Einzelheiten berichten.

Auf unserem Weg nach Nepal machen wir einen Zwischenstopp in Kalkutta. Die Stadt liegt im Nord-Westen Indiens und ist die Hauptstadt der Provinz West-Bengal. Wenn man Indien hört, denkt man meist nur an Mumbai, Delhi oder vielleicht Bangalore. Kalkutta aber war von 1772 bis 1911 Hauptstadt und mauserte sich im 19. Jahrhundert auch zur Kulturhauptstadt des Landes. Aus dieser Zeit sind ihr nicht nur schöne Kolonialbauten geblieben, die Stadt hat auch die viertgrösste Bevölkerung von ganz Indien.


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Nach unserer Ankunft am Flughafen bezahlen wir direkt im Terminal die Taxi-Fahrt zum Hotel. Wir bekommen einen Gutschein, um nicht vom Fahrer über den Tisch gezogen zu werden. Draussen warten schon dutzende Fahrer auf einen Gast. Die unverkennbaren, gelben Taxis stehen in der brütenden Hitze Schlange. Wir bekommen unseren Fahrer zugewiesen – und los geht’s. Leider gibt es keine Klimaanlage im Auto. Das wäre bei den über 40 Grad im Schatten ziemlich nützlich. Auch das Taxameter funktioniert nicht. Gut, dass wir im Voraus bezahlt haben.

Charme und Schock

Kalkutta versteckt nichts. Es wird rund um die Uhr – und wie es scheint überall – gebaut. Während auf riesigen Betonstelzen zehn Meter über Boden eine Trasse für die neue U-Bahn gebaut wird, rollt unten langsam der Verkehr. Alles braucht seine Zeit. Beim Stopp and Go sieht man die kleinen selbstgebaute Hütten der Armen. Dann folgt wieder ein Hochhaus. Es hat unglaublich viele Menschen auf diesem engen Raum. Hinzu kommen streundende Hunde und Kühe. Und zwischen all dem sammelt sich der Abfall. Es ist kein schönes Bild entlang den Hauptstrassen.

Überraschenderweise kann Kalkutta seinen Charme andernorts plötzlich entfalten. Zum Beispiel mitten im Zentrum an der Park Street. Trotz der grossen Menschenmenge macht einem das Flanieren durch den Markt grossen Spass. Auch schön ist es am Queen Victoria Memorial. Der Park ist blitzblank. Oder im Indian Museum, einem naturhistorischen Museum, fällt auf, dass das bald zweihundert Jahre alte Gebäude von einer besseren Seite als manche Hochhäuser in der Stadt zeigen kann.
Auch das Fort William mit einer britischen Zitadelle aus dem Jahre 1773 darf man nicht verpassen. Und am Ende des Tages wird man während einer Bootsfahrt auf dem Fluss Hooghly, einem Ableger des Ganges, die Menschenmasse für kurze Zeit leicht vergessen können. (Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken!)

Die Stadt hat es in sich. Nobelpreisträger, Filmemacher und Schriftsteller bekennen sich zu ihr. Mehrere meiner Freunde aus Singapur, wo ich derzeit lebe, kommen von hier, und für sie ist Kalkutta definitiv die erste Wahl in Indien. Neben Wikitravel schreibt auch unser Reiseführer: „Du wirst diese Stadt mögen und gleichzeitig hassen.“

Es empfiehlt sich, neben Kalkutta unbedingt auch noch weitere Städte anzuschauen. Meine Freunde sind hierbei genauso direkt: „Du wirst in anderen Städten ein ganz anderes, schöneres Indien entdecken.“ Dennoch wäre es sicherlich falsch, diese Stadt auf der Reiseroute auszulassen. Sie repräsentiert ein langes koloniales Erbe, eine wichtige indische Metropole und einen multikulturellen Schmelztiegel aus ganz Indien, dem Westen und den angrenzenden ost-asiatischen Staaten.

Von Kalkutta aus hat man einen Hub in abgelegene Gebiete Indiens. Einerseits bietet es sich an, nach Darjeeling oder in die kleine Provinz Sikkim zu fahren. Aus ersterem Ort stammt der berühmte indische (oder britische) Tee. Des Weiteren befindet man sich hier direkt an der Grenze zu Bangladesh. Nepal und Bhutan sind rund eine Flugstunde entfernt.

Street Art

Alle Fotos: Rico Wyder

Tagged: Archive, Indien, Reisetipps & Insider

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