Bhutans Hauptstadt Thimpu ist der ideale Ort, den bhutanischen Spagat zwischen Fortschritt und Tradition mitzuerleben. Wir haben ununterbrochen Mobilfunk-Empfang, es reihen sich neue Häuser, Spitäler und Hotels aneinander, alles wirkt modern – und trotzdem Touristen fallen mit ihren Jeans und T-Shirts aus dem Rahmen. Neben den vielen, in dunkelrote Roben gehüllten Mönchen tragen fast alle Einwohner die traditionelle Kleidung gho für Männer oder kira für Frauen. Diese ist nämlich für alle Pflicht, die eine staatliche oder repräsentative Tätigkeit ausüben. Unter dem Gewand trägt man aber auch normale westliche Kleidung.

Viel urbaner als in Thimpu wird es nirgends in Bhutan. Das schöne an der Kleinstadt mit rund 70’000 Einwohnern ist, dass sie klein und übersichtlich ist, wie auch der Verkehr zeigt. Thimpu hat eine Kreuzung, die kontrolliert werden muss. Als man vor ein paar Jahren eine Ampel installiert hatte, funktionierte der Verkehrsfluss jedoch nicht mehr. Das Prinzip setzte sich nicht durch. Zu viele Unfälle gab es wegen der Ampel. Nun steht wieder ein Polizist in der hübschen, hölzernen Verkehrsinsel mitten auf der Kreuzung und leitet die Autos.

Zu sehen gibt es in Thimpu äusserst viel. Gerade wird ein riesiger Buddha am Hang hoch über der Stadt gebaut. Daneben ist der Trashi Chhoe Dzong einer der imposantesten in ganz Bhutan. Der National Memorial Chorten ist eine Stupa im tibetischen Stil und ist dem verstorbenen König Jigme Dorji Wangchuck gewidmet.

Mitten in der Stadt beten tagsüber vor allem ältere Menschen. Sie wandern im Uhrzeigersinn wieder und wieder um die Stupa und schwingen die Gebetstrommeln. Wir hatten Glück: An jenem Tag war auch das Innere für Touristen zugänglich. Darin werden über drei Stockwerke die verschiedenen buddistischen Philosophien mit hundersten Statuetten dargelegt. Sie bilden ein riesiges dreidimensionales Kunstwerk, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Leider war das Fotografieren verboten.

Neben den wichtigsten religiösen Bauten sahen wir von aussen die Parlamentsgebäude und den Königspalast. Der Palast ist eigentlich nur ein kleines Haus neben dem Parlament. Auf dem Bild ist der Palast nicht einmal erkennbar. Ein gutes Zeichen für einen König, finde ich.
Nach dem kleinen Ausblick über die Stadt besuchten wir einige Handwerksstätten und ein traditionelles Bauernhaus. Wir lernten, wie Bhutaner noch heute auf dem Land leben. Knackiges Detail am bhutanesischen Baustil: am Hauseingang hängt ein roter, hölzerner Penis. Auch am Dach hängen mehrere Exemplare. Interessanterweise steht er nicht für Fruchtbarkeit, sondern schützt vor dem Bösen und soll für Frieden in der Familie sorgen. Vor allem in den darauffolgenden Tagen begegneten wir auf dem Land noch einigen, mannsgrossen Phalli an Hauswänden und in Tempeln. Ach ja, und es gibt sie auch im Souvenirshop als Schlüsselanhänger zu kaufen.

Nach der sehr spannenden Stadtrundfahrt ging es noch kurz den Berg hinauf in das Tierreservat der Takin. Das Tier sieht aus wie eine Kuh mit Ziegenkopf.

Thimpu in nur einem Tag zu erkunden, ist anstrengend. Vor allem der kulturelle Teil wartet mit äusserst vielen Informaitonen auf die Besucher. Es lohnt sich, sich hier etwas mehr Zeit zu nehmen. Wir hatten das Glück auf dem Rückweg von Punakha noch einmal einen Abend ohne jegliches Programm in der Hauptstadt verbringen zu können. Wir kauften hier unsere Sourvenirs und Postkarten, schlenderten herum und sahen den Mönchen, Staatsangestellten und Kindern zu. Dieser Abend war genauso spannend wie das ganze Sightseeing in Thimpu.

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