Tamara Benz, Jahrgang 1983, ist in Davos geboren und aufgewachsen, ehe sie für sieben Jahre nach Brugg zog. Dann ging ihre Reise weiter: Seit kurzem lebt sie nun in China. Ihr Freund hat hier einen Job als Expat in der Stadt Xiamen bekommen. Und sie will die Möglichkeit nutzen, Land, Leute und die Sprache kennenzulernen. Hier im Blog wird Tamara ab sofort einmal im Monat über ihr Leben in China berichten.

Als uns meine Eltern Mitte November in Xiamen besuchten und mir von der vorweihnachtlichen Stimmung in der Schweiz berichteten, fiel mir erst auf, dass ja bald Weihnachten ist und man davon hier gar nichts merkt. Die meisten Chinesen sind Buddhisten oder Taoisten und feiern keine Weihnachten. Ich kann mir Weihnachten hier auch irgendwie nicht vorstellen, da man in Xiamen noch oft im Bikini am Strand sitzen kann.

Auch als meine Eltern ankamen und es kühler und regnerischer wurde, wollte bei mir noch keine Weihnachtsstimmung aufkommen. (Nach ihrer Heimreise war der Himmel übrigens wieder tagelang strahlend blau!) Das einzig Weihnachtliche fand man in westlichen Restaurants, Hotels oder Läden: künstliche Bäume mit kitschigem Schmuck oder verzierte Fasaden mit Glitzerzeugs. Vor allem Starbucks wirbt mit seinen verzierten Christmas-Tassen und einer Weihnachtsedition an Kaffees und Weihnachtstees. Auch bei McDonald’s findet man Spuren weihnachtlichen Dekors. Aber sonst wähnt man sich eher in einem warmen Spätsommer in der Schweiz.

Anders sieht es in Honkong aus. Dort merkt man deutlich, dass Weihnachten vor der Tür steht. (Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken.)

Für einen Wochenendausflug verschlug es meine Eltern und mich in die glamouröse Stadt. Als wir ankamen, war ich sofort überwältigt von den riesigen Wolkenkratzern und den vielen Lichtern. Dachte ich, schon Xiamen wäre eine Grossstadt, wurde ich hier eines Besseren belehrt und muss nun zugeben, dass sie im Vergleich zu Hongkong wohl als kleines Provinznest bezeichnet werden kann.
Ebenfalls überrascht war ich über die vielen Ausländer hier. Jeder Zweite, so schien mir, ist ein Weisser, und man hört praktisch überall Englisch. Auch die meisen Hongkong-Chinesen sprechen Englisch, inklusive der Taxifahrer, was auf dem chinesischen Festland eine Seltenheit ist. Ausserdem findet man hier an allen Ecken Weihnachtsdekorationen und Gebäude, deren Fassaden mit neonbeleuchteten Weihnachtssujets protzen. Adventsstimmung wollte bei mir aber trotzdem nicht so richtig aufkommen, es war über 25 Grad Celcius warm.

Fasziniert war ich auch von den Rolltreppen auf Hongkong Island, die einen von Central in die Mid Levels des Viktoria Peaks befördern, und fast vor der Haustüre unseres Hotels enden. Ist schon witzig, die Rolltreppe zu nehmen, um von A nach B zu kommen! Die Rolltreppe läuft aber nur einseitig: Am Morgen bis 10.00 Uhr geht sie nach unten und danach bis Mitternacht nach oben. Wer länger ausgeht, muss also laufen. Oder man nimmt ein Taxi, was wohl etwa gleich lange dauert, da man durch ein Gewirr von Strassen fahren muss.

An Restaurants und Ausgehmöglichkeiten fehlt es in dieser Stadt überhaupt nicht. Da wir in der Nähe von Soho und Lan Kwai Fong untergebracht waren, besuchten wir auch hautpstächlich die Restaurants und Bars in diesen beiden Ausgangsvierteln. Während man in Xiamen die Bars fast an einer Hand abzählen kann, reicht das hier allein in diesem Teil Hongkongs bei weitem nicht aus. An internationalem Essen findet man alles, was das Herz begehrt und eine Vielfalt aus den bekanntesten Küchen der Welt.

Am ersten Tag buchten wir eine zweitägige Bustour auf dem „Hop on hop off“-Touristenbus, der einen zu den wichtigsten Attraktionen bringt. Ich persönlich finde diese Art, eine Stadt kennenzulernen, ziemlich angenehm. Man bekommt die wichtigsten Informationen geliefert und wird bequem zu den bekanntesten Highlights gefahren. Wenn einen etwas interessiert, steigt man einfach aus und nimmt später den nächsten Bus wieder.)

Nach der ersten Tour durch Central Hongkong ging’s mit der Star Ferry nach Kowloon. Vom Wasser erhält man einen super Ausblick auf beide Stadtteile mit ihren gigantischen Bauten. Auf der anderen Seite angekommen, machten wir uns auf den Weg zu einem der bekanntesten Strassenmärkte in Hongkong, dem „ladies market“, welcher im Stadtteil Mongkok liegt. Mongkok weist laut dem „Guiness-Buch der Rekorde“ die grösste Bevölkerungsdichte der Welt auf. Nach einem Bummel durch den Markt und mit einigen Hongkong Dollars weniger im Sack sprangen wir wieder auf einen Bus auf und liessen uns durch Kowloon chauffieren. Auch hier war ich einmal mehr überwältigt vom Treiben in den Strassen, den vielen Leuten, Restaurants, Szenebars und unzähligen Shoppingmals.
Nach diesem Erlebnis „erklimmten“ wir den ICC Tower. Mit seinen 490 Metern ist er der höchste in Hongkong und der vierthöchste der Welt. Unglaublich, in weniger als einer Minute und einem ziemlichen Ohrendruck, erreichten wir die Aussichtsplattform. Später bemerkten wir dann aber, dass wir gar noch nicht zuoberst waren, sondern noch immer ca. 100 Meter vom Dach entfernt. Dies reichte aber schon für einen fantastischen Ausblick über ganz Hongkong. Vor allem Hongkong Island glänzt mit seinen gigantischen Hochhäusern, aber auch die Aussicht auf Kowloon und das Meer steht ersterem in nichts nach.

Am Abend führten wir uns, mit tausend anderen Touristen, von der „Avenue of the Stars“ die allabendliche Lichtshow zu Gemüte. Die Weihnachtssujets leuchteten, und das Lichtspiel an den Fassaden der Wolkenkratzer entlockte den Zuschauern staunende „Aahs“ und „Oohs“.

Am nächsten Tag ging’s auf den Peak. Auf dem „Gipfel“ bietet sich einem ein grandioser Ausblick auf die Stadt! Auf dem Rundgang um den Berg kann man Hongkong von allen Seiten betrachten.

Am Nachmittag „hoppten“ wir wieder auf unseren Touribus und fuhren auf die südliche Seite von Hongkong Island in die Stadtteile „Stanley“ und „Aberdeen“. Auch dort stehen luxuriöse Prachtbauten und Villen mit schönen Aussichten auf den Strand. Auf dem populären Stanley Market gibt es jegliche Markenartikel zu erschwinglichen Preisen und die Strandpromenade lockt mit unzähligen internationalen Restaurants. Wir fühlten uns hier ein bisschen wie an einer europäischen Riviera. Aberdeen ist bekannt für sein „schwimmendes Dorf“. Dort wohnen die sogenannten „Bootsleute“, deren tägliches Leben sich auf den Booten abspielt.

Bei der Rückkehr in Hongkongs Zentrum trauten wir unseren Augen kaum: Auf öffentlichen Plätzen, vor Gebäuden, an den Ladeneingängen, in den Unterführungen, auf den Überführungen etc. sassen tausende von Frauen, machten Picknick und unterhielten sich miteinander. Es waren die philippinischen Hausangestellten, welche bei ihren Arbeitgebern zu Hause wohnen. Am Sonntag ist ihr freier Tag. Da sie alle keine Freundinnen nach Hause einladen können, treffen sie sich halt in der Öffentlichkeit.

Am letzten Tag unseres Hongkongaufenthalts erkundeten wir die Insel Lantau, die grösste Hongkongs, auf welcher sich unter anderem der internationale Flughafen, Hongkongs Disneyland und „Ngong Ping 360“ befinden. Letzteres ist ein Tourismusprojekt und beinhaltet etwa eine Gondelbahn, ein touristisches Dorf und den bekannten „Tian Tan Buddha“, auch „Big Buddha“ gennant. Als Schweizer waren wir natürlich gespannt auf die Glasbodengondel, die uns übers Meer und rauf auf den Hügel zum Big Buddha führte. Bis wir allerdings in eine solche einsteigen konnten, mussten wir ziemlich lange anstehen. Der Fakt, dass die Gondeln nicht ganz gefüllt werden, machte uns Bergler ganz kribbelig:-). Dafür wurden wir aber wieder einmal mit einer gigantischen Rundumaussicht belohnt. Der grosse Buddha hält auch, was er verspricht, und der Blick aufs Meer und die Wälder haben etwas Mystisches.
Mit dem Bus fuhren wir dann auf der anderen Seite runter ins Fischerdörfchen Tai O. Hier fühlt man sich schon wieder richtig auf dem Lande. Die Häuser des Dorfes sind auf Stelzen gebaut und man kann mit einem Boot durch die Wasserstrassen kurven. Welch ein Gegensatz zum bekannten, glamurösen Hongkong!

Zufrieden und vollbepackt mit interessanten Eindrücken ging’s nach drei Tagen von der „westlichen“ Grossstadt zurück in die Kleinstadt Xiamen.

Zum ersten Teil meiner China-Serie gelangt ihr hier.

Alle Fotos: Tamara Benz.

Tagged: Archive, China, Reisetipps & Insider

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