Eigentlich konnten wir uns nur Billig-Hotels leisten, doch eins war klar: Wenigstens eine Nacht in Japan mussten wir in einem Ryokan, einem traditionellen japanischen Gasthaus verbringen – und es hat sich gelohnt!

Es war später Sonntagabend, als wir in unserem Ryokan in Hakone, Japan ankamen. Glücklicherweise hatten wir in letzter Minute das anscheinend letzte Zimmer im ganzen Dorf ergattert. Im Bus vom Bahnhof zum Ryokan konnten wir nichts erkennen, denn es war bereits dunkel und regnete. Wir wussten zwar, dass Hakone am Ufer des Ashi-Sees liegt und man von dort aus mit etwas Glück die Sicht auf den Fuji geniessen kann. Wo genau unser Ryokan lag, wussten wir aber nicht.

Nein, das sind natürlich nicht wir...

(Foto: Keystone / The Fukuda Familiy Album)

Dass ein Ryokan kein herkömmliches Hotel ist, merkten wir sofort bei der Ankunft. Traditionell gekleidete Frauen empfingen uns und brachten uns auf das Zimmer. Das Abendessen, das gemeinsam und zu einer bestimmten Zeit eingenommen wird, hatten wir leider verpasst. Im Zimmer, welches mit Tatami, weichen Strohmatten, ausgelegt war, wurden uns die Hausregeln erklärt: Wir sollten den Yukata, eine Art Baumwoll-Bademantel und die Pantoffeln anziehen, Strassenschuhe sind in japanischen Häusern verpönt. Die Japanerin erklärte uns hundert Dinge, die wir so schnell gar nicht aufnehmen konnten. Wir waren müde und etwas eingeschüchtert, da wir uns auf keinen Fall respektlos verhalten wollten. Einmal mehr fühlten wir uns in Japan wie in einer anderen Welt!

Auf dem niederen Tisch in der Mitte des Raumes standen Tee und japanische Snacks. Verwundert stellten wir fest, dass das Bett fehlte. Eine Seite des Raumes war eine Fensterwand. Doch draussen tobte ein Sturm und wir sahen keinen Meter weit. War das dort unten vielleicht ein Hinterhof? Ich meinte, einen Parkplatz zu erkennen. Naja, vom letzten Zimmer im ganzen Dorf kann man auch nicht allzu viel erwarten, dachte ich.

Im obersten Stock des Hauses befand sich ein Onsen. Eine Art Thermalbad, deren Benutzung zur japanischen Tradition gehört. Die Bäder sind nach Geschlechtern getrennt, gebadet wird nackt, vorher wäscht man sich, auf einem Holzschemel sitzend, gründlich. Natürlich durfte ich mir das nicht entgehen lassen, und sass bald in dem dampfenden Bad. Nach einiger Zeit ging ich nach draussen auf den kleinen Balkon, auf dem ein zweites Bad war. Die Luft war eisig, das Wasser heiss und ich fühlte mich so entspannt wie lange nicht mehr.

Onsen

(Foto: Andrea Schmits)

Wieder zurück im Zimmer befand sich in der Mitte des Raumes plötzlich ein Bett, bestehend aus einer am Boden liegenden Futon-Matte mit einer dicken Decke. Weitaus das bequemste, dass wir auf dieser Reise erlebt hatten! Trotzdem gönnten wir uns aber nicht allzu viel Schlaf, denn wir hatten nur eine Nacht gebucht und wollten unbedingt vor dem Auschecken nochmal ins Onsen. Als wir um sieben Uhr morgens den Vorhang in unserem Zimmer öffneten, wurden wir aber erstmal von der Aussicht überwältigt: Der Sturm hatte sich verzogen und wir sahen durch das riesige Fenster direkt auf den Ashi-See, der nur wenige Meter entfernt war. Von wegen Hinterhof! Vom Onsen aus war die Aussicht dieselbe: Selten hatte ich so etwas Schönes gesehen. Und so sass ich im Morgengrauen nackt in einem dampfenden Aussenbad in Japan und konnte es gar nicht glauben!

Mein Fazit: Keine Japanreise ist komplett ohne eine Übernachtung in einem Ryokan! Vor allem, wer ein grösseres Budget hat, kann es sich hier richtig gutgehen lassen. Nähere Infos zu den traditionellen Gasthäusern in Japan gibt es auf der Website der Japan Ryokan Association.

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