kanada

Meine Pläne fürs vergangene Wochenende waren die, dass ich noch gar keine hatte. Doch das kann sich in New York schnell ändern. Während eines Abendessens mit zwei New Yorker Freundinnen erzählte die eine über ihren geplanten Wochenendausflug nach Kanada um Skifahren. Und schwupps, war ich eingeladen, sie zu begleiten.

Am Tag darauf sassen wir im Nachtbus nach Montreal, nachdem wir vorher noch einen Abstecher an eine Party bei einer Freundin zuhause gemacht hatten. Dort tranken wir uns mit ein, zwei Gläsern Rotwein eine (erhoffte) Schläfrigkeit für die siebenstündige Fahrt an. Leider war aber nichts mit Schlafen, weil wir den Bus dreimal verlassen mussten. Einmal, für eine uns ziemlich unsinnig erscheinende dreiviertelstündige Schlafpause für den Fahrer (während der wir in einem kalten Aufenthaltsraum warteten), für eine McDonald’s-Pause (ebenfalls unsinnig, da mitten in der Nacht) oder für die Passkontrolle an der kanadischen Grenze, die ewig dauerte.

Völlig übermüdet kamen wir in Montreal an, wo uns ein Freund meiner Freundin frühmorgens abholte und in sein riesiges Haus brachte, das er mit vier Mitbewohnern bewohnte. Dann ging es gleich weiter in die Berge, im winzig kleinen Auto unseres französischen Gastgebers. Eingeklemmt zwischen Skiern und Rucksäcken sass ich kichernd vor Müdigkeit auf dem Rücksitz und sah kaum aus meinen immer kleiner werdenden Augen. Die versuchte ich aber trotzdem offen zu halten, denn die verschneite kanadische Landschaft war fantastisch. Die Fahrt dauerte lange, was meiner Laune angesichts des wunderschönen Schnees aber nicht schadete. Meine Freundin und ich konnten jedoch vor Müdigkeit nicht aufhören zu kichern – als ob wir betrunken wären.

Im Skigebiet mussten wir feststellen, dass die Schlange zur Ski- und Snowboardvermietung endlos war und die Skilifte bereits drei Stunden später schliessen würden. Der Ausflug schien immer chaotischer zu werden. Allmählich verging meiner Freundin und mir das Kichern, denn es ging wieder ins Auto und in ein anderes Skigebiet, wo man Nacht-Skifahren konnte. Dort angekommen (und endlich ausgerüstet mit einem Snowboard), konnte der Schneespass beginnen – und der war in der Tat riesig. Ich kann mich nicht erinnern, jemals solch fantastischen Pulverschnee erlebt zu haben. Nun konnte ich wieder kichern.

Allerdings verging mir für eine Weile das Lachen erneut, als ich meine beiden Gefährten für über eine Stunde verlor und erst einige Zeit später durch Zufall wiederfand. Ich wusste nicht mal den Nachnamen unseres Gastgebers aus Paris, geschweige denn, wo ich überhaupt war. Ich sah mich bereits verwirrt durch die kanadische Berglandschaft wandern, abwechselnd hysterisch gackernd und heulend nach meiner Freundin und dem Franzosen schreien. Das blieb mir aber zum Glück erspart, und später machten wir uns auf die Rückfahrt nach Montreal, wo wir nach wärmender Dusche und Abendessen hoffnungslos übermüdet ins Bett fielen und unsere Ausgangspläne auf unbestimmt verschoben.

Am Tag darauf war zwar bomben Wetter, aber wegen der beissenden Kälte von über minus zwanzig Grad nichts mit Skifahren, weil wir kaum durch Montreals Strassen laufen konnten, ohne nach einer halben Stunde dem Erfrierungstod nahe zu sein. Also gab es einen ruhigen Tag mit heisser Schoggi (die irgendwie salzig schmeckte), noch mehr Kichern aufgrund sich weiterhin steigernder Müdigkeit und Footballspiel schauen im TV – auf Französisch!

Die Rückfahrt nach New York war erneut schlaflos. Im Bus war es dermassen überheizt, dass ich den Fahrer keuchend bitten musste, die Heizung runterzustellen, worauf er an Knöpfen herumnestelte, es aber weiterhin viel zu warm blieb. Ich war zu müde, um mich zu ärgern, und entschloss mich wieder fürs Kichern mit meiner Freundin. Irgendwann kam der frühe Morgen und wir erreichten Manhattan…und bald darauf unsere Betten.

Die Pistenverhältnisse in Kanada sind eine mühevolle Reise definitiv wert, wie auch lustige kanadische WG’s und nette Franzosen. Trotzdem sollen es das nächste Mal lieber ein paar Dollars mehr und ein Flugzeug sein. Und fürs Kichern würden wir auch einen anderen Grund finden als bleierne Müdigkeit wegen überhitzten Busfahrten ohne Schlaf – da waren meine Freundin und ich uns einig.

Tagged: Archive, Kanada, Reisetipps & Insider

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