Kyôto heisst Hauptstadt und war es früher auch. Als diese 1868 nach Osten verlegt wurde, nannte man die bestehende Stadt Edo in Tô-kyôto, d.h. östliche Hauptstadt, um. Auch wenn sich das politische Zentrum Japans nach Tôkyô verlagert hat, ist Kyôto die Kultur- und Bildungshauptstadt geblieben. In keiner japanischen Grossstadt ist die Dichte an Hochschulen und Studenten derart hoch. Jedes Jahr fliegen auch zahlreiche SchweizerInnen nach Japan, um in Kyôto zu studieren – oder zu unterrichten. Auch Udo Habermann verbrachte während seiner fünf Jahre in Japan eines als Student in Kyôto. Über zehn Jahre später ging er zurück, um zu schauen, was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat.

Doch Kyôto verändert sich im Gegensatz zu zahlreichen asiatischen Städten kaum. Wie auch, wenn die halbe Stadt unter Schutz steht! Nicht nur die StudentInnendichte ist hoch, auch buddhistische Tempel und shintôistische Schreine stehen an fast jeder Ecke. Und Ecken hat es in dieser nach chinesischem Muster schachbrettartig angelegten Stadt unzählige. Da die Stadt im Zweiten Weltkrieg vom Bombenhagel verschont geblieben und der letzte Grossbrand auch schon über zweihundert Jahre her ist, stehen die viele der ca. 2000 aus Holz gebauten buddhistischen Tempel und Shintôschreine noch im Original da.

Kommt man mit dem Zug im Hauptbahnhof an, kann man die meisten der berühmten Bauwerke aus der Vogelperspektive betrachten, wenn man auf den 131 m hohen Kyoto Tower fährt und von oben herabblickt. In der jüngeren Vergangenheit konnte man zwar an manchen Tempeleingängen lesen, Gäste des unter dem Kyoto Tower gelegenen Hotels seien unwillkommen, denn dieser verschandele das Stadtbild. Das stimmt. In der Tat ist der neue Bahnhof nach dem Turmkomplex das grösste Gebäude der Stadt und verglichen mit andern japanischen Städten nimmt sich Kyoto Station geradezu klein aus – vor allem vom Turm aus betrachtet, wo die wahrscheinlich einzigen gratis Fernrohre in ganz Japan installiert sind.

Kinkakuji

(Foto: Keystone AP / Kyodo News STR)

Doch wie nahe man auch heranzoomen kann, nichts ersetzt die Realität. Am Bahnhofplatz kauft man sich eine Tagesfahrkarte für umgerechnet 15 Franken und los gehts. Im Osten beginnts mit dem Kiyomizudera, von dessen Terasse aus man wiederum den Blick über die Stadt geniessen kann. Danach gehts zum nicht ganz so alten Heian Jingû und zur alten Shôgunburg Nijô mit dem berühmten Nachtigallenboden. Von dort kann man weiter zum goldenen Kinkakuji, der nach einer Brandstiftung 1955 wiederaufgebaut wurde. Von dort fährt der Bus weiter zum Ryôanji und seinem berühmten Steingarten.

Auf der ganzen Reise durch Kyoto kann man auch immer wieder auf eigene Entdeckungsreise gehen, auf bekannte und weniger bekannte Schreine und Tempel stossen. Man sollte bloss wissen dass es im Sommer täglich über 35 Grad heiss und schwül wird. Die Stadt ist zwar durch die Berge ringsum gut vor allen möglichen schädlichen Einflüssen wie Taifunen etc. geschützt, doch wärmt sich der Kessel im Sommer auf und konserviert im Winter die Kälte. Wie oft musste Udo Januarnächte in den eigenen vier Wänden mit zwei lagen Unterhosen und Pullovern verbringen! In den unisolierten Häusern in Japan wird es so kalt, dass man den Kopf morgens in den Kühlschrank stecken kann, um ihn aufzuwärmen.

Sagano Scenic RailwayUdo hat es vor allem der Westen Kyôtos angetan, die Gebiete Sagano und Arashiyama, die wie der Ryôanji zum Bezirk Ukyô gehören. Denn dort hat Udo gewohnt. Neben zahlreichen Tempeln gibt es auch kühle Bambushaine und den Fluss Hozu, den man mit einem Boot befahren kann. Zum Bootssteg den Fluss hinauf fährt ein „romantic train„. Im Sommer kann man dabei den Kormoranfischern zuschauen, die bei Dunkelheit ihrem Brauch nachgehen. Oder man kann tagsüber den Arashiyama besteigen und japanische Affen bestaunen.

Nicht zuletzt ist Kyôto die ideale Basis für Ausflüge in der Region Kansai, auch Kinki genannt. Dazu gehören neben Kyôto auch die Städte Nara, Ôsaka und Kôbe und zahlreiche im Westen weniger bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten wie der Kôyasan, der Biwasee, Amanohashidate, Ise, das Schloss Himeji oder die mit 1991 m Spannweite je nach Messart längste Hängebrücke der Welt namens Akashi-Kaikyô Ôhashi .

Wer sich von Tokyo aus gegen Westjapan hin bewegt, dem oder der sei auf jeden Fall der Japan Rail Pass empfohlen, der sich bereits für die Strecke Tokyo-Kyoto retour lohnt. Japan ist zwar durch den öffentlicher Verkehr sehr erschlossen, doch hat dieser auch seinen Preis. Verhungern braucht man bei der ganzen Reiserei natürlich nicht, doch sparen wir uns das Essen für ein andermal auf. Viel Spass beim Erkunden Westjapans!

Tagged: Archive, Japan, Reisetipps & Insider

Kommentare

  • Haru Dalguer

    Das mit dem Kopf im Kuehlschrank auftauen finde ich toll. Hab mich halb krumm gelacht und Maya fragte mich weshalb ich so lache.

    2. September 2008 at 22:38

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