In einem Land, das sich Demokratische Volksrepublik Laos nennt, würde man einen Ort wie Vang Vieng kaum erwarten. Erreicht wird Vang Vieng per Bus von der Hauptstadt Vientiane oder von Luang Prabang aus. Beides sind sehenswerte Städte und das historische Zentrum von Luang Prabang gehört sogar zum UNESCO-Welterbe. Darüber liesse sich ein schöner Artikel schreiben – ein andermal vielleicht.

Vangvieng

(Foto: wikicommons)

Da die Strassen in Laos kurvig sind, nehmen viele einheimische Passagiere Schlafmittel oder andere Pillen, denn wach sein bedeutet Kotzen. Die meisten Fahrer verteilen deshalb präventiv Tüten, weil es keinen Spass macht, die verkrustete Bescherung später aufzuputzen. So schlimm wie von Gabriela Rolli beschrieben, verläuft die Fahrt jedoch in den seltensten Fällen. Lieber auf einem Gartenstuhl im Gang sitzen als auf dem Boden. Die bequemeren Touristen reisen sowieso im 4WD. So wie die Entwicklungshelfer. Das rückständige Agrarland Laos ist ein Paradies für Entwicklungshelfer. Und mittendrin liegt Vang Vieng, ein Paradies für Partygänger. Drogen in allen möglichen Aggregatzuständen, und auch Ohren (hämmernde Beats) und Augen (phantastisches Karstgebirge) werden stimuliert. Der ideale Ort, um sich treiben zu lassen – beispielsweise auf dem Fluss Nam Xong (sprich: Song). Tubing heisst der Spass auf englisch, wenn man sich in einem Gummischlauch aufs Wasser begibt und die Strömung einen vorantreibt.

Das kennen wir auch von andern Destinationen. Doch so gemächlich wie hier gehts kaum irgendwo zu. Stundenlang gleitet man vor überragender Kulisse dahin. Vielerorts wird man buchstäblich aus dem Wasser geangelt, damit man seinen Getränkevorrat aufstocken kann. Abenteuerliche Holzbrücken überqueren den Fluss und ab und an baumeln Leute an Seilen herum, um sich ins Wasser plantschen zu lassen. Sogar eine Megaschanze, die einen in hohem Bogen ins Wasser katapultiert, wartet auf die Abenteuerlustigsten. An gewissen Stellen kann man auch zuschauen, wie die Einheimischen mit einer Mischung aus Unglauben und Amusement die besoffenen, (sonnen)badenden Partytouristen beobachten. Soviel Freizügigkeit sind sie sich nicht gewohnt, wie in den Strandbars zu sehen ist. Und in der Nacht geht die Party dann richtig los. Techno- und andere Beats hallen durch die Dunkelheit, bis der Morgen graut – so wies am Morgen auch den Partygängern graut – vor dem Hangover danach.

In Vang Vieng trifft man zwar dieselbe Klientel wie an Parties in Berlin oder Zürich, dafür kann man Gift darauf nehmen, dass es sich um die Weltoffensten und Strapazierfähigsten von ihnen handelt. Doch leider bleibt man unter sich, denn Einheimische können und wollen sich den Spass nicht leisten. Diese Tatsache animiert zum Nachdenken. Doch Nachdenklichkeit hat in Vang Vieng eine kurze Lebenserwartung. Im nächsten Bier wird sie ertränkt.

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