Aufgeregt habe ich meinem zehntätigen Aufenthalt in San Francisco entgegen gefiebert. Die Stadt ist meine grosse Liebe. Bereits vor anderthalb Jahren habe ich San Francisco besucht, damals mit meinem Freund. Zwei Fliegen mit einer Klappe – der Mann und die Stadt meines Herzens, und beide bringen mich ins Schwärmen.

Height Ashbury

(Fotos: Fabienne Hany)

San Francisco erfüllt alle Wünsche. Die Stadt liegt am Meer, bietet wunderbar viel Kultur, wunderschöne Architektur und herrliche Parks, ist kulinarisch vielfältig und bietet all jenen, die von Hippiezeiten träumen, diesen unvergleichlichen Zauber von vergangenen Zeiten. Zu denen gehöre ich. Ich wäre so gerne mit Blumen im Haar die Height Ashbury hinuntergeschwebt, die Hippiemeile von San Francisco. Heutzutage bietet die Strasse nebst noch immer lebendigen und kunterbunten Musik-, Kleider- und Schmuckläden und herrlichen Cafés auch ein etwas trauriges Bild; die Häuser sind heruntergekommen, genauso wie viele Gestalten auf den Strassen. Der Flowerpower ist verblüht und längst nicht mehr das, was er einmal war.

Dennoch spürt man den vergangenen Zauber noch immer und es lohnt sich auf jeden Fall, die Strasse mit ihren bunten Häusern entlang zu wandern und im Red Victorian Inn einen unglaublich guten Caffé Mocha zu schlürfen, im Hintergrund leise Musik aus den Sechziger und Siebzigern. Das Red Victorian ist ein Hippiecafé und gleichzeitig ein Bed and Breakfast mit wunderschön eingerichteten Zimmern aus alten Zeiten, die thematisch gestaltet sind. Musikliebende dürfen ausserdem auf keinen Fall verpassen, am Nordende der Height Ashbury das Musikgeschäft Amoeba Music zu besuchen. Der Laden scheint in den Sechziger Jahren stillgestanden zu sein, und man findet dort alles was das Herz begehrt; alte Platten und Poster, CD’s für einen Dollar, Musik von heute und gestern. Anschliessend lädt der an der Height Street grenzende riesige Golden Gate Park zu einem Spaziergang ein. Der Park ist eine herrlich grüne Oase mit einem japanischen Teegarten, Museen und sogar zwei Windmühlen.

Skyline

Mein Lieblingsquartier ist das Marina District, das an der San Francisco Bay liegt. An der Lombard Street reiht sich ein Motel ans andere, eine viel bessere und günstigere Unterkunftsmöglichkeit als die teueren Hotels in Downtown. Am Ende der Lombard Street befindet sich hoch auf dem Hügel die Crookedest Street, die sich engkurvig den Hügel hinab schlängelt und weltberühmt ist. Die Chestnut Street, ebenfalls im Marina District, ist eine schöne und beschauliche Einkaufsstrasse, die zum Bummeln einlädt und viele wunderbare Cafés beherbergt. Die Chance, dort irgendwo schlecht zu essen, ist sehr gering. Die Atmosphäre ist locker und unbeschwert, und immer hängt dieser Zauber in der Luft.

Cow Hollow ist ein Quartier an der Union Street (zwischen Steiner und Octavia Street), das dem Flair an der Chestnut Street sehr ähnelt und auch nicht weit davon entfernt ist. Auch dort findet man unzählige hübsche Cafés und Restaurants und kleine Boutiquen und Bäckereien. Wendet man sich zu den hügeligen Strassen der Stadt Richtung Westen, gelangt man zum Alamo Square, der so berühmt ist, weil an dessen Parkrand eine bekannte Reihe von Viktorianischen Häusern steht, die mit den Hochhäusern von Downtown ein beeindruckendes Bild ergeben. Solche Häuser findet man zuhauf in San Francisco – sie machen den unverkennbaren Charme der Stadt aus.

Baker Beach

Wenn man ohne Auto unterwegs ist, lässt sich San Francisco wunderbar mit dem Bus erkunden. Die Fahrten sind sehr günstig, und so bin ich auch an den bekannten Baker Beach gelangt, wo man einen fantastischen Blick auf die Golden Gate Bridge hat. Beinahe hätte ich die Haltestelle verpasst, weil ich nach Stoppknöpfen im Bus gesucht hatte, bis ich merkte, dass man an Seilen ziehen muss, die an den Seitenwänden des Fahrzeugs angebracht sind, wenn der Bus Halt machen soll. Und obwohl an meinem Strandtag wunderbares Wetter herrschte (was in San Francisco eher weniger vorkommt, die Stadt liegt viel im Nebel und unter Wolken), kam meiner perfekten Idylle ein gänzlich nackter Mann in die Quere, der den Strand entlang lief und die Spaziergänger verschreckte – er war eher von der unansehlichen Sorte. Und offenbar ziemlich hart im Nehmen, denn bei einer Temperatur von etwa 15 Grad blies ein kühler Wind.

Der Strand zwischen dem Marina Green und der Golden Gate Bridge ist ebenfalls wunderschön, und im nicht weit entfernten Fishermans Wharf, dem Touristenvergnügungsviertel, kann man Velos mieten und der Bucht entlang fahren. Ansonsten ist Fishermans Wharf nichts Besonderes: viel Touristen und noch mehr Souvenirshops und Restaurants, die allesamt sehr teuer sind. Von dort aus starten auch die zwei Cable-Car-Linien, die man allerdings besser irgendwo auf der Strecke besteigt, weil die Warteschlangen an den Startpunkten immer sehr lang sind.

Golden Gate

San Franciscos Stadtbild prägt neben all den älteren Stadtteilen wie North Beach (italienisches Quartier mit vielen guten Restaurants), Russian Hill, Pacific Heights, Nob Hill und weiteren Gebieten auch eine Ansammlung von Hochhäusern, die vorwiegend im Financial District und Downtown liegen. Dort kann man in all den grossen Kaufhäusern und Markenläden shoppen, die rund um den Union Square im Herzen Downtowns verteilt sind. Ganz in der Nähe befindet sich auch China Town, das von Marktständen und Trödelläden wimmelt und dessen Quartiereingang ein grosses Tor kennzeichnet.

Downtown

Doch Downtown ist sicher nicht die anziehendste Gegend San Franciscos – stattdessen kann man stundelang in all den kleineren Quartieren verweilen mit all den schönen an die Hügel geschmiegten Strassen und die einen ganz schön ins Schwitzen bringen, wenn man sie zu Fuss erklimmt. Trotzdem bin ich viel gelaufen und hab mir einen Sonnenbrand geholt – das anfangs März. Ich konnte gar nicht genug kriegen von diesen wunderbaren Häusern, von all den herzigen Cafés und kleinen Läden und von dieser Luft, die in San Francisco irgendwie besonders gut schmeckt, trotz starkem Verkehr. An der Chestnut Street liebe ich das alternive Café The Grove, wo man herrliche Salate kriegt, alles biologisch (was einem Käfer in meinem Salat besonders gefallen hat, doch sind die Speisen trotzdem sehr zu empfehlen). Ebenfalls herrliche Salate und anderes Feines gibts im Plutos an der Scott Street, Ecke Chestnut. In ähnliches Verzücken brachte mich das Lettüs, mit einer sehr gesunden und trotzdem superfeinen Speisekarte und Cookies und Kuchen, die einen in die Knie zwingen. Der ganze Marina District ist voll von wunderbaren kulinarischen Plätzen, und ich hätte mich am liebsten von morgens bis abends nur dem Testen von Cafés und Restaurants gewidmet.

Ocean Beach

So sollte man sich auch unbedingt einen Besuch im Cliff House gönnen, einem Restaurant, das auf Felsen und direkt am Meer liegt, zwischen Lincoln Park und Ocean Beach im Westen der Stadt. Zwar muss man dort eher etwas tiefer in die Tasche greifen, aber der Ausblick ist atemberaubend, und in diesem Ambiente direkt am Meer speisen zu können, ist unvergleichlich.

Ich könnte stundelang von San Francisco schwärmen und finde auch hier schwer ein Ende, weil diese zauberhafte Stadt so viel Schönes aller Art bietet, dass man sich daran nie sattsehen und -erleben kann. Ob man nun Blumen im Haar mag oder nicht, die Stadt zieht einem so oder so in seinen Bann.

Nützlicher Link: http://map.mapnetwork.com/destination/sanfrancisco

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