Nicht nur Swaziland, auch Lesotho wird von denjenigen Einheimischen, die sich ein wenig in Geographie auskennen, als „die Schweiz Afrikas“ bezeichnet. Denn Lesotho ist das einzige Land der Welt, dessen gesamtes Territorium auf über 1000 Metern über Meer liegt. Berge, Stauseen, Wanderwege – man könnte sich mitten in Südafrika in den Alpen wähnen.


Der Basotho-Hut, das Wahrzeichen Lesothos. Foto: FotoArion; Patrick Schildknecht.

Es gibt übrigens neben Lesotho bloss zwei weitere Binnenländer, die vollständig von einem Land umgeben sind: San Marino und Vatikanstadt. Zudem gibt es weltweit nur zwei Länder, die ihrerseits von anderen Binnenstaaten umgeben sind. Wie heissen sie? Doch ich schweife ab…

Die Leute in Lesotho heissen Basotho (Einzahl: Mosotho) und sprechen Sesotho, aber auch Englisch, und sie sind sehr gesprächig. Eine Begegnung dauert mindestens fünf Minuten. So sind wir auf der Suche nach einer Weberei einem Polizisten begegnet, den wir eigentlich nur nach dem Weg fragen wollten. Schliesslich wurde er für einige Stunden zu unserem Fremdenführer/Bodyguard.

Udo: Hallo, wie geht es ihnen?
Der Polizist: Danke gut und euch?

Udo: Uns geht es auch gut, aber es würde uns besser gehen, wenn wir den Weg zu dieser Weberei finden würden.
Der Polizist: Ich steig mal in das Auto rein! [nimmt auf dem Rücksitz Platz.] Woher kommt ihr?
Udo: Wir kommen aus der Schweiz.
Der Polizist: Aha. Und weshalb seid ihr hier – wegen 2010?
Udo: Ja genau, wir sind hier wegen der Weltmeisterschaft. Wir unterstützen die Schweiz.
Der Polizist: Hat dieses Land nicht Spanien geschlagen? Gratulation! Zeigt mir mal bitte diese Karte. Keine Ahnung, wo sich diese Weberei befindet! Fragen wir mal meinen Kollegen. [läuft aussen am Auto vorbei.]
Udo: Wir suchen diese Weberei.
Der Polizist II: Steig mal aus dem Auto raus!
Udo steigt aus dem Auto aus, während der erste Polizist darin sitzen bleibt. Der zweite Polizist zeigt auf ein 30 Meter entferntes Schild am Eingang der Weberei. Udo wundert sich über die Ortsunkenntnis des Polizisten im Auto, bedankt sich und steigt wieder ein.
Udo: Nun wissen wir, wo sich die Weberei befindet. Wir sind fast dort.
Der Polizist: Ich komme mit euch mit.
Udo: Kein Problem. Aber was machen die Kriminellen in der Zwischenzeit?
Der Polizist: Lesotho ist ein friedliebendes Land. Im übrigen kann ich die Kriminellen auch von eurem Auto aus beobachten.
Nach dem Besuch der Weberei geht die Fahrt weiter und der Polizist macht keine Anstalten auszusteigen.
Udo: Wie schnell darf man auf den Strassen Lesothos fahren?
Der Polizist: Hmm, ich weiss nicht – so ungefähr zwischen 50 und 80, je nach dem.
Einige Sehenswürdigkeiten später beginnt es einzudunkeln.
Der Polizist: Schaut euch mal diese Krokodile an. [am Strassenrand stehen Frauen um ein Lagerfeuer.]
Udo: Krokodile? Ich dachte, die seien ausgestorben in Lesotho.
Der Polizist: Diese Frauen da! Wir nennen sie Krokodile.
Udo: Warum denn?
Der Polizist: Unsere Fussballnationalmannschaft hat den Spitznamen „Krokodile“. Vor ein paar Jahren hatte sie – trotz ihrer Bezeichnung – eine lange Niederlagenserie. Diese Frauen werden auch jeden Tag aufs Neue gefressen. Deshalb nennen wir sie Krokodile.
Udo: Das gibt es auch in der Schweiz. Aber ist AIDS nicht ein grosses Problem in Lesotho?
Der Polizist: AIDS war tatsächlich ein grosses Problem hier. Aber nun halten wir die Zahlen absichtlich hoch, damit wir mehr Finanzhilfe aus dem Ausland erhalten.
Udo: Und dürfen wir ihnen für ihre Dienstleistung auch etwas Finanzhilfe anbieten?
Wir geben dem Polizisten, der im Monat 2200 Rand – ein wenig mehr als 300 Franken – verdient ein Trinkgeld und fahren zurück ins Tiefland in die Hauptstadt Maseru.

Ach ja, fast hätte ich das Wichtigste vergessen! Am Vormittag waren wir noch auf der Skipiste gestanden. Kein Wunder, wird Lesotho „die Schweiz Afrikas“ genannt.

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