Wer auf dem portugiesischen Madeira weilt, sollte sich auf keinen Fall eine Wanderung entlang der Levadas entgehen lassen. Diese Bewässerungskanäle sind zum Teil über 600 Jahre alt und führen durch dichten Wald, besiedeltes Kulturland und über unberührte Hügelkuppen.

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Wir sitzen auf der Terrasse des Hotels und lassen uns das Frühstück schmecken. Die wenigen Schleierwolken können unsere Stimmung nicht trüben. Wir sind voller Tatendrang und besprechen die Pläne für den heutigen Tag. Eine Wanderung in den Bergen? Den Tag einfach am Pool verbringen? Ein Museumsbesuch? Doch die Würfel sind schnell gefallen: Wir entscheiden uns für eine Levadawanderung.

Die ersten so genannten Levadas wurden bereits im 15. Jahrhundert angelegt, um das Wasser der regenreichen Inselmitte an die trockenen Küsten zu leiten und so die Zuckerrohrplantagen gedeihen zu lassen. Um ein gleichmässiges Gefälle zu erreichen, wurden diese Kanäle in teilweise Schwindel erregende Steinwände geschlagen, Tunnels in Stein gesprengt und Schluchten mittels Brücken überwunden. Die Anlagen verfügen über insgesamt 2000 km Wanderwege.

Der Reiseführer warnt: „Levada-Wanderer sollten die Anforderungen ans Gelände auf keinen Fall unterschätzen!“ Schwindelfreiheit, Kondition und gute Ausrüstung (festes Schuhwerk, Taschenlampe und genügend Wasser) seien Voraussetzung für eine solche Wanderung. Ob soviel erhobenen Zeigefingers entscheiden wir uns für eine wenig anspruchsvolle Wanderung.

Wir schnüren unsere Wanderstiefel, packen Proviant und Wasser ein und machen uns mit dem Wagen auf den Weg nach Rabaçal. Je näher wir dem Ausgangspunkt der Wanderung kommen, desto kälter wird es. Die Temperaturanzeige unseres Autos zeigt kalte 19 Grad an. Die Wälder sind nebelverhangen, es nieselt aus den Wolken. Wir erklimmen die Paúl da Serra, eine Hochebene auf über 1300 m – nur noch 15 Grad. Zum Glück haben wir unsere Fleecejacken eingepackt.

Als wir den Parkplatz erreichen, sind wir plötzlich nicht mehr sicher, ob wir die Wanderung wagen wollen. Ist das Wetter schlecht, kann die Orientierung ganz schön schwierig sein. Wir bleiben einige Minuten unschlüssig sitzen. Doch dann lichtet sich der Nebel ein wenig, blaue Himmelfetzen erscheinen wie aus dem Nichts, einzelne Sonnenstrahlen brechen durch das Grau der Wolken. Wir schauen einander an und nicken: Auf gehts!

Mit Hilfe des Wanderführers finden wir ganz schnell den Einstieg zur Levada. Wir gehen hintereinander her, entgegen der Laufrichtung des Flusses. Wir geniessen einen grandiosen Ausblick auf tiefe Schluchten und dicht bewaldete Hügelkuppen. Schon bald erreichen wir ein Wasserrückhaltebecken, in dem sich hunderte Forellen befinden. Nun zwängt sich der Wasserkanal durch felsiges Gestein, einige abschüssige Stellen müssen gemeistert werden. Diese sind aber meist durch Geländer und Seile gesichert. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist der Weg rutschig und wir sind froh um unsere gut besohlten Wanderschuhe.

Vor unseren Augen ein verwirrender Dschungel aus Grün und Braun, zwischendurch lodern rote, violette, weisse Blumenblüten auf. Die Vegetation präsentiert sich so üppig, dicht und fein duftend! Wir marschieren weiter, bis wir einen Wasserfall hören. Und plötzlich sehen wir sie: Die sogenannte Himmelsleiter. Wie in einer Rutschbahn rauscht das Wasser an uns vorbei, wir nehmen die Stufen und steigen zu einem Bergrücken auf. Nach knapp einer Stunde Wanderzeit erreichen wir unser Ziel, den Forellenteich der Ribeira Grande. Glatt ausgeschliffen präsentieren sich die durch Wasserfälle miteinander verbundenen Wasserbecken. Wir machen es uns auf einem grossen Stein gemütlich und geniessen unser Picknick.

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Kommentare

  • Alka

    Hallo Claudia. Wann ist die beste Jahreszeit für Ferien in Madeira. Und kannst du uns ein Hotel empfehlen? Wir wandern sehr gerne und sind immer auf der Suche nach neuen Ausflugszielen (am liebsten in der Wärme). Ist diese Wanderung auch kindertauglich? Unsere Söhne sind 8 und 12 Jahre alt.

    28. Dezember 2007 at 10:16
  • Claudia

    Hallo ALKA

    Madeira ist wirklich ein Wanderparadies; es lohnt sich auf alle Fälle!
    Beste Reisezeit: ganzjährig recht ausgeglichenes Klima, Regen kann zu jeder Jahreszeit fallen (vor allem in den Bergen), für Wanderferien empfehlenswert April/Mai oder September/Oktober. Im Sommer kanns schon ziemlich heiss sein.
    Der Wanderführer von Rolf Goetz „Madeira“ der Reihe Rother Wanderführer ist nach Region und Schwierigkeitsgrad aufgeteilt; da lassen sich sicherlich kindertaugliche Wanderungen finden.
    Hotel: „Quinta da Bela Vista“ in Funchal (super schön gelegen, erhöht, feines Essen, jedoch recht teuer), „Estalagem da Ponta do Sol“ in Ponta do Sol (super Lage, sehr schöne Zimmer, Designhotel, nicht ganz günstig). Schau mal im Internet, da gibts ganz viele…

    Hoffe, mit dieser Antwort geholfen zu haben und wünsche wunderbare Ferien auf Madeira.

    28. Dezember 2007 at 13:34

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