Ich gehöre mit Sicherheit nicht zu den Menschen, die ihre Wohnung mit Souvenirs aus der ganzen Welt schmücken. Doch gibt es da so einige kleine Mitbringsel, an denen mein Herz sehr hängt oder sollte ich besser sagen: hing?

Traurig schaut der Pinguin auf das kaputte Schiff

(Foto: Stefanie Theil)

Da war die Weltkarte aus dem 15. Jahrhundert, die ich 1999 im Maritimen Museum in Lissabon gekauft habe, natürlich keine echte. Das Faszinierende an der Karte war, dass sie einige weisse Flecken aufwies, an den Stellen, an denen man die Welt zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt hatte. So fehlte beispielsweise ein grosser Teil der Südhalbkugel. Ich habe die Karte mit Klebestreifen an der Wand über meinem Bett befestigt, von dem aus ich sie mir oft sehnsuchtsvoll anschaute. Dort hing sie mehrere Jahre lang bis es vor ein paar Wochen „ratsch, ratsch“ machte. Mein kleiner Sohn hatte sie in zwei Teile zerrissen. Ratsch, ratsch und die Schnipsel wurden immer kleiner und die Weltkarte schliesslich ein Fall für den Papiermüll.

Dann gab es da noch das kleine Schilfboot, das ich in Copacabana am Titicacasee in Bolivien zum Dumpingpreis erstanden und anschliessend drei Wochen lang im Rucksack quer durch Südamerika geschleppt hatte. Nach meiner Rückkehr erhielt es einen wohlverdienten Platz in unserer Zürcher Wohnung. Lange fühlte es sich dort im sicheren Hafen, bis mein Sohn so gross war, dass er seine Hände nach ihm ausstrecken konnte. Geschickt zog er die Kaktusnadeln heraus, die das ganze Schiff zusammen hielten. Was übrig blieb, war ein einziges Wrack.

Zu guter Letzt hing an meinem Schlüsselbund bis gestern Vormittag ein kleiner, aus dunklem Holz geschnitzter Affe aus Tansania, den ich mir im Souvenirshop einer Kunstausstellung in Leipzig gekauft hatte. Doch auch er wurde arbeitslos, nämlich durch einen Looping aus dem Kinderwagen auf den steinernen Fussboden. Die Halterung brach ab und nun wird der Affe nie wieder die Schlüssel am Schlüsselbund bewachen können.

Ich habe lange überlegt, was das alles bedeuten könnte und mir kam nur eine Lösung in den Sinn: Eine neue Weltkarte muss her, ein neues Schilfboot und ein neuer Schlüsselbundaffe. Und wo gibt’s das alles? Klar, auf Reisen!

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