Der New Yorker ist einerseits ganz Amerikaner: Er liebt typisch amerikanisches Essen wie Hot Dogs, Burger, Fries, Pizza und Milkshakes. Die Auswahl an Dinern, wo klassisch amerikanisches Essen serviert wird, ist in New York immens. Ebenso wimmelt es von Pizzabuden mit den für New York bekannten Pizza Slices. Oder die ebenfalls berühmten fahrbaren Hot-Dog-Stände auf den Strassen, bei denen der gestresste New Yorker mittags rasch einen Hot Dog mit Sauerkraut holt und hastig auf dem Weg zurück ins Büro verschlingt.

Pizza in New York

(Fotos: Fabienne Hany)

Aber dann ist da das andere kulinarische New York, das sich deutlich von der üblichen Esskultur in Amerika unterscheidet. New York bietet so viel Auswahl an Köstlichem aus aller Welt, wie ich es noch in keiner anderen Stadt der Welt erlebt habe. Von Indisch bis Italienisch über Äthiopisch kriegt man hier alles, und auch an zahlreichen vegetarischen Restaurants mangelt es nicht. Ausserdem lebt und speist der New Yorker ziemlich gesund – vor allem gesünder, als es sicher die meisten Amerikaner tun. Zwar isst der durchschnittliche New Yorker, wie ich festgestellt habe, sehr gern und tut dies auch oft bei ausgiebigen Dinnern mit Freunden, vor allem spät abends. Doch ist dann mehrheitlich gesund und vielfältig, was auf den Teller kommt, da der New Yorker sehr auf sein Äusseres bedacht ist und neben dem guten Essen auch viel Sport treibt.

Z.B. sind mittags die Deli Shops und Salad Bars überfüllt, der Andrang nach grünem Gesunden ist gross. Deli Shops sind Lebensmittelläden, die man mit in der Schweiz grösseren Kiosken vergleichen kann, in denen aber meistens zusätzlich ein grosses Buffet mit hausgemachten Salaten und warmen Köstlichkeiten angeboten wird. An den Buffets schöpft man sich selbst, und an der Kasse, hinter der meist ausschliesslich ein netter Asiate, ein Inder oder eine lächelnde Frau aus Pakistan steht, zahlt man pro Pfund.

Gesundes beim Asiaten

In den Salad Bars – schlauchartige Schnellimbissrestaurants – steht hinter einer Theke ein ebenfalls lächelnder, aber wortkarger Angestellter mit der Schüssel in der einen und dem Schöpflöffel in der anderen Hand bereit, um aus dem vielfältigen Angebot gesunder Zutaten den gewünschten Salat zu mixen, dessen Preis sich aus der Anzahl der verschiedenen Gemüsesorten im Salat ergibt. Ausserdem findet man in New York viele „Health Stores“ („Reformhäuser“), die ultragesunde und biologische Lebensmittel verkaufen. (Wenn schon die Luft vom vielen Manhattaner Verkehr verschmutzt ist, soll wenigstens das, was auf den Teller kommt, sauber sein.)

Auf kulinarische Entdeckungsreise zu gehen, lohnt sich in New York also sehr. Und diese Reise kann lange dauern, da Manhattan wie auch die umliegenden Boroughs (Stadtteile wie Brooklyn, Queens, Bronx) eine hohe Restaurantdichte aufweisen. Wer einen richtig guten Burger will, dem empfehle ich ein Irish Pub (!), das „Pete’s Tavern“ in der Gramercy Park Area (eines meiner Lieblingslokale, wo ich bis jetzt den besten Hamburger gegessen habe – allerdings bin ich vermutlich nicht wirklich massgebend, was Hamburger anbelangt, weil ich in meiner Zeit in New York noch nicht viele davon gegessen habe). Das Ambiente im Pete’s Tavern ist heimelig irisch, mit ein bisschen italienischem Mafiaflair (der Chef und die ganze Crew ähneln sehr der Sippschaft aus „der Pate“), für mich ebenfalls ein sympathischer Pluspunkt.

Pete's Tavern

Grossartige Pancakes bekommt man im „Big Daddy’s Diner“ im Flatiron District zu einem guten Preis, obwohl das Diner ziemlich touristisch ist. Die Tortenstücke, die einen aus der Vitrine anlachen, sind ebenfalls unbeschreiblich gut und eine Sünde wert. Ebenfalls sehr zu empfehlen: das „Turkish Kitchen“ an der 3rd Avenue und 28. Street. Kann bei empfindlichen Menschen Blähungen verursachen, ist aber trotzdem einen Versuch wert.

Big Daddy's Diner

Bei New Yorks Restaurants gerate ich eindeutig ins Schwärmen. Um es etwas kürzer zu gestalten: schmökern im „Not for Tourist’s“, einem unkonventionellen Reiseführer, von drei New Yorkern geschrieben. Jedes Jahr erscheint eine neue Ausgabe und ist in vielen New Yorker Buchläden zu finden. Darin enthalten sind unheimlich viele gute Insidertipps für Kultur, Shopping und vor allem eben für den knurrenden Magen. Damit wird man auf jeden Fall zu den richtigen Orten geführt. Aber während Stadtspaziergängen selbst auf kulinarische Erkundungstour zu gehen, finde ich immer noch das Beste und Spannendste. Dabei wächst zwar der Hintern, dafür aber auch die Anzahl genussvoller Gaumenerfahrungen.

Tagged: Archive, Reisetipps & Insider, USA

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