Grundsätzlich teilt der Fluss Seine Paris in zwei Hälften: Die Rive Gauche und die Rive Droite. Mitten im Zentrum hat die Seine aber zwei kleine Inseln gebildet, die sich somit weder der einen noch der anderen Uferseite zuschreiben lassen: Auf ihnen hatte Paris seinen Ursprung. Mindestens einen halben Tag sollte man einplanen, um die Île de la Cité und die Île Saint-Louis bei einem gemütlichen Spaziergang zu erkunden. Sie gehören eindeutig zu meinen Lieblingsorten in Paris.

Beginnen kann man mit dem Gang über die Pont Neuf, der ältesten Pariser Brücke. Gleich an der westlichen Spitze der Île der la Cité liegt der Square du Vert Galant, eine kleine Parkanlage, in der man sich direkt am Wasser entspannen kann. Unterhalb der Pont Neuf starten auch Ausflugsboote der Vedettes du Pont-Neuf zu Seine-Rundfahrten: Diese dauern eine Stunde und kosten zwölf Euro. Das Boot fährt die Seine hinunter bis zum Eiffelturm, kehrt dort um und fährt dann hoch bis zur Spitze der Île St- Louis. Leider sieht man dadurch zwangsläufig Teile der Strecke doppelt, trotzdem ist die Fahrt ganz angenehm.(Fotos zur Vergrösserung bitte anklicken!)

Vom Square du Vert Galant spaziert man in das Innere der Insel hinein, vorbei am Marché aux Fleurs auf der Place Louis Lépine, einem Blumen- und Vogelmarkt, und gelangt bald zur Hauptattraktion der Île de la Cité: der Kirche Notre Dame. Diese gehört zu den bedeutendsten gotischen Kathedralen Frankreichs und wurde 1163 begonnen und 150 Jahre später beendet. Von ihren Türmen erstreckt sich eine wunderschöne Aussicht über die Seine-Inseln und das Ufer. Dafür braucht man aber Zeit und eine einigermassen intakte Fitness: An der linken Seite von Notre Dame ist der Eingang zu den Türmen, vor dem ich über eine Stunde anstehen muss. Langweilig ist das jedoch nicht: Ein Strassenclown bringt die ganze Schlange immer wieder zum Lachen, indem er direkt vor uns die Passanten nachäfft.

Der Eintritt zu den Türmen kostet mich schliesslich acht Euro, ist aber (wie viele Attraktionen in Paris) für unter 18-Jährige sowie für unter 26-jährige EU-Bürger gratis. Der Aufstieg schliesslich ist mühsam: 400 Treppen im engen Kreis im Halbdunkel ohne Fenster bringen nicht nur mich an den Rand der Verzweiflung! Der Blick von den beiden – mit dämonischen Wasserspeiern gesäumten – Plattformen ist die Anstrengung, wie gesagt, jede Mühe wert. Das Ticket für den Turm beinhaltet übrigens nicht die Besichtigung des Kircheninneren. Dafür muss man sich in die Schlange am Vordereingang der Kirche einreihen. Da der Eintritt dort aber gratis ist, steht man kaum länger als ein paar Minuten an, auch wenn die Schlange 50 Meter lang ist.

Weiter geht der Spaziergang über die Seine-Inseln durch einen kleinen Park auf der rechten Seite von Notre Dame. Von dort gelangt man zur östlichen Spitze der Île der la Cité und damit zur Pont St. Louis, die auf die Île St. Louis führt. Diese ist viel dörflicher als die fast doppelt so grosse Île der la Cité und weit weniger überlaufen. Gleich zu Beginn hat es einige gemütliche Brasserien, vor denen man die Sicht auf die Seine und den Chor von Notre-Dame geniessen kann. Berühmt ist die Eisdiele Berthilon. Es heisst, die 40 Sorten Eis wechseln täglich. Ich belausche höre eine deutsche Familie, die gerade davon schwärmt, dass das Eis „genau wie die Marmelade schmeckt, die Oma früher gemacht hat“. Klingt vielversprechend!

Die Rue Saint-Louis-en-Île, die ruhige Hauptstrasse der Insel, ist gesäumt von kleinen Läden (die auch sonntags geöffnet sind) mit lokalen Spezialitäten wie Crêpes, Käse, Gewürzen, Bonbons (im La Cure Gourmande)  oder buntem Kleinkram wie Modeschmuck, Küchenutensilien (Pylones) und Papeterie-Bedarf. Links und rechts der Strasse laden wiederum die Quais zum Sonnenbaden ein.

Alle Fotos: Andrea Schmits

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