Während meinem Sprachaufenthalt in Paris wohnte ich nicht nur im Quartier St. Germain, ich ging dort auch zur Schule. Perfekt, denn so hatte ich viel Gelegenheit, das Quartier ausgiebig zu erkunden.

Das Quartier liegt zwischen Quartier Latin, der Seine und der Gegend um den Invalidendom. Es gilt als das literarische und intellektuelle Viertel von Paris: Wie auch im Quartier Latin hat es hier viele Buchhandlungen, Antiquariate und Galerien. Einen Spaziergang beginnt man am besten auf der Pont des Arts, die über die Seine führt. Von hier hat man auch einen sehr schönen Blick auf die Spitze der Seine-Insel Île de la Cité. Dem Quai der Seine entlang hat es immer wieder Stände mit alten Büchern, Bildern und Postkarten. Diese werden nach Ladenschluss einfach wieder in grüne Kisten verstaut, die an der Mauer befestigt sind.


Schmökern entlang der Seine.

Am Fusse der Brücke markiert das Institut de France mit seiner glänzenden Kuppel den Eingang zum St. Germain-Quartier. Im Institut de France kümmern sich auf Lebenszeit gewählte Mitglieder um die Erhaltung und Reinheit der französischen Sprache. Das beinhaltet auch die Herausgabe des offiziellen Wörterbuchs.



Das prächtige Institut de France.

Ein Tipp für Fans des Bestsellers „The Da Vinci Code“: Geht man rechts (mit der Seine im Rücken) des Instituts durch einen kleinen Durchgang zur dahinterliegenden Rue de Seine, findet man im Boden eine von insgesamt 135 Arago-Plaketten, von denen mittlerweile aber viele gestohlen wurden.


Eine der Arago-Plaketten.

Die Plaketten verweisen auf den Paris-Meridian, der vor der weltweiten Anerkennung des Greenwich-Meridian 1884 als Nullmeridian galt. Im Buch führt diese Linie, auch Rosenlinie genannt, zum Grab Maria Magdalenas.

In den Gassen hinter dem Institut de France können Kunst- und Literaturinteressierte Stunden verbringen. Hier empfiehlt es sich, zwischen Boulevard St. Germain und Boulevard St. Michel (der Grenze zum Quartier Latin) einfach kreuz und quer herumzustreifen. Man entdeckt immer wieder neue Ecken, an denen man noch nicht war. Besonders gut gefällt mir die Rue St. André des Arts: Hier hat es einige kleine Läden mit buntem Kleinkram und Papeterien mit schönen Bildern von Paris. Es hat auch einige Essstände und Restaurants. Gut geschmeckt hat es mir im Maoz, einem vegetarischen, libanesischen Take Away.


Immer was zu gucken, kleine Läden überall.

Viel zu bieten hat ausserdem die Gegend um die Rue Mazarine, Rue Dauphine, Rue de Buci und Rue de l’Ancienne Comédie. In letzterer steht das „Café Procope“, das älteste Kaffeehaus von Paris. Es besteht seit 1686 und hiess schon Gäste wie Molière, Voltaire, Danton und Napoléon willkommen. Dahinter versteckt sich übrigens eine kleine Passage mit Kopfsteinplaster und ein paar Restaurants.


Das Traditions-Kaffeehaus „Café Procope“.

Die engen Gassen des Quartiers werden zweigeteilt durch den Boulevard St. Germain. Zwischen Boulevard St. Michel und Odéon hat es einige Läden grosser Ketten sowie Kinos, vor denen die Menschen abends Schlange stehen. In Richtung Westen werden die Läden exklusiver und teurer. Am meisten los ist rund um das Odéon und um die Basilika Saint-Germain-des Prés. Dort befinden sich auch zwei legendäre Brasserien: das „Café de Flore“ und das „Café Les Deux Magots“. Hier verkehrten Picasso, Antoine de Saint-Exupéry, Albert Camus, Jean-Paul Sartre und viele mehr. Das „Café de Flore“ zumindest sieht allerdings nicht anders aus als andere Brasserien auch. Die Berühmtheit sieht man dafür an den Preisen: Der Espresso kostet mit 4.10 Euro rund doppelt so viel wie anderswo.

Südlich des Boulevard St. Germain liegt die Kirche St. Sulpice – wieder ein Ort, der insbesondere durch den „Da Vinci Code“ bekannt wurde. Auch durch sie führt die Rosenlinie in exakter Nord-Süd-Ausrichtung. Noch weiter südlich liegt der Jardin du Luxembourg, den ich in diesem Teil dieser Serie bereits beschrieben habe.

Ebenfalls am Rande des Quartiers, ausserhalb des Trubels, liegt das Musée d’Orsay direkt an der Seine. Hier sind Kunstwerke aus der Epoche von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg ausgestellt.

Wer gerne Markenkleider trägt, ist im Luxuskaufhaus „Bon Marché“ an der Rue Babylone richtig. Auch in den Strassen zwischen St. Sulpice und dem Boulevard Raspail haben sich zahlreiche Modemacher niedergelassen.


Luxus-Shopping im „Bon Marché“. Alle Fotos: Andrea Schmits

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