Phnom Penh, Kambodschas Hauptstadt, ist sowohl alt wie neu, chaotisch wie überschaubar, arm wie reich und staubig wie glänzend. Man könnte sich an einen Strassenrand setzen und mit geöffnetem Mund dem Geschehen zuschauen – ohne dass es einem auch nur eine Sekunde langweilig würde.

Ich traue mich gar nicht, aus dem Bus zu schauen. Unzählige Tuk-Tuk-Fahrer warten darauf, dass sie Touristen zum gewünschten Hostel fahren können. Hat man erst mal Blickkontakt, ist der Vertrag sozusagen besiegelt. Natürlich ist das gewünschte Hostel zunächst entweder zu weit weg oder abgerissen, da der Fahrer ja Provision kriegt, wenn er Touristen in die Unterkunft bringt, von der er sein Benzin bezahlt kriegt. Wenn man jedoch lange genug insistiert, wird man dann murrend zu dem Hostel gefahren, zu dem man will – das erstaunlicherweise noch steht und auch oftmals genau so gut ist, wie im Reiseführer beschrieben.

Sogleich mache ich mich mit einem Fahrer auf den Weg zu den Killing Fields in Choeung Ek, wo einst 17’000 Menschen exekutiert wurden.

Gedenken an den Massenmord. Foto: Gabriela Rolli
Gedenken an den Massenmord. Foto: Gabriela Rolli

Die Killing Fields gelten als ein Symbol für den Massenmord der Roten Khmer an der eigenen Bevölkerung in der Zeit von 1975 bis 1979. Besonders einprägend dabei, sind die Bilder tausender Totenschädel und anderer menschlicher Überreste, welche die Felder Kambodschas übersäten.

Nach dieser schweren Kost lasse ich mich zum Mekong fahren und laufe etwas am Ufer entlang, bis ich zum Königspalast komme. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude. Seit der Rückkehr des Königs Sihanouk ist die königliche Residenz von Kambdoscha jedoch nicht mehr für Besucher zugänglich.

In der Nähe des Palasts befindet sich das Kinderspital von Beat Richner. Von den jüngeren Reisenden wünscht sich der Arzt aus Zürich, dass sie Blut spenden, von den älteren Reisenden ist er dankbar für jede Geldspende. In allen seinen Spitälern werden die Kinder kostenlos versorgt. 90 Prozent der betroffenen Familien können nichts bezahlen, und vielen müssen sogar die Reisekosten vergütet werden. Die Finanzierung der Spitäler erfolgt mehrheitlich durch private Spenden aus der Schweiz, häufig im Anschluss an einen Auftritt von „Beatocello“.

Im Frühsommer regnet es praktisch jeden Nachmittag in Strömen, so auch jetzt. In Sekundenschnelle stehe ich kniehoch im Wasser, während ich mich auf weitere Erkundungstouren begebe und auf ein gutes Restaurant zu stossen hoffe. Dies ist auch tatsächlich nicht weit, und so verweile ich im TTrockenen und sehe wieder dem spannenden Treiben draussen auf der Strasse zu.

Phnom Penh nach dem Regen. Foto: Gabriela Rolli
Phnom Penh nach dem Regen. Foto: Gabriela Rolli

Tagged: Archive, Kambodscha, Reisetipps & Insider

Kommentare

  • Michael Turzynski

    Ich habe bereits Ausschwitz, Yad Vashem und die Gedenkstätte des armenischen Genozids in Yerewan besichtigt, bevor in in Kambodscha war. Obwohl von den vier Stätten am wenigsten ausgestattet, hat diese auf mich den nachhaltigsten Eindruck gemacht. Ich denke, das lag an mhreren Pubkten.

    Zum einen die Tatsache, daß es sich um einen Autogenozid handelte, was das Ganze noch unvollstellbarer macht.
    Zum anderen, der kurze zeitliche Abstand. Ich war bereits eingeschult, als in Kambodscha der Massenmord stattfand.
    Der dritte Punkt waren die ausgestellten authentischen Schädel.

    Unglaublich grausig zu welchen „Höchstleistungen“ ein ausßer Kontrolle geratener Staatsterrorismus fähig ist.

    29. Juni 2009 at 13:30

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