Da uns vom vielen Baden und Sonnenliegen langweilig ist, suchen wir nach Ausflugszielen. Unterdessen ist die Hitze so drückend, dass wir uns momentan nur in Zeitlupe bewegen. Ein Blick in den Reiseführer verrät uns, dass „der Glanzpunkt der Algarve“ direkt bei Lagos liegt: Die Ponte da Piedade. Also pilgern wir los und sind froh, dass wir uns das nicht entgehen lassen haben. Lagos‘ südliche Landspitze ist rauh, wild und grottenzerfurcht. Freilebende Eidechsen und sogar ein Leguan huschen über die trockenen Wege, und die immer präsenten Möwen schreien sich die Stimmbänder wund.

Der Ausblick über die Klippen ist traumhaft. Doch eine noch spannendere Perspektive bietet eine Bootsfahrt in die Grotten, die wir für zehn Euro gleich vor Ort buchen. Während einer halben Stunde erkunden mit einem kleinen Boot und einem exzentrischen Kapitän die Höhlen und Felsen mit ihren bizarren Formen. Ein Fels hat die Form eines Totenkopfs („mein Bruder“, sagt der Kapitän), ein anderer sieht aus wie eine Hexe („meine Schwester“), ein dritter Fels sieht aus wie ein Kamel („mein Cousin“). Ausserdem passieren wir Felsen in Form der Titanic, einer Hochzeitstorte, eines Elefanten und Helmut Kohls (tatsächlich!). Übrigens: Wer es gern sportlicher mag, kann auch mit dem Kajak durch die Grotten rudern. Einige versteckte Buchten laden zudem zum Sonnen und Baden in der Lagune ein.

Die Mission meines Freundes, jeden Surfshop im Umkreis von Lagos zu finden, führt uns später am Tag zudem nach Portimão, eine kleine Küstenstadt etwa 20 Kilometer östlich von Lagos. Nach einem Umweg über ein langweiliges Einkaufszentrum landen wir schliesslich am schönen Hafen mit der angrenzenden Altstadt. Diese ist etwas grösser als die von Lagos und bietet, was Shopping angeht, mehr: Auch internationale Marken wie Mango und Esprit sind hier vertreten. Laut Reiseführer ist Portimão ausserdem – wie auch Lagos und Albufeira – als Party-Ort der Algarve bekannt.

Ein weiterer Ort, den es sich im Umkreis von Lagos zu entdecken lohnt, ist das Cabo de São Vicente, Europas südwestlichster Punkt. Neben dem Leuchtturm ist die Imbissbude „Letzte Bratwurst vor Amerika“ das mobile Wahrzeichen des Kap. Wildromantisch und rauh soll auch die Costa Vicentina sein, die als Parque Natural do sudoeste Alentejano e Costa Vicentina unter Naturschutz steht. Beeindruckend hört sich auch die alljährliche Sandskulptur-Ausstellung Fiesa an. Sie liegt zwischen Lagos und Albufeira und dauert in diesem Jahr noch bis zum 22. Oktober. Etwa eineinhalb Autostunden von Lagos entfernt liegt Faro, die grösste Stadt der Algarve.

An- und Rückreise Lissabon – Lagos:
Nachdem wir vom Lissaboner Bahnhof Rossio zum Bahnhof Santo Apolonia und von dort zum Bahnhof Oriente geschickt wurden, sitzen wir endlich im Zug Richtung Algarve. Die Reise ist beschwerlich: 3.5 Stunden bis Tunes und 1.5 Stunden nach Lagos in unklimatisierten Zügen bei gefühlten 45 Grad. Dafür ist die Fahrt billig: nur 19.85 Euro kostet der Spass. Auch die Aussicht aus dem Zugfenster vermag über die Hitze und unbequemen Sitze hinwegtrösten: Kilometerweit erstreckt sich die Landschaft des Alentejo mit ihren Tannen- und Olivenbäumen in sandiger, roter Erde. Für die Rückfahrt nach Lissabon sehen wir uns aber dennoch nach Alternativen um: Wir entscheiden uns für den Bus für 19 Euro. Die Fahrt in dem modernen Car dauert vier Stunden und ist sehr angenehm.

Natürlich kann man auch direkt an die Algarve fliegen, ohne Abstecher nach Lissabon. Der Flughafen ist in Faro.

Alle Fotos: Andrea Schmits

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