Manchmal kann dieselbe Reiseerfahrung um 180 Grad verschieden sein. Ob es daran liegt, dass Udo von Siem Reap nach Bangkok unterwegs war und nicht umgekehrt? Mit Entsetzen stellte Udo fest, dass unter dem Titel „Abzocker lauern überall – Von Thailand nach Kambodscha“ nicht nur bereits darüber geschrieben worden, sondern diese auch 180 Grad anders ausgefallen ist, als Udo sie erlebte.

Bangkok / Tuk Tuk

(Foto: Keystone EPA / Uthaiwan Boonloy)

Beginnen wir von vorn. Udo landet in Siem Reap. Das Visum kostet 20 Dollar. Dazu hebt Udo an einer ATM mit seiner ausländischen Karte Dollars ab. Draussen vor dem Flughafen steht der Taxivermittlerstand. Alle Touristen mit „vernünftigen“ Hotels werden von den jeweiligen Fahrern persönlich am Flughafen abgeholt, auf dass ihnen erspart bleibe, was den Rucksackreisenden blüht: das Spiessrutenlaufen ans unbekannte Ziel. Und hier beginnt das Paradox. Während konventionelle Touristen (im Vergleich zum lokalen Niveau) ein Vermögen ausgeben, um ohne unnötige Intermezzi an ihr Ziel zu gelangen, ärgern sich Rucksacktouristen oft grün und blau über jeden einzelnen Dollar, um den sie „betrogen“ werden. Und fahren dabei trotzdem immer noch x-fach günstiger als ihre bequemeren Pendants.

Ein Taxi in die Stadt kostet 6 Dollars. Der Junge am Schalter rät ab, schliesslich betrage dieselbe Strecke per Motorrad bloss 2 Dollars pro Person. Und der Rucksack? Ach, der hat zwischen den Beinen des Motorradfahrers Platz. Und was meint der Fahrer? Nein, das Hotel im Reiseführer sei nicht gut, nicht zentral und voller JapanerInnen. Man besteht darauf, es trotzdem zu sehen. Nichts Besonderes und keine Ahnung, ob wirklich zentral oder nicht, schliesslich war man ja noch nie in der Stadt. Also vertraut man den Fahrern. Auf zum nächsten Hotel. Gleicher Preis, ähnliche Qualität. Nach dem vierten Hotel schliesslich will man weder den Fahrern noch sich ein weiteres Hotel zumuten und akzeptiert es, da die Zimmer schmuck aussehen, es zentral gelegen (man hat ja in der Zwischenzeit einiges gesehen auf dem Weg) und günstig ist. Ob die Fahrer Provision kriegen? Sollen sie doch.

Fahrer verabschieden ist nicht einfach. So gehe das nicht. Schliesslich gebe es in und um Siem Reap – welche Überraschung! – so berühmte Sehenswürdigkeiten wie Angkor Wat oder den den See Tonle Sap und um dahin zu gelangen brauche man Fahrer und das seien sie. Udo debattiert mit seiner Begleiterin: Taxi, Tuk-Tuk, Bus, Fahr- oder Motorrad? Man ergibt sich seinem Schicksal und willigt ein (USD 40 pro Fahrer für drei Tage), ohne zu Wissen, wie gerechtfertigt der Betrag ist.

Schnell stellen Udo und Begleiterin verwundert fest, dass Kambodscha teurer als Thailand ist. Doch Motorräder scheinen unter den Touristen nicht besonders beliebt zu sein. Hat man die Niete gezogen? Schliesslich stellt sich heraus, dass es kein schnelleres und wendigeres Verkehrsmittel gibt. Reisetechnischer Zufall.

Nun, es ist unvermeidlich, dass man sich in drei Tagen ein wenig kennenlernt und austauscht. Da wäre es dem Geschäft abträglich, wenn man die Kunden zu oft übers Ohr haut. Die Fahrer erklären, wie das System am Flughafen funktioniert. Dass man Mitglied in einem Verein sein müsse. Das sei zwar nicht teuer, doch dürfe man trotzdem nur an gewissen Tagen pro Woche am Flughafen auf Gäste warten. Das Matching funktioniere dann nach dem Losprinzip. Das Geschäft sei seit der Einführung der Tuk-Tuks eher rückläufig. Die Motorräder habe man mit einem Kleinkredit finanziert. Die Wohnungsmiete für eine Familienwohnung koste 40 Dollars etc. Manchmal setzt man sich selber durch, manchmal lässt man die Fahrer entscheiden. Nach drei Tagen ist der Spass vorbei.

Die Fahrt per Taxi an die Grenze nach Poipet kostet bis 10 Uhr USD 35. Danach 40 Dollars, weil es schwieriger werde, Gäste für eine Rückfahrt zu finden. Wir werden pünktlich um 7 Uhr abgeholt. Die Fahrt ähnelt einem Slalomlauf, dauert aber nur zweieinhalb Stunden. Anzahl überholte Fahrzeuge: Nach 1000 wird die Statistik fallengelassen – selbst wird man nie.

Schliesslich zu Fuss über die Grenze nach Aranyaprathet und wer will, geht vor der unkomplizierten Weiterreise auf dem Markt noch auf Schnäppchenjagd nach den besten Kleidungsstücken, die einmal Teil einer internationale Hilfslieferung nach Kambodscha waren. Eigentlich läuft es so: Die Ware wird an der Grenze professionell sortiert und das beste Material nach Bangkok geliefert, wo es dann in den schicken Secondhand Shops verkauft wird.

Tagged: Archive, Reisetipps & Insider, Thailand

Kommentare

  • Brigitte

    Ein interessanter Artikel, Udo, 40$ fuer drei Tage, tatsaechlich gerechtfertigt! Haben wir nicht das Wertgefuehl fuer Ware/Service verloren? Muss denn in diesen Laendern alles gratis sein? Was ist billig/teuer? Sind wir nicht selbst Abzocker, wir Preisdruecker????

    7. Februar 2009 at 02:46
  • Mike

    Liebe Brigitte

    Natürlich sind wir Abzocker! Alles wollen wir billiger haben (insbesondere Leistungen vom Staat), und wenn wir im Ausland mal mehr bezahlen müssen, ärgert das uns sehr (ausser natürlich in London und den anderen nordischen Ländern, die ja „total überrissen sind“) 🙂

    Es ist schon fraglich, weshalb wir für alles immer weniger bezahlen wollen – das Produkt/die Dienstleistung verliert so – m.E. – an Wert. Wir sind eine derart krasse (fast perverse) Konsumgesellschaft geworden, dass man sich nur an den Kopf langen kann.

    Muss denn alles günstig sein? Ich meine, denken wir doch mal zurück, als sich nicht jeder das Flugzeug leisten konnte…das ist doch einfach normal, dass man sich nicht alles leisten kann…nun möchte aber jeder einen A3, ein Mobile, ein Notebook, iPod, iPhone, auf die Malediven reisen etc…

    Das ist doch nicht mehr normal!

    11. Februar 2009 at 15:43
  • Andreas

    Du hast im Grunde Recht Mike, aber die Gesellschaft hat sich halt dahingehend entwickelt, dass das einzig erstrebenswerte im Leben
    a) materieller Wohlstand und
    b) die Erfüllung der materiellen Bedürfnisse
    ist.

    Bei den Reisen wiederum habe ich eine ein wenig schizofrene Haltung:
    Einerseits finde ich es nicht gut, dass z.B. der Flug nach Sydney so billig ist im Vergleich zu anderen Produkten, anderseits schätze ich es sehr, dass nicht nur Reiche in den Genuss solcher Reisen kommen…

    Aber wie du es ja gesagt hast: Eigentlich sollten sich nicht alle alles leisten können (wohin wir nun schliesslich ja hindriften) – man darf sich mal auch etwas nicht leisten können, wäre mein Lebensmotto 🙂

    12. Februar 2009 at 11:09

Schreibe einen Kommentar

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>
*