Sansibar – ein Name wie aus einem Märchen. Der Gewürzhandel machte die kleine Insel reich und bedeutend. Was Pfeffer und Freddie Mercury gemeinsam haben…

Früchte auf Sansibar

Wer Sansibar hört, denkt an 1001 Nacht, Sindbad den Seefahrer, schöne Prinzessinnen und sündhaft teuer dekorierte Paläste. Doch noch berühmter als durch orientalische Märchen wurde die Insel durch ihre Gewürze und exotischen Früchte und dem damit verbundenen Handel. Wer glaubt, der Pfeffer käme aus dem Pfefferland, irrt und sollte unbedingt an einer so genannten „Spice Tour“ teilnehmen. Der ganztägige Ausflug führt von Plantage zu Plantage, von Bauer zu Bauer. Gut ausgebildete und erfahrene Reiseführer erläutern die kulturelle und kulinarische Bedeutung der Früchte, Blätter, Rinden, Blüten und Knospen. Und natürlich kann auch gekostet werden: Litschi, Rambutan, Mangosteen, Durian, Kokosnuss, Bananen, Nelken, Pfeffer, Vanille, Muskatnuss, Ingwer. Alle Sinne werden ausgereizt – die prächtigen, satten Farben irritieren den Sehsinn, die Gewürze den Geschmacksinn, die stachelige Rambutan den Tastsinn, die betörenden Düfte den Geruchsinn. Aufmerksam hören wir zu, als unser Guide Mister Hugo zu erzählen beginnt.

„Der Nelkenbaum hat das Landschaftsbild Sansibars stark verändert. Er wird 10 bis 15 Meter hoch und erreicht ein Alter von 150 Jahren. Ursprünglich stammt die Gewürznelke Coryophyllus aromaticus von den Molukken, aber in Sansibar wurde sie um 1820 aus Mauritius eingeführt. Die Nelken selbst sind die ungeöffneten Blütenknospen, die alle fünf Monate in grünem Zustand gepflückt werden. Sie werden dann ausgebreitet und etwa fünf Tage lang getrocknet. In ertragreichen Jahren mussten die Nelken aus Platzmangel auch schon auf Fussballfeldern ausgelegt werden. Ein Grossteil der Nelken wird zur Öl weiterverarbeitet, das bei der Herstellung von Medikamenten, Parfümen und Seife zum Einsatz kommt. Wegen eines Orkans 1870, der beinahe den gesamten Nelkenbaumbestand zerstörte, hat der Export heute an Bedeutung verloren.“

Mister Hugo kommt in Fahrt, erzählt uns, woher der Pfeffer wirklich kommt, was es mit dem roten, grünen, schwarzen, weissen Pfeffer auf sich hat. Wir lauschen gebannt seinen Ausführungen. Er fuchtelt mit den Armen, zeigt uns Pfeffersträuche, wir halten uns die Schoten an Nase und Zunge, die kleinen Dinger sind selbst in frischem Zustand ziemlich scharf. Selbstverständlich dürfen in seinen Ausschweifungen die Vanille und der Ingwer nicht fehlen. Uns ist ganz schwindlig ob soviel Flora – wir geben uns einfach den Düften und Gerüchen Sansibars hin und lassen die Durian Durian sein.

Und schliesslich erzählt uns Mister Hugo noch von Freddie Mercury, dem 1991 verstorbenen Sänger der britischen Rockband „Queen“. Er stamme aus Sansibar, sei in Stone Town 1946 als Faroukh Bulsara auf die Welt gekommen, seine Eltern wären Parsen indischer Abstammung gewesen und der Vater Angestellter der britischen Verwaltung. Mit geschwellter Brust und stolzer Stimme erzählt er über das Leben Mercurys und schwärmt von seinem Landsmann in den höchsten Tönen. Und – er spricht ohne Unterbrechung weiter – seine Agentur hätte noch einen Ausflug in das Jozani Forest Reserve anzubieten, man könne fünfzig verschiedene Schmetterlingsarten sehen, kleine Wassertiere, Waldschweine, Baumschläfer, Mungos. Die Hauptattraktion im dichten, tropenartigen Dschungel sei der Colobus badium kirkii (er wisse nicht genau, wie der auf Deutsch übersetzt wird). Wir konsultieren unseren Reiseführer. Aha, der Rote Stummelaffe. Eine auf Sansibar einheimische Art und vom Aussterben bedroht. Und weil uns Mister Hugo so richtig ans Herz gewachsen ist, buchen wir diesen Ausflug gleich auch noch. Und erleben erneut ein atemberaubendes Kaleidoskop an Fauna und Flora.

Tagged: Archive, Reisetipps & Insider, Tansania

Kommentare

  • Ralf

    Eindrücklicher Bericht.
    Wenn ich Sansibar höre, denke ich an „Sansibar oder der letzte Grund“, dem traurig, schönen Roman von Alfred Andersch.

    Erlaube mir aus Wiki zu zitieren:
    Der Titel „Sansibar oder der letzte Grund“, der in nicht geringem Maße den Erfolg des Buches mitbegründete und sprichwörtlich wurde, bezieht sich auf einen Tagtraum des Jungen, in dem Sansibar jedoch weniger ein konkretes Ziel ist, als vielmehr der utopische Ort einer besseren Zukunft.

    9. Januar 2008 at 09:15

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