In der Schweiz haben wir das Januarloch, in Singapur gibt dieses auch. Doch ist es eher eine Verschnaufpause als ein Neujahrskater. Während man in Europa und Amerika langsam im 2011 angekommen ist und die Wirtschaft wieder anläuft, steht hier schon wieder der nächste grosse Anlass vor der Tür: Chinesisch Neujahr. Ähnlich wie während des Weihnachtsverkaufs vor ein paar Wochen stürmen die shopping-verrückten Singapurer wieder in die Läden für Neujahrsgeschenke. Doch warum feiert man hier beides, einen buddhistischen und einen christlichen Feiertag?

Vier Religionen, ein Festtagskalender


Chinesisch Neujahr in Singapur. Foto: beggs / CC 2.0 Lizenz.

Der kleine Stadtstaat Singapur mit seinen bald fünf Millionen Einwohnern ist ein kultureller Schmelztiegel. Geografisch liegt das Land am Äquator mitten zwischen Malaysia und Indonesien. Obwohl es mehrere Flugstunden von China entfernt ist, dominieren mit mehr als 78 Prozent Chinesisch-Abstämmige das Land. So überrascht auch nicht, dass fast die Hälfte der Bevölkerung buddhistischen Glaubens ist.


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Doch auch der Islam, das Christentum und der Hinduismus haben einen grossen Einfluss auf das kleine Land. Als Singapur noch eine britische Kolonie war, kam es häufig zu Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Bis heute wird sehr stark daran gearbeitet und viel Wert auf ein friedliches Zusammenleben gelegt. Wie das ganze in der Praxis aussieht, zeigt dieser Wikipedia-Abschnitt ganz schön. Neben der beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte ist dies definitiv eine weitere grosse Errungenschaften in diesem Staat.

Dazu gehört auch der offizielle Feiertagskalender. Jede der vier Hauptreligionen feiert ihre grössten Feiertage im Jahr als staatlichen Freitag. Während meine Kollegen in der Schweiz also an Pfingsten blau machen, arbeite ich dafür nicht an Deepavali (Hinduismus) oder Hari Raya Puasa am Ende des Ramadan (Islam).


Deepavali in Singapore. Foto: David Sifry / CC 2.0 Lizenz.

Es ist nicht so, dass alle Singapurer auch an den religiösen Zeremonien teilnehmen. Am Lichterfest Deepavali pilgern dennoch viele Chinesen in den Stadtteil Little India, um die schönen Lichtinstallationen zu besichtigen. Ähnliches gilt für das Chinesische Neujahr in Chinatown oder die Weihnachtsdekoration an der Orchard Road. Der Grund, wieso sowohl Weihnachten als auch Chinesisch Neujahr eine grosse Bedeutung in Singapur haben, ist einfach: Einerseits ist Weihnachten wie an vielen Orten auf der Welt zum Trend geworden; ein Marketingschachzug für die Shoppingzentren. Gleichzeitig sind rund 15 Prozent der Singapurer christlichen Glaubens (meist Chinesen). Dass diese zusammen mit den Buddhisten im Land Chinesisch Neujahr feiern rührt laut meiner Kollegen in der Traditionen der Familien, an diesen Tagen den Zusammenhalt innerhalb der Verwandtschaft zu pflegen. Nach Weihnachten heisst es dann noch einmal: viel essen, viel Besuch und viel Stress.

Die kulturelle und religiöse Vielfalt ist definitiv eines der spannendsten Elemente in Singapur. Und so überrascht mich Singapur immer wieder mit neuen kulturellen Entdeckungen, wie gerade letzte Woche, als Thaipusam gefeiert wurde.

Tagged: Archive, Reisetipps & Insider, Singapur

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