Über Südafrika haben wir bei im Vorfeld der Fussball-WM schon ausführlich berichtet. Doch im östlichen Teil des Landes befinden sich zwei unscheinbare Kleinstaaten, die beide „Die Schweiz Afrikas“ genannt werden. Genauer genommen, machen sich etwa zehn afrikanische Staaten den Titel streitig – mehr als an der WM teilnehmen dürfen.

Wenn man im Denner früher WC-Papier einkaufte, klebte an der Verpackung jeweils ein kleiner Umschlag mit Münzen aus aller Welt. Einmal hatte es auch eine quadratisches Exemplar mit abgerundeten Ecken aus Kupfer darin. Nicht schlecht musste ich staunen, als ich versuchte, den Namen des Landes zu entziffern: Switzerland – ein neues Zweirappenstück! Oder war das auf der Kopfseite etwa doch kein Appenzeller Kopfschmuck? Mein Vater nahm schliesslich den Globus zur Hand und zeigte mir darauf das kleine fast vollständig von Südafrika umgebene Swasiland, das auf Englisch so ähnlich wie die Schweiz heisst.

Seither war es ein Bubentraum von mir, einmal nach Swasiland zu reisen und von dort Postkarten nach Switzerland zu schicken. Man kann Länder grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: solche, in denen die Postkarten teurer sind als das Porto, und umgekehrt. Während in der Schweiz das Verhältnis für eine Postkarte nach Übersee etwa 2:1 für die Briefmarke ausfällt, so kostet in Swasiland die Postkarte mindestens doppelt soviel wie die Briefmarken. In regelmässigem Abstand berichten die Schweizer Medien von der grossen Menge an internationaler Post, die aus Versehen in Swasiland statt der Schweiz landet. Weil beides kleine Binnenländer sind und eben auf Englisch so ähnlich tönen, sprechen viele, wie eingangs erwähnt, von der „Schweiz Afrikas“. Doch damit erschöpfen sich die Ähnlichkeiten auch schon.


Eine Poststelle in Swasiland. Foto: Foto Arion; Patrick Schildknecht.

Freudentrunken vom im Endeffekt nutzlosen WM-Sieg über Spanien machten wir uns von Durban aus mit dem Auto auf den Weg. Nach einem eintägigen Zwischenhalt im Hluhluwe-Nationalpark – dem ältesten Nationalpark Afrikas – drangen wir von Süden her nach Swasiland vor.

Der Grenzübertritt verlief ohne Probleme, und die Hauptstrasse a.k.a. Autobahn durch das kleine Land war in besserem Zustand als viele gleichwertige Strassen in Osteuropa. Dies wirft natürlich die Frage auf, wie die Zuschüsse der Öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit im mausarmen Land eingesetzt werden, dessen grösstes Problem die Gesundheit seiner Bevölkerung ist. „Know your status!“ heisst es überall. Mehr als ein Viertel der gesamten Bevölkerung ist HIV-positiv, selbsterklärend liegt die Prozentzahl bei der sexuell aktiven Bevölkerung noch höher – bei bis zu 50 Prozent!

13 beträgt die Anzahl Frauen des gegenwärtigen Königs Mswati III., wobei dieser noch weit von den 120 Gattinnen seines Vaters entfernt ist. Der Anlass, an dem der König seine 13. Auserwählte gefunden hat, heisst Umhlanga und ist gleichzeitig auch eine der grössten Attraktionen, die das Land zu bieten hat.

Aber Swasiland bietet auch sonst einige Sehenswürdigkeiten, beispielsweise das Ezulwini-Tal mit dem Mlilwane Wildlife Sanctuary oder die nördlich der Hauptstadt Mbabane gelegene Ngwenya-Mine, die als älteste Mine der Welt gilt. Vielleicht wird die Mine schon bald als UNESCO-Welterbe anerkannt.

Das Land leidet ein wenig unter seinem schlechten Ruf – zahlreiche Südafrikaner warnen Reisende davor, hinzufahren, weil es gefährlich sei. Und schliesslich wird es auch oft links liegen gelassen, weil es so klein und unscheinbar ist. Doch genau das ist auch seine Stärke: Dank der Kleinheit des Landes ist es nicht unbedingt nötig, seine Ausflüge in Swasiland gross im Voraus zu planen. Trotz Fussballweltmeisterschaft waren wir bei vielen Sehenswürdigkeiten die einzigen Touristen des ganzen Tages. Und sollte es Ihnen dennoch langweilig werden, dann schreiben Sie eine Postkarte in die Schweiz! Unsere haben weniger als eine Woche gebraucht, bis sie angekommen sind.

Tagged: Archive, Reisetipps & Insider, Swasiland

Kommentare

  • Katja Schönherr

    „Man kann Länder grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: solche, in denen die Postkarten teurer sind als das Porto, und umgekehrt.“ –> Sehr schön!

    14. Juli 2010 at 08:36

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