Ich bin begeistert von Zürich und seinen Einwohnern. Immer, wenn ich mit dem Kinderwagen an der Haltestelle stehe, werde ich – noch bevor Tram oder Bus in Sichtweite sind – gefragt, ob man mir helfen könne, den Wagen ins Verkehrsmittel zu heben. Das nenne ich vorbildlich und hilfsbereit.

Leider sind die Tramfahrer oft nicht so rücksichtsvoll. Ich habe es nun schon mehrmals erlebt, dass jemand, der meinen Kinderwagen in den Bus gebuckelt hat, am Ende selber draussen vor der Tür bleiben musste, obwohl er gerne mitgefahren wäre. Letzten Sommer hat mich ein Bekannter aus Leipzig besucht, dem ich Zürichs Innenstadt gezeigt habe. Dann wollten wir vom Hauptbahnhof wieder nach Hause fahren. Der Kinderwagen und ich wir waren schon im Tram, nur mein Bekannter musste an der Haltestelle zurückbleiben, weil der Fahrer mal wieder voreilig die Türen geschlossen hatte. Glücklicherweise hat mein Bekannter auch ohne uns wieder zurück nach Hause gefunden.

Etwas ähnliches ist mir diese Woche an der Haltestelle Salersteig passiert. Ein netter Mann um die dreissig hilft mir, meinem Sohn und dem Wagen beim Aussteigen. Noch bevor er selber mit dem Fuss das Trittbrett erreicht, um einzusteigen, macht sich das Tram aus dem Staub. Das war mir vielleicht unangenehm. Erst mute ich einem Fremden unseren schweren Kinderwagen zu, der nach einem Spielplatzbesuch am Gemeinschaftszentrum Wipkingen nicht mehr ganz sauber ist, und zur Belohnung wird der Helfer nicht mal ins Tram gelassen. Ich frage mich dann immer: Sind die Tramfahrer blind? Die haben doch einen Rückspiegel. Da müssten sie doch sehen, dass da ganz hinten noch ein paar kleine Männlein sind, die gerne mitgenommen werden möchten.

Vor ein paar Wochen hat sich in der Tagespresse auch mal eine Mami über dieses Thema aufgeregt. Ihr ist es aber noch schlimmer ergangen als mir: Ein Mann hat ihr den Kinderwagen samt kleinem Jungen aus dem Bus getragen. Dann ging die Tür zu. Der Kinderwagen stand auf der Strasse und die Mutter war noch im Bus. Bei solchen Horrorgeschichten kriege ich wirklich Panik und kann nur hoffen, dass wir bald nicht mehr auf den Kinderwagen angewiesen sind.

Was meint ihr dazu? Habt ihr selbst auch solche Erlebnisse gehabt?

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Kommentare

  • Andreas Bach

    Also meine Erfahrungen mit den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) sind ebenfalls eher schlimm, auch wenn mir bisher noch nicht passiert ist, dass jemand nicht mehr ins oder aus dem Tram gekommen ist, der geholfen hätte. Aber wenn man mal am falschen Ort steht, dann scheint dem Tramführer i.d.R. vollkommen egal, ob man es mit Kinderwagen noch ans Ende des Wagens zum Einsteigen schafft (auch bei schnurgerader Haltestelle, bei der es sein Job ist, mich und den Kinderwagen in Signalfarbe zu sehen).

    Dass Zürich nicht wie andere Städte schon längst auf Trams umgestellt hat, die älteren Menschen wie Kinderwagen-Schiebenden das Einsteigen erleichtern würden, ist mir ebenfalls unverständlich. Die ganzen Schlappen mit den Cobras (Tramtyp mit einfachem Einstieg, die aber wg. technischer Mängel nicht den Berg hoch kommen, etc.) scheinen mir dafür keine ausreichende Entschuldigung.

    Aber das wenig kundenfreundliche Gebaren der VBZ erstaunt am Ende wenig, wenn man den Fall der wegen fahrlässiger Tötung (erstinstanzlich) verurteilten Tram-Chauffeuse betrachtet. Gemäss Stadtrat fährt sie in Zürich munter weiter, obwohl sie gemäss ihrer eigenen Aussagen in derselben Situation wieder gleich handeln würde (nicht abbremsen, nur Warnsignal geben).

    Vgl.:

    6. Mai 2008 at 19:13
  • Dusan

    So was ähnliches habe ich auch schon erlebt. Manchmal fragt man sich, ob die Chauffeure es mit Absicht machen… Am Schlimmsten ists jedoch, wenn sie die Türen schliessen, dann aber über 2 Minuten an der Station stehen und auf „grün“ warten.
    Auch wenn die Tramführung lange nicht so flexibel ist, wie bei einem Auto, könnte man doch ohne Probleme kurz aufmachen, damit man noch einsteigen kann.
    Mit dem Kinderwagen ist das schliesslich noch viel anstrengender als wenn man allein unterwegs ist…

    7. Mai 2008 at 11:43
  • Peter Hogenkamp

    Ich habe mal in einer VBZ-«Q&A» gelesen, dass die Fahrer die Tür nicht mehr öffnen dürfen/sollen, wenn schon «Grün» (also ihr Lichtsignal zum Fahren) angefordert haben. Denn sonst verpassen sie die Phase und müssen auf die nächste warten. Das dumme ist ja auch, dass, wenn man mal die Türen wieder entriegelt, man nicht wissen kann, ob es nun 5 Sekunden braucht (bis eine einzelne, junge Person reingehüpft ist) oder 30, weil jemand kommt, der die ganze Familie mitbringt. Solange die Tür nicht wieder zu ist, kann sie beliebig lange offen bleiben.

    Und wenn man das an jeder Haltestelle macht, hat man einfach schnell Verspätung. Habt Ihr mal in so ein Tram-Führerhaus geschaut? Da wird auch angezeigt, wenn man 30 Sekunden zu spät unterwegs ist. Muss ja so sein, damit die Anschlüsse stimmen. Am Stauffacher vor dem McDonald’s z.B. sollten immer mehr oder weniger gleichzeitig ein 3er/14er-Tram mit einem 2er/9er halten, damit man direkt umsteigen kann, wenn man in Richtung HB oder Paradeplatz fahren will. Das geht aber nur, wenn die Trams wirklich pünktlich fahren.

    Das Schimpfen über die VBZ-Chauffeure gehört in Zürich zum guten Ton, und ich finde es auch sehr ärgerlich, wenn mir das Tram vor der Nase wegfährt, zumal mir den meist auch der Zug wegfährt, aber ich finde es auch etwas schizophren, wenn man pünktliche Trams will, die aber auch immer die Türen öffnen, wenn jemand zu spät kommt (und das ist es ja, denn zu früh fahren sie nicht ab).

    7. Mai 2008 at 21:57
  • Rupp

    Habe die Beiträge mit den Kinderwagen mit Interesse gelesen und musste wirklich mich wundern! Wie machen sie es beim Einsteigen mit dem Wagen? Muss ihr Helfer von aussen unten die Achse des Kinderwagens anheben und sie heben vorne am Griff und steigen zuerst ein? So jedenfalls ginge es am besten. Leider sehe ich immer das umgekehrte. Die Wagenschieberin steht mit dem Griff vom Tram abgewant vor dem Tram und der Helfer muss die Achse von ganz unten zuerst anheben und auch zuerst einsteigen, dabei muss dann die Mutter die Arme ganz nach oben strecken damit das Kind nicht rausfällt, was ich auch schon beobachtet habe! Also überlegt mal wie ihr am besten einsteigt. Auch beim Aussteigen sieht man so manches, da steht also die/der Wagenschieber im Wagen und der Helfer muss zuerst aussteigen. So steht er nur am weitesten entfernt vom Tram/Bus und wird so die Weiterfahrt verpassen. Da der/die Tramchaufeu/se sieht dass beide ausgestiegen sind. Wenn ihr also mit dem Wagen aussteigen wollt und keiner hilft oder ihr habt sogar jemanden gefunden, so stellt euch vor den Kinderwagen und geht zuerst mit dem Wagen raus. Sollte niemand helfen wollen stellt ihr euch einfach auf das unterste Trittbrett und blockiert es solange bis jemand kommt. Ihr werdet sehen, dass sich schnell einer findet der euch hilft. So seid ihr mit dem Wagen draussen und der Helfer immer noch drin.

    16. August 2010 at 15:45

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