Ausflippen im Schwarzwald, cool sein in New York, schwitzen in London oder rumhängen in Paris: Alles ist besser als ein Abend im Musikpark A2 in Basel. Ein kurzer, subjektiver Trip durch das globale Nachtleben.

Die Idee zu dieser Story entstand in einer Skihütte, besser gesagt in einer gefakten Skihütte im Musikpark A2 in Basel. Hier standen wir also begleitet von einem lauen Gin Tonic und es herrschte diese unlustige Fröhlichkeit, die man von „Wetten Dass“ oder vielleicht von „TV Total“ her kennt. Die Innenaustattung sei ironisch gemeint, ein Gag sagt Kumpel Beat. Chris und ich widersprechen ihm nicht, weil er bei der UBS arbeitet und die Zeiten gerade hart sind. Schliesslich wird es Mitternacht und auf diesem Floor legt der DJ auch noch Wham auf. Auf dem Nebenfloor ist der Sound ebenfalls Eighties, aber dort lautet das Thema „Ballermann“, komplett mit Plastikpalmen und chemie-farbenen Drinks.

Spätestens jetzt verlässt der Geist den Körper und wir fragen uns, ob es nicht bessere Clubs gibt: Ein Highlight, das uns spontan einfällt ist in der Nachbarschaft „Root Down“ beim Waldsee-Restaurant in Freiburg. Mitten im Schwarzwald shaken hier einmal im Monat 1400 Studenten. Aber auch wenn man das monatliche „Root Down“ verpasst, ist die Waldsee-Kneipe, eben am See im Park, ein Biergarten, in dem es sich vorstellen kann in Ruhe die Pension abzuwarten.

Chris sagt, unterdessen läuft im A2 der Heuler „I will always Love you“ von Whitney Houston, die besten Clubs seien sowieso in Italien. Nichts könne es übertreffen, wenn man unter Palmen oder zwischen Orangenhainen tanzen könne. Auf Sizilien etwa taucht im Morgengrauen im Mercati Generali plötzlich der Aetna über dem Tal auf. Vor Mitternacht ist das Mercati, 20 Minuten von Catania entfernt, ein Restaurant und erst um Mitternacht herum sorgen DJs für eine relaxte Atmosphäre mit elektronischen Beats. Im Mercati fühlst du dich eigentlich auch nicht wie ein einem Club, sondern viel läuft beim relaxen unter den Bäumen cooler Sound.

Ja, Whitney, sie liebt dich! Sie wird dich immer lieben! Immer! In Paris fallen mir gleich zwei coole Clubs ein. Beide Jazz-Clubs. Das New Morning ist einfach eingerichtet, an den Wänden hängen Poster von Musikhelden wie Paraoh Sanders und immer spielen auf der Bühne ein paar coole Cats. Diese einfachen Schuppen, Tische, Stühle, Getränke und gute Musik sind in den grossen Städten mehr und mehr am Verschwinden. In Paris gibts aber noch eine weitere Ausnahme, La Caveau de la Huchette im Quartier Latin. Im Keller gibts ebenfalls Livesound und Jamsessions von in der Seine-Stadt gastierenden Musikern oft bis in den Morgenstunden.

Beat, unser Mann von der UBS, der dem man nicht widersprechen darf, kennt die Precious Hall in Sapporo. Immer wieder hört man ja, Japan sei das Mekka für DJs, weil man alles perfekt macht. Ein perfektes Sound-System und eine fast noch perfektere Bar sind Beat in allerbester Erinnerung geblieben. Während wir im A2 auf den nächsten Blockbuster-Mega-Mitschunkler von DJ Ötzi warten und hoffen, dass uns jemand mit einem gezielten Schlag mit einem gefakten Snowboard aus dem Elend erlöst, lasse ich cool die Namen der Londoner Superclubs fallen, Fabric, The End und Ministry und der Geheimtipp Plastic People. Plastic People ist klein, man kann nirgendwo sitzen, du betrittst eine verschwitzte Seifenblase, die von Musikfanatikern betrieben und von Musikfanatikern besucht wird. Natürlich kennt Chris den „Club du jour“ in New York. Im derzeit hippen Metapacking District liegt das Cielo. Die Tanzfläche sei in einer Art Swimming Pool im Boden eingelassen, darüber befände sich eine Art Lounge und im angrenzenden Garten wird ebenfalls getanzt, getrunken und gelabbert. Nachteil ist der übliche New York-Nachteil: Die Gesichtskontrolle am Eingang nervt extrem. Im Musikpark A2 greift der Plattenleger sofort zum nächsten Gassenhauer: „One Step Beyond“ von Madness lässt uns voller Gleichmut kollektives Harakiri mit einer Skistocknachahmug begehen.

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