Vielleicht habt ihr auch schon deutsche TV-Filme wie „Das Traumschiff“ gesehen, die in Asien spielen. Und euch gefragt, wo bitteschön Asien denn so aussieht: Eine Szenerie wie gemalt, von Hitze keine Spur (meist spazieren die Darsteller locker in Langarmhemden rum) und nirgendwo eine stinkige oder laute Ecke. „Asien in allen Ehren“, dachte ich mir jedes Mal, wenn ich in so einen Film reinzappte. „Aber so idyllisch ist es nicht einmal in Singapur.“

Doch vor ein paar Monaten habe ich meine Meinung geändert. Es gibt tatsächlich eine Stadt, die jedes romantische Asien-Klischee erfüllt: Hoi An. Bilder zur Vergrösserung anklicken. Alle Bilder: Andrea Schmits.

Das Städtchen liegt mitten in Vietnam, nur etwa eine halbe Autostunde vom internationalen Flughafen in Danang entfernt. Seine glorreichsten Zeiten sind lange vorbei: Einst hatte Hoi An den grössten Hafen in Südostasien und war Teil der Seidenstrasse. Zuerst siedelten sich Chinesen und Japaner an, dann kamen Inder, Portugiesen, Holländer und Franzosen. Doch das wirtschaftliche Glück währte nicht ewig – weil der Hafen langsam versandete, verlor die Stadt im 18. Jahrhundert ihre Bedeutung.

Heute ist die Altstadt Unesco-geschützt. Sie gilt als gut erhaltenes Beispiel eines südostasiatischen Handelshafens vom 15. bis 19. Jahrhundert. Wahrzeichen Hoi Ans sind die farbigen Lampions, die vor fast jedem Laden und Restaurant hängen. Früher zeigten sie den Schiffskapitänen den Weg, heute locken sie Touristen an. Berühmt ist der Ort auch für seine guten Schneider und das Essen: Kochkurse gibt es an jeder Ecke.

Unser Sightseeing beginnt im Hoi An Market an der Tran Phu im Osten der Altstadt. Hier verfallen wir in einen regelrechten Kaufrausch: Kaum sind wir drin, werden wir von den charmanten Verkäuferinnen von einem Stand zum nächsten gezerrt. Ehe wir uns versehen, haben wir bei einem Schneider ganze Outfits bestellt, diverse Knabbereien probiert, an Teekräutern und Kaffee gerochen, die Augenbrauen gezupft gekriegt, Schuhe massanfertigen lassen, ein paar Dosen aus Zimtholz gekauft und tausend persönliche Fragen beantwortet.

Erst Stunden später sehen wir wieder Tageslicht und erholen uns bei einem Spaziergang entlang der Uferpromenade Bach Dang in Richtung Zentrum der Altstadt. Hier reiht sich ein Restaurant ans nächste: Wir essen die lokale Spezialität Cao Lau (Udon-Nudeln mit Gemüse), Tofu, gegrillte Auberginen und viel Zitronengras. Zum Dessert gibts einen vietnamesischen Eiskaffee. Fantastisch.

Später machen wir noch eine Bootstour auf dem Fluss, besuchen das historische Kaufmannshaus Tan Ky und laufen durch das Gassengewirr zur japanischen Brücke aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist überdacht und wird an ihren Enden von Affen- und Hundeskulpturen bewacht. Übrigens: Zuerst verlangte ein Mann am Eingang von uns ein Eintrittsgeld. Als wir ihm sagten, dass wir nur auf die andere Seite des Flusses wollen, liess er uns gratis durch.

Abends locken wieder die Uferpromenade Bach Dang und die ihr gegenüberliegende Uferstrasse Nguyen Phuc Chu. Durch die im Dunkeln leuchtenden Lampions herrscht eine tollte Stimmung. Will man ein paar Lampions als Souvenir mit nach Hause nehmen, geht man in die Gasse, die von der Nguyen Phuc Chu abzweigt. Hier werden Lampions in allen Formen und Farben zu Preisen zwischen 50 Rappen und 2 Franken verkauft.

Bei so viel Welterbe und Shoppen kann man fast vergessen, dass Hoi An auch einen Strand hat. Dieser ist zwar schön, liegt aber etwa 10 bis 15 Autominuten ausserhalb der Altstadt. Dort stehen viele Hotels, sonst ist aber nicht viel los.

 

Ein Tipp zu den Schneidern:

Hoi An hat sich mit Seidenherstellung und Schneiderkunst einen Namen gemacht. Die Preise sind hier niedriger als in Saigon oder Hanoi. Es gibt aber trotzdem grosse Unterschiede zwischen den Preisen sowie der Qualität. Am besten man fragt andere Touristen nach ihren Erfahrungen oder holt sich Tipps in Reiseführern und Internetforen. Wir waren sehr zufrieden mit dem Schneiderstand Diep, an der Nummer 10 im Hoi An Market an der Tran Phu Street. Wer sich etwas schneidern lassen möchte, sollte gleich zu Beginn des Aufenthalts bestellen, so dass genug Zeit (2-3 Tage) bleibt fürs Nähen und Anprobieren.

Zum Weiterlesen:
Vietnam (1): Nachher ist man immer schlauer
Vietnam (2): Spaziergang durch Ho-Chi-Minh-City
Vietnam (3): Ausflug ins Mekong-Delta
Vietnam (4): Am Traumstrand von Mui Ne
Vietnam (5): Im Partyort Nha Trang

Tagged: Archive, Reisetipps & Insider, Vietnam

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