Von meiner von glücklichen Zufällen geprägten Ankunft in Venedig habe ich hier ja schon erzählt. Diesmal nun geht’s um meine Ausflüge während des Kurztripps:

Vom Markusplatz bis zur Rialto-Brücke
Der Markusplatz ist DER Platz in Venedig. Dogenpalast, Prokuratien, der Uhrenturm, elend viele Tauben und Touristen aber vor allem den Campanile gibt es hier zu sehen. Hier sind ausserdem die üppigen Strassencafés zu finden – mit weiss-uniformierten Kellnern, eigenem Orchester oder Pianisten und überteuerten Preisen. Das „Grand Caffe Chioagga“ lädt ein, sich an die Piazza zu setzen und dem Treiben der Touristenmassen zuzuschauen.

Am Markusplatz – Tauben, Touristen und teurer Kaffee. Foto: Ralph Hutter
Am Markusplatz – Tauben, Touristen und teurer Kaffee. Foto: Ralph Hutter

Im Gegensatz zu vielen anderen haben mich die 9,80 Euro für einen Latte Macchiato nicht gestört. Erstens war er perfekt gemacht, stillvoll angerichtet und sogar äusserst freundlich serviert. Daran können sich die hiesigen Bars und Cafés orientieren. Das ist der Massstab für richtigen Latte Macchiato:

Heisse 9,80 Euro mal zwei. Foto: Ralph Hutter
Heisse 9,80 Euro mal zwei. Foto: Ralph Hutter

Zwischen Markusplatz und Rialto-Brücke widerfährt einem der Teil von Venedig, den man eigentlich nicht haben müsste: Weil nur zwei Brücken den Canale Grande überqueren (und alle ja mindestens einmal über die Rialto-Brücke gehen müssen) massiert sich die ganze Touri-Masse entlang dieser Strecke.
Wer einen Laden mit venezianischen Masken, chinesischen Seidenkrawatten und Gondeln aus Holz oder Plastik und allerlei Mist aus Murano-Glas gesehen hat, der hat sie alle gesehen. Das Sortiment ist überall in etwa dasselbe. Nix mit italienischen Lederwaren oder venezianischer Handwerkskunst – sondern Chinakram.

Der Norden – das authentische Venedig
Das ganze Touristen-Programm vom ersten Tag hat mir beinahe mein pseudoromantisches Bild von Venedig zerstört. Aber nur beinahe. Der zweite Tag mit einem ausgedehnten Ausflug durch die Nordhälfte der Stadt konnte mich wieder besänftigen: Über die Ponte delle Scalzi gelangt man schnell in den weniger touristisch ausgerichteten nördlichen Stadtteil. Am Samstag ist lokaler Markt auf der Strada Nova. Hier an der Strasse habe ich auch die einzigen Lederwarengeschäfte gefunden, in denen keine Chinesen hinter dem Tresen gestanden sind und sich die Auslage wesentlich von der im Süden unterschieden hat.
Das „echte“ Venedig ist dort, wo Wäscheleinen über die Gassen oder Kanäle gespannt sind. Der beste Tipp kam übrigens vom Hoteldirektor: „You have to get lost in Venice.“ Es lohnt sich immer, aus dem Strom der Hauptgassen auszubrechen und sich einfach durch das Gassengewirr treiben zu lassen.

Belohnt wir das mutige Ausscheren aus der Masse mit Entdeckungen verschiedener Art. Antiquitätenläden, Bäckereien (die venezianischen Back-Künste wären alleine eine ganze Artikelserie wert), Kunstgalerien bis hin zur klassischen italienischen Männermode, und immer wieder laden kleine Espressobars zum Verweilen ein.

Das Venedig abseits des Touri-Stroms. Foto: Ralph Hutter
Das Venedig abseits des Touri-Stroms. Foto: Ralph Hutter

Aufräumen mit Vorurteilen
Nach zwei Tagen Venedig masse ich mir an, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen:

* „Venedig stinkt.“ – Solange es noch nicht zu heiss ist und ein bisschen Wind weht, riecht Venedig nicht anders als eine Stadt am Bodensee.

* „Venedig ist romantisch.“ – Venedig ist so romantisch, wie man es sich macht und so romantisch wie die Orte, die man aufsucht. Abseits der Touristenströme offenbart sich ein Charme, den man anderswo weit, weit suchen muss.

* „Gondolieres singen.“ – Keiner hat gesungen. Auch nicht für 10 Euro. Entweder ist das Hollywood-Kitsch oder ich war am falschen Ort.

* „Es gibt tolle Lederwaren in Venedig.“ – Gibt es, und zwar für alle, die chinesische Lederwaren mögen. Die anderen werden Rom vermutlich vorziehen.

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