Sommer 2007 – Hauptdarsteller: Meine Tochter 11 Jahre, mein Sohn 9 Jahre, meine Frau 35 Jahre, ich (ein 35jähriger gestresster Grossstädter) und unser 5er BMW – eh klar als Bayer! (Von unserem Gastautor Hans Tschiderer)

Imst

(Foto: Thomas Krismer)

Abfahrt – Anreise:
Freitag später Nachmittag: Wir verlassen München in Richtung Serfaus in Tirol. Damit wir nicht die Monotonie der Autobahn erdulden müssen, wir genügend Zeit haben und das Wetter schön ist, haben wir uns entschlossen über Garmisch und den Fernpass anzureisen – ein kleines Zuckerl bietet diese Route noch zusätzlich – Vignettenfrei! Vorbei am Münchner-Meer, dem Starnberger See – bis dahin war relativ viel Verkehr, was aber angesichts der Zeit vorhersehbar war – bis Garmisch – problemlos. Wir betreten die Alpen – man merkt den Power-Verlust unseres 5ers bei Vollbeladung – man hat ja Zeit. Wir passieren Ehrwald und schauen uns die Zugspitze von „hinten“ an und wir freuen uns auf die Passhöhe des Fernpasses – dank einiger Wohnmobile haben wir genügend Zeit, uns die Gegend anzusehen… Am Fusse des Fernpasses – auf der anderen Seite – halten wir beim Fernsteinsee an und genehmigen uns eine Rast – ein schöneres Rastplätzchen habe ich noch nicht gesehen und der Kaiserschmarren – ein Traum. Die Kids und meine Frau gönnen sich Eis – leider ist mein Schmarren etwas später auf dem Tisch gelandet und ich muss ihn familiär teilen, als die Eisbecher „vernichtet“ wurden :-).

In Imst fahren wir auf die Bundesstrasse nach Landeck (hier sollte man fahren, wenn man sich die Vignette sparen will), mitten durch Landeck durch und dann Richtung Reschenpass. Bis Prutz ist das Tal sehr eng und an den Gesichtszügen meiner Frau merkte ich, dass es rechts relativ steil bergab ging. In Prutz, am Eingang zum Kaunertal werden wir allerdings belohnt. Wir blicken nach links und die 3000er des Kaunergrates zeigen sich uns. Die Abendsonne scheint nur mehr auf die höchsten Gipfel und diese färben sich leicht rötlich – herrlich. Wenige Kilometer weiter, in Ried, biegen wir rechts ab in Richtung Serfaus, Fiss, Ladis – eigentlich ist es eine Frechheit, diese kurvige Strasse mit dem Auto zu fahren – auf einmal summe ich „..born to be wild!“ Nach einigen Minuten passieren wir Fiss und erreichen sogleich Serfaus. Wir werden von einer grossen Schranke begrüsst, die einem Zollamt gleicht. Serfaus, muss man wissen, ist autofrei – zu bestimmten Zeiten zumindest – offizielles Fortbewegungsmittel ist hier die U-Bahn. Da wir in Serfaus gebucht hatten, dürfen wir passieren und sind überwältigt von den grossen Hotels, die alle im „Älpler-Style“ glänzen – kleine Fenster, viel Holz, eine imposante Beleuchtung….wir sind da!

Serfaus

Urlaubsplanung vor Ort:
An der Reception gönne ich mir keine Ruhe – nachdem wir eingecheckt und das Gepäck versorgt hatten, löchere ich die Receptionistin mit Fragen zur Infrastruktur des Hotels, des Ortes, der Region und lasse mir spezielle Infos über Veranstaltungen, Mountainbiking, Kinderprogramm und Wellness geben. Da ich die Kids und meine Frau nicht auf meine Mountainbike Touren mitnehmen kann, müssen Betätigungsmöglichkeiten für sie gefunden werden. Im Vorfeld unserer Buchung haben wir bewusst ein Wellnesshotel gesucht, damit meine Gattin mal so richtig verwöhnt werden kann, während ich mir den Hintern „blau“ radle. Für die Kinder ist gesorgt – die Receptionistin überzeugt mich von den Vorzügen der Region in Sachen „Kinderfreundlichkeit“. Ich bin müde – gehe schlafen…

Die Region Serfaus Fiss Ladis:
Wie in allen Regionen in den Alpen kann hier ausgiebig gewandert und geradelt werden. Das Angebot für Familien und Kinder ist allerdings hervorzuheben. Im Winter ist „Tirols Skidimension“ bekanntlich ein Top Skigebiet. Die Ortschaften liegen alle auf einem Hochplateau, welches nach Süden ausgerichtet ist – deshalb sagen die Einheimischen auch Sonnenplateau zu ihrer Heimat. Serfaus ist rätoromanischen Ursprungs – in der Tat ist das Land der Rätoromanen, Graubünden, nicht wirklich weit entfernt. Der Tourismus prägt die Ortsbilder der drei Orte Serfaus, Fiss und Ladis. Die Ursprünglichkeit findet man am ehesten im Dorfzentrum von Fiss. Ladis ist ein wenig verträumt – hier würde ich urlauben, wenn ich meine Ruhe suchte.

Shopping Tour nach Samnaun am 2. Urlaubstag:
Die Anreise hat den Tank unseres 5ers ziemlich geleert und wir wollen gerüstet sein, falls schlechtes Wetter Aktivitäten im Freien verhindern sollte. Nachdem ich wieder „born to be wild“ gesummt hatte erreichen wir Ried – ein grosszügiger Badesee und eine Seilbahn nach Fendels (von unserem Hotelzimmer aus haben wir einen herrlichen Blick auf die gegenüberliegende Talseite des Inntales und somit auf Fendels) findet man hier. Der Reschen-Bundesstrasse folgen wir bis Tösens, einer kleinen Streusiedlung mit einer Radarfalle. Tösens kann ich mir gut vorstellen, wenn ich absolute Ruhe haben will und verkehrstechnisch schnell im Kaunertal, auf dem Sonnenplateau, in Nauders oder in Samnaun – Ischgl sein will. Vorbei an kleinen Weilern auf der rechten Talseite (aus der Fahrtrichtung gesehen) erreichen wir Pfunds.

Samnaun/Ischgl im WinterDas Tal ist relativ breit und zwei Seitentäler münden hier ins Inntal. Der Ort ist relativ gross und kompakt auf beiden Ufern des Inns angelegt. Schon am Ortseingang wirbt ein örtlich ansässiger Taxiunternehmer mit Gratis-Skibus nach Nauders und Samnaun. Sicherlich sinnvoll, denn Pfunds hat kein eigenes Skigebiet. Einige Kilometer hinter Pfunds plötzlich eine Mega-Kreuzung – in fünf Richtungen kann man hier abbiegen – eine davon führt ins zollfreie Samnaun. Die Strasse ist sehr steil und kurvenreich und wie es aussieht, haben sich viele Menschen dazu entschlossen, das selbe Reiseziel aufzusuchen, wie wir. Ein Kriecher zieht eine Autoschlange hinter sich her – überholen mit dem Auto beinahe unmöglich – und wieder sehne ich ein Motorrad herbei :-). Wir erreichen Spiss, Österreichs höchstgelegene Gemeinde – nur einen Steinwurf von der Schweizer Grenze entfernt. Gut, dass ich die Pässe nie aus dem Auto genommen habe, denn jetzt verlassen wir die EU und betreten das Duty-Free Paradies Samnaun. Samnaun ist ein kleines Seitental des Engadins und setzt sich aus 5 Ortschaften zusammen. Neben günstigem Sprit, Alkohol, Schmuck, Parfums und Zigaretten kann das Tal mit der grössten Doppelstockbahn, die ins Skigebiet Ischgl – Samnaun führt, aufwarten.

Wir haben das Glück, dass sich die Doppelstockbahn gerade über uns befindet, als sie die Strasse quert – so haben wir eine gute Sicht auf die wahre Grösse dieses technischen Meisterwerks. Nachdem unser 5er mit Billig-Benzin abgefüllt wurde, spazieren wir nun durch Samnaun-Dorf, dem hintersten Ort im Tal. Eine Boutique reiht sich an die andere. Hier könnte sich ganz München mit Cremes und Parfums eindecken 🙂 – ein Paradies für meine zwei Mädels. Mein Sohn und ich schauen ein wenig Leute auf einer Hotelterrasse, während sich unsere Damen austoben. Der herrliche Blick auf den Muttler (ein markanter 3000er, dessen Name mir der Kellner verriet) wird im Shopping-Getümmel wahrscheinlich des öfteren übersehen. Am Heimweg bemerken wir, dass eine zweite Strasse nach „talauswärts“ führt. Neugierig, wie ich bin, biege ich nach rechts ab. Eine gute Entscheidung – die Strasse ist schmaler, als die über Spiss und mit einspurigen Tunnels gespickt, S-Kurven ohne Ende – nix für Holländer 🙂 …und meinen Sohn – auf halber Strecke muss er das Essen erneut begrüssen… Etwas schade ist, dass Schlaglöcher und Bitumenstreifen den Asphalt zieren. Die Strasse endet im Engadin – rechts biegt man in Richtung Scuol und St. Moritz ab und links, unser Weg, führt wieder zurück zur „Mega-Kreuzung“. Wir fahren wieder ins Hotel…

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