Sintra darf man nicht verpassen, empfahl mir eine Freundin vor der Abreise. Also befolgte ich ihren Rat und es hat sich wirklich gelohnt – von dem tagelangen Muskelkater danach mal abgesehen. 25 Kilometer westlich von Lissabon gelegen, gehört die Kleinstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Ein Tag reichte uns, um das Wichtigste zu sehen. Stark Geschichts- und Kulturinteressierte können sich in Sintra aber auch leicht mehrere Tage beschäftigen.

Ohne Plan laufen wir nach der Ankunft am Bahnhof den anderen Touristen nach und merken bald, dass wir uns auf dem Weg zum hoch über der Stadt gelegenen Castelo dos Mouros befinden. Der Anstieg ist mühsam, lange und unser mein Schweiss fliesst in Strömen. Oben angelangt, werden wir für die Strapazen mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Auf den begehbaren Schlossmauern der mutmasslich im 9. Jahrhundert begründeten Maurenburg wähne ich mich ausserdem fast auf der chinesischen Mauer – eine Tatsache, die allerdings nicht nur gute Erinnerungen hervorruft. Trotzdem: Die Ähnlichkeit ist frappierend, wer hätte das gedacht?

Danach wandern wir wieder ein Stück den Hügel hinunter, nur um dann den nächsten zu erklimmen. Zum zweiten Glanzpunkt von Sintra, dem Palácio da Pena fährt aber zum Glück auch eine kleine Bahn (für zwei Euro). Der Palácio da Pena wird auch Portugals Neuschwanstein genannt und strotzt nur so vor Edelkitsch. Laut Broschüre sind Park und Palast ausserdem die schönsten Beispiele der portugiesischen Romantik im 19. Jahrhundert. Der Eintritt in den Schlosspark mit Schlossbesichtigung kostet elf Euro.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind zum Beispiel der Palácio Nacional de Sintra, ein ehemaliger königlicher Palast mitten in der Altstadt oder das nahegelegene Convento dos Capuchos, ein Kloster aus dem 16. Jahrhundert.

Von Sintra aus bietet sich übrigens gleich ein weiterer Ausflug an, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte: Vor dem Tourismusbüro im Zentrum fährt ein Bus zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Europas. Spontan fahren wir mit – und steigen eine gute halbe Stunde später an einem der atemberaubensten Orte aus, den ich je gesehen habe. Neben uns prankt ein malerischer Leuchtturm, weit unter den Klippen tobt die Brandung des unendlich scheinenden Atlantiks, in den die Sonne langsam zu versinken scheint. In 140 Metern Höhe führen Pfade zu den Aussichtsvorsprüngen über der Steilküste – so schmal, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben so etwas wie Höhenangst verspüre. Auf einem Denkmal steht passend:

„Aqui…onde a terra se acaba e o mar começa.“ (Camoes)
(„Hier endet das Land, und das Meer beginnt.“)

Anreise von Lissabon:
Mit dem Zug ab Bahnhof Rossio (wunderschönes Gebäude zwischen dem Praça Restauradores und dem Praça Dom Pedro IV): 40 Minuten, 1,85 Euro pro Weg.

Von Sintra nach Cabo da Roca:
Bus ab Bahnhof Sintra oder ab dem Touristenbüro in der Altstadt: 35 Minuten, 3,55 Euro pro Weg.

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